Kalenderblatt: 26.5.1938 Wie der Käfer fast in Fahrt kam

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Ferdinand Porsche hatte die Idee, Hitler brachte das Projekt ins rollen: Für die breite Bevölkerung sollte ein erschwingliches Auto gebaut werden. Am 26. Mai 1938 wurde in Fallersleben bei Wolfsburg der Grundstein für das Volkswagen-Werk gelegt - doch bis der erste Käfer vom Band lief, sollte es noch lange dauern.

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Unverkennbar - ein VW-Käfer. Er war das Symbol des deutschen Wirtschaftswunders, der massenhaften Mobilität und spielte Hauptrollen in Hollywood-Streifen. Der Käfer ist eine Legende mit einer langen Geschichte.

Sie begann am Himmelfahrtstag 1938 mit der Grundsteinlegung des Volkswagenwerkes. In einer Rede zur Eröffnung hieß es, ganz im Sinne der herrschenden Nationalsozialisten: "Heute, am 26. Mai 1938, steht ein kleiner Ort im Süden des Gaues Ost-Hannover im Blickpunkt ganz Deutschlands. Wenige Kilometer entfernt von der Stadt Fallersleben, der Geburtsstätte des Dichters des Deutschlandliedes, stehen wir auf dem gewaltigen Gelände des Volkswagen-Werkes. Hier soll nach dem Willen des Führers ein gigantisches Werk entstehen, von dem einmal die Welt reden wird."

Die Idee eines solchen Volkswagens hatte der Ingenieur Ferdinand Porsche schon Jahre zuvor entwickelt. Es sollte ein Auto sein, das einfach zu bauen war, billig in der Anschaffung und sparsam in der Unterhaltung.


Lesen Sie auch zum Thema: 19.01.1978 - Letzter Käfer rollt vom Band bei Kalenderblatt.de

Vom Rennwagen zum Volkswagen

Porsche konstruierte eine Limousine, einen offenen Wagen und eine Cabrio-Limousine, die bei sechs bis sieben Liter Brennstoffverbrauch und 100 Kilometer pro Stunde Autobahngeschwindigkeit nur 990 Mark kosten würden.

Die damals bereits etablierten deutschen Automobilhersteller waren einem solchem Vorhaben gegenüber zurückhaltend, doch bei Adolf Hitler fand Porsche Gehör. Hitler gehörte zu den Bewunderern Porsches, dessen Rennwagen auf allen Pisten Europas erfolgreich waren. Jetzt ein Volkswagen - das passte genau in das Konzept Adolf Hitlers, er sagte: "Ein Problem scheint mir als besonders geeignet, den Kampf gegen die Erwerbslosigkeit aufzunehmen: das Problem der Motorisierung. Hier war Deutschland am weitesten zurückgeblieben."

Porsche erhielt von Hitler den offiziellen Auftrag zur Entwicklung eines Autos, das nicht mehr als 1.000 Reichsmark kosten durfte. Gebaut werden sollte es in eben jenem Werk nördlich von Hannover. Die Bauarbeiten gingen zügig voran. Auf der damals wohl größten Baustelle Europas waren bis zu 10.000 Menschen beschäftigt - darunter: 3.000 Italiener, die Hitlers Politfreund Mussolini geschickt hatte.

Vom Autowerk zur Rüstungsschmiede

Doch dann kam der September 1939: Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen begann der Krieg, der sich zwei Jahre später zum Zweiten Weltkrieg entwickeln sollte - er stoppte auch die Bauarbeiten am Volkswagenwerk. Aus dem Autowerk wurde eine Rüstungsschmiede, statt des Käfers wurden Panzerräder und später die Rakete V1 gebaut.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lag das Volkswagenwerk wie die meisten deutschen Fabriken in Trümmern. Doch vom Schicksal der Demontage durch die Alliierten blieb es verschont - im Gegenteil.

Von da an begann die Erfolgsgeschichte des VW-Käfers erst so richtig. 1950 kostete das runde Gefährt umgerechnet rund 2.000 Euro, fünf Jahre später lief der millionste Wagen von den Bändern. 1972 wurde der Käfer Weltmeister - mit über 15 Millionen Exemplaren löste er die legendäre Tin-Lizzy von Ford ab. Insgesamt wurden fast 22 Millionen Volkswagen in 150 Länder verkauft - ein unerreichter Rekord.


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1.
Eugen von Arb, 07.06.2008
Netter Beitrag, aber ehrlich gesagt ein bisschen verschenkt das Thema. Was hier steht, wusste ich eigentlich schon fast alles. Was mich interessiert hätte - zum Beispiel der Zusammenhang mit dem VW-Kübelwagen oder Schwimmwagen - musst ich in der Wikipedia suchen.
2.
peter zarth, 20.01.2009
Im Deutschen Museum München (Magazin) ist das schwarze Urmodell des "Käfers", das bei Adolf Hitler auf dem Schreibtisch gestanden habe, aufbewahrt. Dies habe ich als junger Journalist in den späten 80-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts dort von dem damals für Verkehrsfragen zuständigen Mitarbeiter gezeigt bekommen. Peter Zarth, Düsseldorf
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