Kalenderblatt: 2.1.1958 Punkten mit Geschwindigkeit

Punkte in Flensburg - Alptraum jedes Autofahrers. Dabei waren die schon ein Fortschritt: Als der Bundesverkehrsminister am 2. Januar 1958 eine zentrale Kartei für Verkehrssünder einrichten ließ, stand auf überfahrene Ampeln noch Knast.

Passanten betrachten die Folgen eines Autounfalls in Berlin

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Die Punkte, die man in Flensburg bekommt, wenn man vielleicht mal wieder zu schnell unterwegs war, die tun weh. Denn bei 18 Punkten ist der Führerschein weg. Die strenge Regel solle eben einen Hauch von Zivilisation in den Verkehrsdschungel bringen.

Das dachte sich vor 50 Jahren der damalige Verkehrsminister Hans Christoph Seebohm. Seinerzeit tuckerten die Deutschen vorzugsweise im VW-Käfer über Land, aber auch der fuhr manchmal zu flott. So trat der Minister auf die Bremse und ließ ab 1958 alle Daten über Verkehrssünder speichern, im Flensburger Verkehrszentralregister, wie die Kartei offiziell heißt.

Kriminelle Ampelflitzer

Vom heutigen Punktsystem war man da noch weit entfernt. In Flensburg zu landen, war damals sogar unangenehmer als heute, denn nach damaliger Rechtsauffassung wurde man gleich als kriminell abgestempelt. Damals gab es noch die Unterscheidung zwischen Übertretung, Vergehen, Verbrechen - und all diese Bürger galten als vorbestraft. Auch kleine verkehrssünder, denn es galt als Übertretung, eine rote Ampel zu missachten.

Das änderte sich grundlegend erst im Jahre 1974: Übertretungen, die ersatzweise mit Haft geahndet werden konnten, wurden nun in Ordnungswidrigkeiten umgewandelt. Diese wurden fortan nur noch mit Bußgeld und den berühmten Punkten bestraft. Das ist im Prinzip bis heute so geblieben. Alle Verkehrsverstöße, die mehr als 40 Euro kosten, ergeben auch Punkte.

Dabei stehen in der Sammler-Hitliste ganz obenan der Alkohol- und der Geschwindigkeitsrausch: Schon 26 Stundenkilometer zu viel bringen drei Punkte. Aber ein Vollrausch am Steuer ist nach wie vor eine richtige Straftat, die außerdem noch mit sieben Punkten geahndet wird.

Flensburger Pädagogik

Das einzig Schöne an den Punkten ist, dass man sie wieder loswerden kann. Dann landet die Eintragung da, wo man sie im Computer-Zeitalter gar nicht mehr vermutet: im Reißwolf. Die Maschine wird aber nur dann tätig, wenn zu den vorhandenen Punkten keine neuen dazukommen.

Mindestens zwei Jahre muss man schon dran bleiben, damit die Akten geschreddert werden, nach schweren Verkehrssünden auch fünf oder zehn. Manche Leute haben sogar seit Jahrzehnten ein Dauer-Abo in Flensburg. Die meisten davon sind übrigens Männer: Sie stellen 79 Prozent der Flensburger Kunden.

Der Grundegedanke der Flensburger Sündenbank ist pädagogischer Natur - sie soll die Menschen zum vernünftigen Fahren bewegen. Darum gibt es auch diese Regelung: Wer freiwillig ein Aufbau-Seminar besucht, um sein Fahrverhalten zu verbessern, kann damit Punkte tilgen. Aber eines bleibt tückisch an den Punkten: Man kann sie nicht nur mit dem Auto sammeln, sondern auch mit dem Fahrrad und sogar zu Fuß.


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