Kindheitsillusionen Träum weiter!

Kindheitsillusionen: Träum weiter! Fotos
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Was waren das für Zeiten als Kind! Fuchur war einfach nur der Glücksdrache aus der "Unendlichen Geschichte", Sindbad gab es wirklich und Batman sowieso. einestages zeigt die bezauberndsten Kinder-Kinoillusionen - und verrät, was sich wirklich dahinter verbirgt. Aber Vorsicht: Nur für Erwachsene! Von

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Es dauerte fünf Jahre, bis Fuchur endlich über Phantásien schwebte. Bastian saß auf seinem Rücken und versuchte, die Kindliche Kaiserin zu retten. Es dauerte fünf Jahre, bis die Welt aus Millionen Kinderträumen endlich Gestalt angenommen hatte - und ein Erwachsener sehr sauer wurde. 1984 kam die "Unendliche Geschichte" ins Kino, das Werk des Autors Michael Ende. Der Film von Wolfgang Petersen zeigte Millionen Kindern, wie Phantásien aussah und die Stimme des Glücksdrachen Fuchur klang. Michael Ende war damit überhaupt nicht glücklich.

"Die unsägliche Geschichte" nannte der Schriftsteller die Verfilmung seines Welterfolges und bezeichnete die Umsetzung seiner Fabelwelt als "grauenvoll". Die Produktionsfirma habe Phantásien in einen "überdimensionalen Nightclub" verwandelt, zitierte ihn die "Frankfurter Rundschau" im April 1984, aus zwei Sphinxen waren nach Meinung Endes "barbusige Stripperinnen" geworden. Für die Spezialeffekte hatte der Autor nur Spott übrig: Die Tricks seien "von jämmerlicher Qualität".

Michael Ende sah den Film mit den Augen des Weltenerschaffers und die Figuren mit denen eines Erwachsenen. Er wusste, dass die Welt aus seinen Büchern mit Pappmaschee und Elektrotricks in den Bavaria Filmstudios nachgebaut worden war, mühevoll zusammengebastelt und bewegt. Er hatte ja selbst am Drehbuch mitgeschrieben. Trotzdem war Ende so unzufrieden, dass er sich mit Regisseur Petersen zankte und schließlich seinen Namen aus dem Vorspann streichen ließ.

In der Welt eines Kindes gibt es keine Zweifel

Millionen Kinder interessierte der Streit zwischen Ende und Petersen kein bisschen: Wer damals Kind war, sah in Bastian oder seinem Kumpel Atréju keine jugendlichen Schauspieler, sondern die Freunde, die in nächtelangen Vorlesestunden zu seinen eigenen geworden waren. Und das zutrauliche Fellvieh Fuchur war auch kein Spezialeffekt, sondern einfach der Glücksdrache, auf dessen Rücken man mit irrer Geschwindigkeit durch die Wolken sausen konnte.

In der Welt eines Kindes gibt es keine Zweifel - was man sieht, ist echt. In den sechziger Jahren schwebte das Kindermädchen Mary Poppins mit ihrem Schirm über die Dächer von London. In den Siebzigern kämpften Obi-Wan Kenobi und Luke Skywalker mit echten Laserschwertern gegen das Imperium und dessen "Todesstern". E.T. besuchte Elliott und dessen Familie in den achtziger Jahren, drei Millionen Lichtjahre von zu Hause entfernt und über jede Skepsis erhaben.

Zweifel kommen erst später. Über Jahre schleichen sie sich ins Unterbewusstsein. Können Sie sich noch daran erinnern, als zum ersten Mal die Welt der Illusion durchlässig wurde? Vielleicht fing ja alles bei der Sesamstraße an - sicher sind Ihnen auch irgendwann die Stangen an den Stoffhänden aufgefallen, mit denen Ernie und Berts Arme bewegt wurden?

Wer zieht die Fäden bei der Puppenkiste?

Nicht umsonst gibt die Redaktion der Sesamstraße kein Bild zur Veröffentlichung frei, auf dem Samson ohne Kopf (beziehungsweise mit dem Kopf des Schauspielers Klaus Esch) zu sehen ist. Wir geben an dieser Stelle zu: Ja, wir haben angefragt und wir hätten es gezeigt.

Warum? Heute, wo wir älter sind, interessieren uns eben die Geschichten hinter den Träumen. Wir wollen wissen, wer der bemitleidenswerte Schauspieler war, der sich ins Godzilla-Kostüm zwängen musste. Wie das mit Mary Poppins' Schirm wirklich funktioniert hat. Und wer die Fäden zieht bei der Augsburger Puppenkiste.

einestages zeigt einige unserer bezauberndsten Kindheitserinnerungen - und verrät die Geheimnisse hinter der Illusion. Aber Vorsicht: Nur für Erwachsene!

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1.
Nikos Papadopulos 09.03.2011
Das mit Batman und Robin is doch quatsch. Im Internet findet sich keine Quelle dazu, noch dazu is der Robindarsteller auch mit einer Frau verheiratet. Oder soll das ein misslungener Scherz sein? Kapier ich nicht.
2.
Erol Wieldt 09.03.2011
Wo ist ALF? Kein Kindertraum ohne Alf!!!
3.
Sven Brandstätter 09.03.2011
Zum Thema "Samson ohne Maske zeigen": Wir waren letztes Jahr im Dezember mit unserer 3 1/2-jährigen Tochter in New York und am Times Square lief eine "Hello Kitty" rum. Unsere Tochter war völlig begeistert und wollte "Kitty" begrüssen. Kurz bevor unsere Kleine bei ihr war, hat die "Schauspielerin" die Kopfmaske abgenommen. Ich habe in diesem Augenblick den Gesichtsausdruck meiner Tochter gesehen und gemerkt, dass für sie eine Welt zusammengebrochen ist. Sie war so traurig und geschockt, dass es mir auch weh getan hat und ich kurz davor war, die gute Dame zu verklagen; wahrscheinlich hätte ich drüben auch recht bekommen.;-) Danach wollte Sie weder Elmo, noch dem Krümelmonster oder den dort rumlaufenden M&M-Figuren einen "Drücker" geben. Ich bin heute noch sauer über diese Aktion!
4.
Uwe Schmidt 09.03.2011
Schade, daß Michael Ende, sich dazu hergegeben hat, die "Unendliche Geschichte" verfilmen zu lassen und damit seine eigenen Ideale an den schnöden Mammon zu verraten. Die vom Lesen des Buches beflügelte Phantasie (genau deshalb lautet der Name des Reiches doch schließlich auch "Phantasien" und nicht "Televisien"!!) des Lesers ist so viel reicher, wunderbarer und schöner als die platte, plakative, klischeehafte und einem imaginierten Massengeschmack angepaßte Filmversion. Und in Phantásien - jedes Kind begreift schließlich intuitiv, daß es dabei um SEINE EIGENE Phantasie geht, in der die Kindliche Kaiserin gerettet werden soll - was ja nichts Anderes bedeutet, als das Überleben des INNEREN KINDES (!!) braucht niemand sich den Pappmachékopf abzureißen, da gibt es nichts zu "entpuppen", das Kind fühlt, daß es die eigene innere Welt ist, um die es geht. Genau DAS macht Michael Endes Buch so zauberhaft und gleichzeitig es auch so völlig widersinnig, dieses Buch zu verfilmen. Tja, Herr Gödecke, DAS wäre doch mal ein Thema gewesen. Stattdessen kommen Sie mit Lapidarem. Wen interessieren schon irgendwelche Pappmaché-Figuren, wenn es doch um das eigene innere Kind geht?? Leider fehlt Ihrem Artikel jeglicher Tiefgang.
5.
Volker Altmann 09.03.2011
Kinder mögen naiv sein ? aber nicht mal als kleinem Kind sind mir die Fäden der Figuren des Augsburger Puppentheaters entgangen. Man sollte Kinder nicht für so dumm halten, dass sie Marionetten für ?echte Lebewesen? halten. Gleiches gilt wohl für alle Fantasiefiguren. Kindern fällt es nur leichter, gewisse Tatsachen zu negieren, sich in eine eigene Welt hinein zu träumen. Und jeder Erwachsene, der diese Eigenschaft ins Alter hinüber gerettet hat, sollte dankbar dafür sein. Herrn Ende kann ich sehr gut verstehen. Ich war entsetzt darüber, was aus diesem Buch gemacht wurde. Man hat die Geschichte nach Amerika verfrachtet ? ein Frevel an sich, dem schnöden Mammon geschuldet. Niemandem, der das Buch gelesen hat, dürfte diese Verfilmung wirklich gefallen haben. Ein Meisterwerk dagegen, wurde die Verfilmung vom Herr der Ringe. Eigentlich galt es als nicht machbar, diese Geschichte auf die Leinwand zu bringen. Tatsächlich aber, habe ich selten zuvor eine solch gute Umsetzung eines Romanstoffes zu einem Film gesehen. Da fehlte nichts, alles hat gepasst, nichts war verkitscht, oder ?filmtauglich? umgeschrieben. Hier konnte man wieder zum Kind werden ? das alles glauben wollte, was es da sah. Ein Meilenstein der Trickfilmgeschichte, ganz ohne 3D-Effekte, die heutzutage Filme wegen dieses Effektes zu Kassenknüllern werden lassen. ?Wie war die Geschichte?? ?Nicht so doll, aber die Effekte waren geil.? Traurig, aber wahr...
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