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Baroness auf Löwenjagd Wie die Dänin Karen Blixen zu Weltruhm kam

Karen Blixen: Baroness auf Löwenjagd Fotos
Getty Images

Farmleben: Die Dänin Karen Blixen schrieb die autobiografische Vorlage des Kinowelterfolgs "Jenseits von Afrika". Von

Sie hatte eine Farm in Afrika, am Rande des Ngong-Gebirges - für sie der Gipfel der Welt. Die Dänin Karen Christentze Dinesen war am 13. Januar 1914 in Mombasa angekommen, um einen Tag später zu heiraten. Als Baroness Blixen-Finecke führte sie dann eine Kaffeeplantage in der Nähe von Nairobi und zählte zur High Society von Britisch-Ostafrika.

In Deutschland erlangte sie später als Tania Blixen Berühmtheit: Ihr bekanntestes Buch hieß in der ersten deutschen Übersetzung von 1938 "Afrika, dunkel lockende Welt", ein autobiografischer Roman. Dessen Verfilmung - "Jenseits von Afrika" mit Meryl Streep, Klaus Maria Brandauer und Robert Redford 1985 - machte Karen Blixen endgültig weltberühmt.

Die Frau mit den vielen Namen - Familienmitglieder riefen sie Tanne, ihre Angestellten auf der Ngong-Farm titulierten sie M'sabu, Gebieterin, als Isak Dinesen veröffentlichte sie viele Texte - war 1885 auf dem Gutshof Rungstedlund in der Nähe Kopenhagens geboren worden. Sie stammte aus einer Familie von Kaufleuten, Gutsherren und Militärs.

Karen war unangepasst, sensibel, kreativ; sie schrieb und zeichnete schon als junge Frau. Die Allianz, die sie 1912 mit dem schwedischen Baron Bror Frederik von Blixen-Finecke einging, war ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Als Ehefrau konnte sie ihrem konventionellen Elternhaus entfliehen, das sie schon lange "nicht zum Aushalten" fand. Der Baron wiederum benötigte ihr Geld, um sich von seiner Familie zu lösen.

Bror reiste voraus nach Afrika, Karen folgte, und auf der Schiffspassage von Neapel nach Mombasa lernte sie den deutschen Offizier Paul von Lettow-Vorbeck kennen. Gemeinsam feierten sie Silvester. Der schneidige Preuße bemühte sich um die hübsche Dänin, sie genoss den Flirt.

Der Kontakt blieb nicht unbemerkt, denn im bald beginnenden Ersten Weltkrieg war Lettow-Vorbeck Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika. Die britischen Gegner respektierten seine Kriegskunst, mit der er sich lange gegen eine Übermacht behaupten konnte, sodass die Einheimischen glaubten, er sei ein Zauberer. Karen Blixen wurde in Nairobi als deutsche Spionin verleumdet. Erst als ihr Bruder Thomas, der als Mitglied des kanadischen Heeres an der französischen Front gekämpft hatte, 1918 mit höchsten militärischen Ehren bedacht worden war, konnte sie sich als vollständig rehabilitiert betrachten.

Eine unkonventionelle Kolonialherrin

Wahrscheinlich infizierte ihr Mann sie bald nach der Hochzeit mit Syphilis. Sie musste sich in Europa behandeln lassen, an den Folgen litt sie ein Leben lang. Wohl deshalb blieb sie kinderlos.

Die Farm erwies sich als wirtschaftliches Desaster. Die Lage der Plantage, 2000 Meter über dem Meer, war schwierig für den Kaffeeanbau; Dürrezeiten verdarben die ohnehin kärglichen Ernten. Bror wollte das Anwesen verkaufen, doch seine Frau hing an diesem Stück Land - und seinen Bewohnern.

Mehr als tausend Menschen lebten und arbeiteten dort. Auf der Blixen-Farm gab es medizinische Versorgung und eine Schule, auch für Erwachsene. Ein Somali namens Farah wurde ihr Vertrauter, er stand ihr während ihrer vielen Krankheitstage bei, derweil Baron Blixen der Farm immer öfter fernblieb. Mit Farah hielt sie auch von Dänemark aus Kontakt. Ihn und andere ehemalige Angestellte bedachte sie im Testament.

Karen Blixen sprach sich öffentlich gegen einen Pass für alle Afrikaner aus, der deren Stammeszugehörigkeit ignorierte, denn dies hielt sie für diskriminierend. Sie beklagte, dass der Gouverneur ein Luxushaus baue, während die Eingeborenen hungerten. Trotzdem befand sie, das "Konzept einer herrschenden Klasse" dürfe nicht verschwinden, das wäre "schade".

Auf einer ihrer Europareisen nahm sie zwei Jungs von der Farm mit, die in Paris und London herausgeputzt hinter ihr herlaufen und ihre Einkäufe tragen mussten. Die unkonventionelle Kolonialherrin brachte Schlangenhäute mit, von Tieren, die Bror geschossen hatte. Das Reptilienleder ließ sie in der französischen Hauptstadt zu Schuhen verarbeiten.

"Baroness Blixen" wollte sie auch nach der Scheidung bleiben

Die Landschaft und die Tiere Afrikas faszinierten Blixen zutiefst. Nach ihrer ersten Safari war sie wie berauscht. Und die ausgedehnten Jagdausflüge boten Gelegenheit, wenigstens etwas Zeit mit ihrem Ehemann zu verbringen.

Im Haus Bogani, wie das vergleichsweise bescheidene Heim der Blixens hieß, war es oft still. Tanne verbrachte viel Zeit allein. Sie las, der religiöse Philosoph Søren Kierkegaard zählte zu ihrer Lieblingslektüre. Sie schrieb zahlreiche Briefe in die alte Heimat - und kümmerte sich um die Geschäfte der Farm. Dabei legte sie auch beim Pflanzen und Ernten mit Hand an.

Einen großen Teil des Geldes aus Dänemark, das helfen sollte, Karens afrikanischen Traum zu retten, verwendete Baron Blixen für seine Safaris - und um Rechnungen vom Muthaiga Country Club in Nairobi zu begleichen. Ihre Familie forderte schließlich den Ausschluss des verschwenderischen Barons von allen wirtschaftlichen Aktivitäten der Farm. Die Scheidung wurde 1922 beantragt.

Die inzwischen fast 37-jährige Blixen litt unter der Situation. Ihren Ehenamen führte sie weiterhin, die standesbewusste Dame wollte "Baroness Blixen" bleiben. Die Verbindung zu Bror blieb trotz allem freundschaftlich.

Luxus zwischen Löwenjagd und wilden Partys

Ihre große Liebe wurde ein Mann, den sie schon 1918 in Nairobi kennengelernt hatte: Denys Finch Hatton, ein wohlhabender Brite, Eton-Schüler und Oxford-Absolvent. Ein Abenteurer, Kunstliebhaber, Genießer, der sich als Großwildjäger einen Namen machte. Seine Unabhängigkeit zog Karen an, gleichzeitig litt sie darunter, dass er sich nicht zu ihr bekennen wollte.

Finch Hatton verschwand wochenlang auf Safaris oder nach Europa. Ein Lebemann, der die Dänin durch seine Eskapaden in Wut und Depression trieb - und ihr Leben gleichzeitig bereicherte. Sie erfand Erzählungen, um ihn zu beeindrucken, sie begann wieder zu malen, das Paar diskutierte über Literatur - sie lebten zeitweise einen Traum von Luxus zwischen Löwenjagd und wilden Partys. Im November 1928 war der britische Thronfolger Prinz Eduard VIII. zu Gast auf der Ngong-Farm.

Doch es war ein Leben auf Pump. Karen Blixen war inzwischen hoch verschuldet. Anfang 1931 stand fest, dass die Farm verkauft werden muss. Es gelang ihr, für die Arbeiter und deren Familien ein Bleiberecht zu erwirken. Der neue Besitzer bot ihr an, weiter im Haus Bogani zu wohnen. Sie entgegnete: Da würde sie lieber in der Sahara leben wollen. Die Herrin der Ngong-Plantage ohne Land - undenkbar.

Im Mai 1931 erreichte sie die Nachricht vom Tod des geliebten Abenteurers: Denys Finch Hatton war mit seinem Flugzeug abgestürzt.

Zwei Monate später bestieg Karen Blixen in Mombasa ein Schiff, das sie nach Europa brachte. Afrika sollte sie nie wiedersehen. Im Gepäck, bedeutend leichter als 17 Jahre zuvor, befand sich eine kleine Kiste mit Erde von ihrer Farm. Die kam 1962 mit in ihr dänisches Grab.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Danke
Dieter Freundlieb, 04.02.2016
Ein informativer und ausgewogener Bericht. Out of Africa ist immer noch einer meiner Lieblingsfilme. Robert Redford ist zwar nicht gerade das, was man sich unter dem wirklichen Denys Finch-Hatton vorstellt, aber er macht seine Sache trotzdem gut. Farah, dessen richtiger Name mir jetzt nicht einfällt, und Klaus Maria Brandauer als Bror sind auch hervorragende Besetzungen.
2. Auf jeden Fall
Jens Habermann, 04.02.2016
Die Frau hat eindeutig gelebt und erlebt! Es gehört m. E. nach viel Mut dazu, aus dem bürgerlichen Leben nicht nur auszubrechen, sondern dann auch gleich direkt nach Afrika zu gehen in eine ungewisse Zukunft. Mutige Frau!
3. Blixen-Museum
Axel Koenig, 04.02.2016
Für Interessierte: Es lohnt sich, das Karen-Blixen-Wohnhaus nördlich von Kopenhagen anzusehen (mit S-Bahn und Bus leicht zu erreichen). Zahlreiche Erinnerungsstücke aus Afrika. Auch ihr Grab ist auf diesem Grundstück.
4. zu 3.
Robert Stulier, 04.02.2016
Rungstedlund liegt traumhaft am Strandvej mit Blick auf Schweden. Zu empfehlen ist eine Tagestour mit dem anschließenden Besuch des Louisiana.dk ein Stückchen weiter nördlich in Humlebæk. Kann man alles auch mit dem Fahrrad bequem am Wasser entlang radeln. Und dann gibt es auf der Route schließlich noch Hamlet's Kronborg in Helsingør.
5. Haus in Nairobi
Roger Carbonell, 05.02.2016
Das Farmhaus steht weiterhin am Fuss der Ngong-Berge, mittlerweile ist das ein Stadtteil von Nairobi. Schoenes Museum. Der Stadtteil Karen wurde spaeter nach ihr benannt um kaufkraeftige Bewohner anzulocken. Das Haus ist wirklich sehr bescheiden, eigentlich ueberraschend klein. Die Aussenaufnahmen des Films wurden dort gemacht. Wenn in Kenia lohnt sich der Besuch.
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