Kapp-Putsch auf dem Dorf Haltlose Verdächtigungen?

Kapp-Putsch auf dem Dorf: Haltlose Verdächtigungen? Fotos
Uwe Stock/Archiv Gemeinde Lensahn

Auch im ostholsteinischen Lensahn bildete sich in den Tagen des "Kapp-Putsches" in Berlin im März 1920 für wenige Tage eine "Kommandantur" der Putschisten. Die Rolle des Landrats des Kreises Oldenburg bei der kurzlebigen Rebellion bleibt unklar. Von

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Unter der Führung des deutschnationalen Politikers Wolfgang Kapp kam vom 13. bis 17. März 1920 in Berlin zu einem rechtsradikalen Umsturzversuch. Das Freikorps "Brigade Ehrhardt" des Generals Walther von Lüttwitz besetzte Berlin, und Kapp ernannte sich selbst zum Kanzler. Die Reichswehr blieb untätig, die legitime Regierung floh nach Dresden und Stuttgart. Ein Generalstreik der Gewerkschaften auch in Schleswig-Holstein beendete den Putsch nach vier Tagen.

Die "Militärische Kommandantur der Kapp-Regierung" für den damaligen Kreis Oldenburg befand sich in Lensahn unter der Führung des Gutsbesitzers Karl Feddersen-Rosenhof. Die "Kommandantur" stellte handgeschriebene Ausweise aus, etwa an einen Leutnant Grimm aus Kayhof. In Ermangelung eines eigenen Stempels wurde der Ausweis mit "Gutsvorstand Rosenhof" gesiegelt.

Über das Ende dieser "Kommandantur" heißt es in den konservativen "Wagrisch-Fehmarnschen Blättern" (WFB) vom 21. März 1920:

"Mit dem Sturz der Kappschen Regierung hat sich auch die militärische ,Kommandantur' unseres Kreises, die ihren Sitz in Lensahn hatte, ein schnelles Ende erreicht. Vorgestern abend ist dort die Abrüstung vorgenommen worden, und der Kommandant Herr Feddersen-Rosenhof, hat selbst das Feld geräumt. Unser keineswegs kriegerisch veranlagtes Lensahn, das in wenigen Tagen in ein Waffenlager umgewandelt worden war, kann sich nun wieder seines Friedens freuen."

Feddersen übergab die gehorteten Waffen an das Landratsamt. Der Landrat des Kreises Oldenburg, Voigts, wurde wegen des Verdachts der Teilnahme am Putsch in den vorläufigen Ruhestand versetzt. Am 12. Oktober 1920 berichten die WFB:

"Wegen Verdächtigungen infolge des Kapp-Putsches wurde Landart Voigts im Kreise Oldenburg in Holstein, der gegen sich ein Disziplinarverfahren beantragt hatte, bis zu dessen Durchführung seines Amtes enthoben. Nachdem die Untersuchung die völlige Haltlosigkeit der Verdächtigungen ergeben hatte, begaben sich die Kreistagsmitglieder Steenbock, Jantzen und Prüß zum preußischen Minister des Inneren, Herrn Severing, und erhielten von ihm die feste Zusicherung, dass Landrat Voigts wieder in sein Amt eingesetzt würde, wenn die Mehrheit des Kreistages sich für ihn entschiede. Der Kreistag beantragte mit 12 zu 5 Stimmen die Wiedereinsetzung seines Landrats. Doch es erfolgt nichts. Vergisst Herr Severing so schnell sein Versprechen? Früher hieß es: An einem Königswort soll man nicht drehen und deuteln. Preußische Minister scheinen es damit nicht so ernst zu nehmen."

Erst ein Jahr später taucht Voigts wieder in der Presse auf. In den WFB vom 28. Dezember 1921 hieß es:

"Unser früherer Herr Landrat Voigts ist von dem Herzog von Coburg-Gotha als Verwaltungschef der in dem früheren Herzogtum Coburg-Gotha und in Österreich belegenen umfangreichen Besitzungen des Herzogs berufen worden. Alle Kreiseingesessenen, die sich dieses ausgezeichneten Beamten, der s. Zt. von allen Parteien zum Landrat unseres Kreises gewählt wurde, noch dankbar erinnern, werden erfreut sein über die ... angenehme Tätigkeit, die ihm hierdurch gegeben wird. Die Herzogin ist eine Tochter des Herzogs Friedrich Ferdinand von Schleswig-Holstein auf Grünholz."

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