Kalenderblatt: 13.10.1949 Gründung des DGB

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München am 13. Oktober 1949: Mitglieder des Gewerkschaftsrates und die Vorsitzenden von 16 Einzelgewerkschaften beschließen die Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) - einer der größten Gewerkschafts-Organisationen der Welt. Von

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"Wir haben den ehrlichen Willen, diese Gewerkschaft so zu gestalten, dass sie allen Arbeitnehmern künftig eine echte Heimat ist." Mit diesem einen Satz hat Hans Böckler das Programm des Deutschen Gewerkschaftsbundes zusammengefasst. Als der DGB 1949 gegründet wurde, wählten die Gewerkschaften Böckler zum ersten Vorsitzenden der Organisation.

Der DGB sollte Dachverband und politische Plattform der damals 16 Einzelgewerkschaften sein. Folglich waren die ersten Debatten im DGB auch die, die die junge Bundesrepublik bewegten: Wiederbewaffnung, Notstandsgesetze und Ost-West-Konflikt.

Thema Nummer Eins: Tarifpolitik

Heftige Auseinandersetzungen gab es beim Gewerkschaftsthema Nummer Eins - der Tarifpolitik. Die einen wollten Reichtum gesellschaftlich umverteilen. Die anderen stellten die Herrschaft des Unternehmertums nicht in Frage, sie traten für eine so genannte sozialpartnerschaftliche Tarifpolitik ein und gewannen schließlich den Systemstreit.

Ihr Hauptverfechter war Georg Leber, damals Vorsitzender der Gewerkschaft Bau - Steine - Erden: "Der Unternehmer hat in unserem Bild von einer freien Gesellschaft einen ebenso klaren wie festen Platz. Gesunde und wirtschaftlich fundierte Unternehmen sind eine unerlässliche Voraussetzung für unser ganzes soziales und wirtschaftliches Wirken als Gewerkschaft."

In den 1970er und 1980er Jahren fanden im DGB nicht mehr wirklich grundsätzliche gesellschaftliche Debatten statt. Der Apparat wuchs und wuchs, parallel zu den Mitgliederzahlen in den Einzelgewerkschaften - bis 1981 auf 7,9 Millionen. Und der Apparat produzierte Skandale: Missmanagement und persönliche Bereicherung bei der gewerkschaftseigenen Wohnungsbaugenossenschaft "Neue Heimat" führten zu einem Milliardendebakel.

Anschluss verloren

Zudem hatten die DGB-Gewerkschaften den Anschluss an die jungen Arbeitnehmer und die neuen Branchen verloren. Sie waren dort stark, wo sie in den 1950er Jahren stark gewesen waren: in Großbetrieben und bei männlichen Facharbeitern - in der Dienstleistungsgesellschaft beides aussterbende Spezies.Der daraus folgende Mitgliederschwund wurde 1990 durch die Deutsche Einheit gestoppt, als die ostdeutschen Gewerkschafter zum DGB stießen.

Die Einheit allerdings stellte die Gewerkschaften vor neue Herausforderungen. Franziska Wiethold, damals Hauptvorstand der Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen - HBV: "Wir hatten zum Teil einen unglaublichen Zuwachs an Mitgliedern, haben die zum Teil gar nicht verarbeiten können. Dann kam auch in unseren Bereichen ein brutaler Zusammenbruch der traditionellen Betriebe. Das führte auch zu einem entsprechenden Rückgang bei den Mitgliedern. Das hat uns ähnlich getroffen, wie bei fast allen anderen Gewerkschaften. Das hat zu finanziellen Problemen HBV-intern geführt, und die mussten natürlich alle ausbaden, diese gemeinsame Fehleinschätzung."

Einige DGB-Gewerkschaften hat diese Fehleinschätzung an den Rand des Konkurses gebracht. Die weit verbreitete Lösung: Fusionen. Eine der einschneidendsten erfolgte 2001, als sich fünf Einzelgewerkschaften zur riesigen Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di zusammenschlossen.

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