Kalenderblatt: 30.4.1991 Der letzte Trabi rollt vom Band

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Zehn Jahre und länger musste ein DDR-Bürger warten, bis er einen kleinen, lauten und nur 26 PS starken "Trabi" sein Eigen nennen durfte. Am 30. April 1991 kam das Aus: In Zwickau wurde der letzte von insgesamt drei Millionen PKW der Marke "Trabant" hergestellt. Von

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Er war die DDR auf Rädern: Klein und laut, matt im Lack, kärglich ausgestattet, angestaubte Technik - aber immerhin, er fuhr. Der Trabant, der Volkswagen der Ostdeutschen. Was haben sie ihm nicht alles für Namen verpasst: Gehhilfe, Plaste-Porsche, überdachte Zündkerze, Rennpappe: Doch irgendwie geliebt haben sie ihn.

Von null auf 100 am selben Tag - die Trabant-Fahrer nahmen es gelassen. Genau 3.069.099 der legendären Autos liefen im sächsischen Zwickau vom Band - doch am 30. April 1991 um 14.51 Uhr war Schluss: Da rollte der letzte Trabi aus der abbruchreifen Montagehalle. Den Mitarbeitern der Sachsenring Automobilwerke war zum Heulen zu Mute.

Einer der Mitarbeiter sagte: "Es ist ein trauriger Tag, wenn man 25 Jahre im selben Betrieb war, und auf einmal ist Schluss: Das ist ein trauriger Tag. Es sieht zwar jeder ein, dass die Unkosten zu hoch liegen, und dass der Trabant auf dem Weltmarkt nicht bestehen kann, aber trotzdem hängen 25 Jahre des Lebens dran."


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Wehmütiger Abschied vom Plaste-Bomber

Auch der zum Schluss eingebaute Viertakt-Motor rettete den knatternden Stinker nicht mehr. Denn mit dem Zusammenbruch der Planwirtschaft war das Ende des Autos, auf das die DDR-Bürger zehn Jahre und länger warten mussten, praktisch zwangsläufig. Dabei hatten die Zwickauer Ingenieure ganz in der Tradition ihres Standorts viele gute Ideen für bessere Autos - schließlich war Zwickau eine Wiege des deutschen Automobilbaus.

Der Trabi tuckerte millionenfach über die schlechten Strassen der DDR, eine blaue, stinkende Abgasfahne hinter sich herziehend. Aber im Herbst 1989 fuhr ein ganzes Volk mit den Plaste-Bombern in die Freiheit. Und so mischte sich in die Wehmut zum Abschied beim damaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf auch Optimismus:

"Ich empfinde das sehr stark, dass sich die Menschen hier von einer jahrzehntenlangen Produktion trennen müssen - und wer tut das schon leichten Herzens. Auch dieses Auto ist ein Stück deutscher Geschichte geworden. Und immer dann, wenn eine Epoche in diesem Sinne endet, empfindet man neben dem Blick auf die Zukunft auch ein Stück Wehmut und ein Stück Trauer."

Ende und Anfang

Das Ende des Trabant markierte das Aus für den eigenständischen ostdeutschen Automobilbau - doch gleichzeitig auch einen Neuanfang. Heute laufen gleich nebenan in Mosel in einer modernen Fabrik Zehntausende Volkswagen jährlich vom Band, in Chemnitz, in Eisenach betreibt Opel das modernste Autowerk Europas. Die alte Trabi-Schmiede "Sachsenring" ist heute ein gefragter und börsennotierter Autozulieferer.

Und der Trabi? Noch immer rollen 200.000 von ihnen auf deutschen Strassen - und ihre Fahrer haben einen Trost: Sie kommen alle in den Himmel, denn die Hölle hatten sie schon auf Erden.


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