Kalenderblatt: 22.10.1978 Friedenspreis für "Pippis" Schöpferin

Die schwedische Schriftstellerin Astrid Lindgren: Ihre Bücher wurden über 100 Millionen mal verkauft Zur Großansicht
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Die schwedische Schriftstellerin Astrid Lindgren: Ihre Bücher wurden über 100 Millionen mal verkauft


Am 22. Oktober 1978 erhält die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die 1907 geborene Autorin wurde unter anderem mit ihren "Pippi Langstrumpf"-Büchern bekannt.

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"Phantasie ist ja unbedingt notwendig für den Menschen - große wie kleine. Man muss Phantasie haben, um sich etwas vorstellen zu können. Ich finde, dass Phantasie notwendig ist. (...) glücklicherweise gibt es ja noch Menschen mit Phantasie", sagte die weltberühmte schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren in ihrer Dankesrede, als ihr am 22. Oktober 1978 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wurde.

Seit 1950 wird dieser Preis jährlich auf der Frankfurter Buchmesse an eine Persönlichkeit vergeben, deren Schaffen zur Verwirklichung des Friedensgedankens beitrug. Die Begründung der Entscheidung für Astrid Lindgren lautete damals: "Sie schenkt den Kindern in aller Welt als unverlierbaren Schatz die Phantasie und stärkt ihr Vertrauen zum Leben."

Pippi Langstrumpf, der anarchische Rotschopf, ist Astrid Lindgrens berühmteste Schöpfung. Das Mädchen, das stärker ist als der stärkste Mann, alleine in der Villa Kunterbunt lebt und tut, was ihm gefällt, begeistert Kinder von Grönland bis Südafrika.

Kalle Blomquist, die Kinder von Bullerbü, Michel aus Lönneberga und all die anderen kleinen Heldinnen und Helden aus Astrid Lindgrens Geschichten machen seit Generationen Kinder auf der ganzen Welt glücklich. In jeder Zeile, die Astrid Lindgren schrieb, spürt man ihren Respekt vor Kindern als freie, starke Persönlichkeiten.

Auch in ihrer Dankesrede sagte Astrid Lindgren: "Die jetzt Kinder sind, werden (...) einst die Geschäfte unserer Welt übernehmen, sofern dann noch etwas von ihr übrig ist. Sie sind es, die über Krieg und Frieden bestimmen werden und darüber, in was für einer Gesellschaft sie leben wollen. In einer, wo die Gewalt nur ständig weiter wächst, oder in einer, wo die Menschen in Frieden und Eintracht miteinander leben."

"Pomperipossa"

Wie groß der Einfluss von Astrid Lindgren auf in die Geschicke der Gesellschaft war, zeigte sich Ende der 1970er-Jahre als die schwedische Regierung unter Olof Palme eine absurde Steuergesetzgebung entwarf. Lindgren selber erhielt eine Steuerforderung über 102 Prozent ihrer Einkünfte. Daraufhin veröffentlichte sie mit ihrem Märchen "Pomperipossa" eine unverhüllte Persiflage auf Regierungswillkür. Es war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte - und das im Wahlkampf. Die Regierung stürzte.

Doch Astrid Lindgrens großes Interesse galt Kindern und ihrer freien Entwicklung. Astrid Lindgren: "Freie und unautoritäre Erziehung bedeutet nicht, dass man die Kinder sich selbst überlässt. Verhaltensnormen brauchen wir alle, Kinder und Erwachsene, und durch das Beispiel ihrer Eltern lernen die Kinder mehr als durch irgendwelche anderen Methoden."

Astrid Lindgren wurde von der heiteren Atmosphäre auf dem heimatlichen Hof im småländischen Vimmerby und der großen Liebe ihrer Eltern geprägt. Liebe zu Kindern zieht sich wie ein roter Faden durch ihr ganzes Werk.

"Niemals Gewalt"

Die kleine Geschichte, die Astrid Lindgren während ihrer Dankesrede zum Friedenspreis erzählte, fasste ihre Hoffnung auf gewaltfreie Erziehung zusammen: Ein kleiner Junge hat etwas ausgefressen und soll eine Tracht Prügel beziehen. Seine Mutter schickt ihn in den Garten und lässt ihn dazu selbst einen Stock suchen:

"Der kleine Junge ging und blieb lange fort. Schließlich kam er weinend zurück und sagte: 'Ich habe keinen Stock finden können, aber hier hast Du einen Stein, den kannst Du ja nach mir werfen.' Da aber fing auch die Mutter an zu weinen, denn plötzlich sah sie alles mit den Augen des Kindes. Das Kind musste gedacht haben: Meine Mutter will mir wirklich wehtun. Und das kann sie ja auch mit einem Stein. Sie nahm ihren kleinen Sohn in die Arme und beide weinten eine Weile gemeinsam. Dann legte sie den Stein auf ein Bord in der Küche und dort blieb er liegen, als ständige Mahnung an das Versprechen, das sie sich in dieser Stunde selber gegeben hatte: Niemals Gewalt!"


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