Kalenderblatt: 19.3.1953 Der Messerschmitt-Kabinenroller

Kalenderblatt: 19.3.1953: Der Messerschmitt-Kabinenroller Fotos
dpa

Es war ein kurioses Gefährt, das auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt vorgestellt wurde: Der Messerschmitt-Kabinenroller, eine Mischung aus PKW und Motorroller, in dem zwei Personen hintereinander sitzen konnten.

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Mit der Konjunktur mitgehen wollten viele, damals in den 1950er-Jahren, als der gröbste Kriegsschutt weggeräumt und der Nachholbedarf immens war, als man träumte vom kleinen Glück, von Seidenstrümpfen und duftigen Kleidern, einer neuen Couch, von Ferien an der Adria und ein bisschen Mobilität.

Aber das Geld war knapp, damals in den 1950er-Jahren, reichte es, wenn überhaupt, zunächst nur für ein Gefährt mit zwei Rädern: Das klassisch männliche Motorrad erlebte einen ungeahnten Aufschwung und junge Frauen entdeckten die Vorzüge des aus Italien importierten Motorrollers. Schutz vor Wind und Regen bot freilich weder das eine noch das andere, und so schielte man dann doch schon mal in den Prospekt eines Kleinwagens und schaute dem Brezelfenster-Käfer schmachtend hinterher.

In die Lücke zwischen Roller und Kleinwagen wuchs Ende der 1940er-Jahre eine Fahrzeuggattung, für die man erst Jahre später einen Namen fand: Rollermobil. Das schnellste all dieser Mobile war der Messerschmidt-Kabinenroller, kurz Karo genannt, dessen Serienproduktion am 19. März 1953 in Regensburg begann.

'Schneewittchensarg'

Erdacht und konstruiert hat den kleinen Flitzer der Flugzeugbauer Fritz Fend, der nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst Behinderten ein einfaches und billiges Fortbewegungsmittel anbieten wollte. 2,80 Meter lang war sein Karo, nur 230 Kilogramm schwer und auf 100 Kilometer verbrauchte der Zweitaktmotor nicht mehr als 3,5 Liter.

Der besondere Clou des rasanten Kabinenrollers aber war seine hervorragende Aerodynamik: Die Karosserie betont schmal, weshalb Fahrer und Beifahrer denn auch hintereinander saßen - und über ihnen, nichts als der Himmel, grenzenlos einsehbar durch eine Plexiglashaube, die sich zum Ein- und Aussteigen aufklappen ließ - weshalb der Karo sich den Kosenamen 'Schneewittchensarg' eingehandelt hat.

Vom Fortbewegungsmittel zum Oldtimer

Die wachsenden Platz- und Komfortansprüche der Autofahrer im Wirtschaftswunderland bedeuteten das Aus für den Karo. 1964, nach rund 40.000 Kabinenrollern, wurde die Produktion eingestellt. Langsam verschwand dieses kuriose Gefährt von den Straßen, wurde verschrottet oder rostete vor sich hin.

Inzwischen wird der Messerschmidt, der Kabinenroller, der einst dem kleinen Mann beim Fahren ein richtiges Dach über dem Kopf beschert hat als Oldtimer gepflegt, geliebt und teuer gehandelt.

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