Kalenderblatt: 18.6.1974 Aus für die Tabakwerbung

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HB-Männchen und Marlboro-Mann adé! Nach einem Beschluss des Deutschen Bundestages durfte ab dem 18. Juni 1974 in Rundfunk und Fernsehen nicht mehr für Zigaretten geworben werden - obwohl die Tabakindustrie alles versucht hatte, um dieses Verbot zu verhindern. Von

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1957 wurde das Werbefernsehen gesetzlich erlaubt. Damit gewann auch die deutsche Zigarettenindustrie zunächst einmal neues Marketing-Terrain dazu. Doch bald schon sollte die Antiraucherbewegung, die sich am entschlossensten in den angelsächsischen Ländern formierte, auch die Bundesrepublik Deutschland erfasst haben. Die Zigarettengegner stützten sich auf Studien, die eindeutig den Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und Rauchen belegten.


Lesen Sie auch zum Thema: 3.11.1956: Werbefernsehen in Deutschland bei Kalenderblatt.de

Schon 1965 war in Großbritannien die Stimmung so weit umgeschlagen, dass die britische Regierung die Tabakwerbung von den Bildschirmen verbannte. In der Bundesrepublik versuchten die Zigarettenhersteller dem vorzubeugen. Um staatliche Verbote von vornherein zu vermeiden, legten sie sich 1965 eine freiwillige Selbstbeschränkung auf.

Geschlossen erklärten sie sich in ihren "Werberichtlinien für den deutschen Zigarettenmarkt" dazu bereit, in ihren Spots und Anzeigen keine Personen abzubilden, die jünger wirkten als 25 Jahre. Sie verzichteten auch darauf, ihre Werbung in Zusammenhang mit Sport abzubilden oder den Zigarettenfilter als gesundheitsfördernd zu deklarieren.

Zum Schutz der Verbraucher

1969 dann legte die damalige Gesundheitsministerin Käthe Strobel dem Bundestag einen Gesetzentwurf zur Gesamtreform des Lebensmittelrechts vor, der auch die Tabakwerbung im Visier hatte. Das Ziel der Reform war, den Verbraucher stärker vor Schad- und Fremdstoffen sowie vor irreführender Werbung zu schützen.

Der 2. Januar 1971 setzte das nächste Signal. In den USA war mit sofortiger Wirkung die Zigarettenwerbung in Rundfunk und Fernsehen verboten, und im gleichen Jahr wurde der von Käthe Strobels Nachfolgerin Katharina Focke neu eingebrachte Reformentwurf vom Bundeskabinett verabschiedet. Die deutsche Zigarettenindustrie fand es ratsam, ihre freiwillige Selbstbeschränkung noch einmal zu verschärfen.

1971 wurde das anzunehmende Alter der Werbedarsteller auf 30 Jahre erhöht. Neben dem Sport waren nun alle von Jugendlichen bevorzugten Umgebungen tabu. Auch typische Äußerungen von Jugendlichen und so mancher altbekannte Werbespruch wie "frohen Herzens genießen", "aus reiner Lebensfreude" oder "von höchster Reinheit" wurde, weil verharmlosend, ersatzlos gestrichen. Selbst die Nikotin- und Rauchkondensatwerte von Filterzigaretten setzten die Zigarettenhersteller herab.

Viele kleine Schritte

Schließlich verordneten sich die Zigarettenhersteller ab 1972 sogar den freiwilligen Verzicht auf die Zigarettenwerbung im Fernsehen. Das HB-Männchen, der Camel- und der Marlboro-Mann erlebten ihre Abenteuer nur noch auf der Kinoleinwand.

Doch trotz aller Selbstbeschränkung, am 18. Juni 1974, als der Reformentwurf des Lebensmittelrechts endlich Gesetz wurde, hatte man in letzter Minute auch das Tabakwerbeverbot noch mit aufgenommen. Jedenfalls behalf sich die Zigarettenindustrie damit, ihre Werbemittel bei den vom Fernsehen übertragenen Sportveranstaltungen einzusetzen.

Zeitsprung ins 21. Jahrhundert: Zwar durfte nach dem Verbot von 1974 noch auf Plakaten und im Kino für Zigaretten geworben werden, jedoch waren ab 2003 Werbespots im Kino vor 18.00 verboten. Seit 2007 nun ist Werbung für Tabak in Zeitschriften, Zeitungen und im Internet verboten.

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