Versteckte Kamera Dieser Spiegel ist ein Miststück

Sie richten die Strümpfe, taxieren die Taille, prüfen das Zahnfleisch: Ein "Life"-Fotograf ertappte New Yorker Nachtschwärmer 1946 in peinlichen Posen - mithilfe eines fiesen Tricks.

Yale Joel/The LIFE Images Collection/Getty Images

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Pfui, was fällt ihm ein, dem eleganten Herrn mit dem Humphrey-Bogart-Hut und dem Gewinnerlächeln? In aller Seelenruhe popelt er an einem Pickel auf dem glatt rasierten Kinn herum - und schaut dabei frontal in die Kamera.

Kein Zweifel: Der Mann, der da in der Lobby des Kinos "Loew's Criterion" am New Yorker Times Square in den Spiegel guckt, fühlt sich unbeobachtet. Ist er aber nicht. Direkt vor ihm, nur wenige Zentimeter entfernt, sitzt ein Voyeur in einer stickigen Kabine und drückt auf den Auslöser.

Es war der renommierte US-Fotograf Yale Joel: ein Profi, der sie alle vor die Linse bekam, ob Marilyn Monroe oder Ella Fitzgerald, John F. Kennedy oder Jim Morrison. Als "Fotograf des Unmöglichen" wurde der "Life"-Reporter gepriesen, als er 2006 mit 87 Jahren starb.

In der Tat: Unmöglich war das, was er da 1946 angestellt hatte. Unmöglich, frech, indiskret. Im Auftrag des "Life"-Magazins versteckte Joel sich hinter einem sogenannten Venezianischen Spiegel, auch Spionspiegel genannt: jenem Big-Brother-Überwachungs-Accessoire, das man aus "Tatort"-Verhörzimmern ebenso kennt wie aus Gruppentherapieräumen.

"Protokoll der menschlichen Eitelkeit"

13 Stunden lang soll Fotograf Joel in der Kabine hinter dem präparierten Spiegel ausgeharrt haben. Auge in Auge mit Kinogängern, die ihr Make-up überprüften, in der Nase bohrten, ihr Zahnfleisch oder ihren Bauchumfang taxierten.

Nach dieser Mammut-Fotosession befreite sich der Reporter aus der dunklen Zelle und stahl sich Richtung "Life"-Redaktion davon. Im Gepäck das, was das Magazin in der Ausgabe vom 16. Dezember 1946 als "bemerkenswertes Protokoll der menschlichen Eitelkeit" verkaufte: eine Sammlung von heimlich ergaunerten Porträts amerikanischer Nachtschwärmer, im Moment nur vermeintlicher Ungestörtheit.

Als bemerkenswert hob "Life" das pfauenhafte Verhalten der Männer hervor: Gerade sie, die sonst immer über weibliches Aufrüschen lästern würden, glotzten besonders ungeniert in den Spiegel. "Life" teilte das Panoptikum der männlichen Eitelkeiten in Kategorien ein wie den "Kinnzwicker", den "Staubsucher" oder den "Zahnchecker".

Am schönsten: der "Selbstbewunderer", ein älterer Herr, der in Wildwest-Manier sein Ebenbild fixiert, als handle es sich um ein lebensgefährliches Reptil. Zum Schuss bereit, schließt der Mann ein Auge, verzieht den Mund, strafft die Schultern - und zieht den Bauch ein.

Sieht man den Knutschfleck? Wie sitzt das Hütchen, klebt Lippenstift auf den Zähnen? Schauen Sie mit einestages durch die Galerie der Spiegelschauer!

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18  Bilder
Versteckte Kamera: Spieglein, Spieglein an der Wand

Gibt's doch gar nicht! Eine einestages-Sammlung erstaunlicher Geschichten hinter bemerkenswerten Fotos.

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insgesamt 7 Beiträge
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Karsten Schlawiano, 05.03.2016
1.
So richtig kann ich verstehen, warum der Fotograf so hochgelobt wird. Da hat er paar Leute gegen ihren Willen bei intimen Momenten fotografiert. Er ist ein Spanner, der für die Presse gearbeitet. Das ganze ist unterstes Niveau... nur weil das ganze länger her macht es das nicht besser. So was wäre heute sicher einfacher zu lösen, und wäre nicht minder fraglich
Michael Curth, 05.03.2016
2. Das ist etwa
so voyeristisch wie Dschungelcamp. Es ist nicht "unmöglich, frech, indiskret". Es ist würdelos, mehr nicht. Wenn es jemand anderes als ein Life Fotograf gemacht hätte, wäre die Fotoserie da, wo sie hingehört. Im Müll.
Tom Ryan, 05.03.2016
3. Sehe ich genauso...
...ich hoffe doch, der Fotograf hat sich damals noch die Erlaubnis der Personen geholt. Ich habe nach dem zweiten Bild weggeklickt. Mögen diese Menschen schon längst nicht mehr leben, haben sie doch auch noch eine Würde. Zumal es sicher noch lebende Angehörige gibt, die diese Personen kennen. Die Neu-Veröffentlichung hier auf "Eines Tages" sehe ich sehr kritisch und ich hoffe, die Redaktion nimmt sich die ablehnenden Kommentare zu Herzen.
Jan Poppelbaum, 05.03.2016
4.
Peinliche Nummer... man wünscht jedem Nachahmer von Herzen eine Anklage. Aber erst, nachdem die Opfer ihn fürchterlich verprügelt haben.
Joachim Wendenburg, 06.03.2016
5. Seltsam unkritisch...
ein Fotograf verletzt aufdringlich die Privatshäre und wird dafür noch bewundert? Was für ein seltsam unkritischer Beitrag. Damals wie heute ist eine solche Vorgehensweise unterste Schublade :(
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