Kinogeschichte Filmstars, die die Welt nicht kennt

Kinogeschichte: Filmstars, die die Welt nicht kennt Fotos
AP/Lucasfilm Ltd. & TM.

Was haben C-3PO, E.T. und Godzilla gemeinsam? Bei allen drei Filmfiguren steckte ein Mensch im Kostüm. einestages erzählt die Geschichten der Kult-Aliens und Horrorikonen, der Meeresungeheuer und Ninja-Schildkröten - und zeigt die Schauspieler hinter den Masken. Von

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Als Godzilla 1998 durch die Straßen von New York stapfte, endete eine Ära. Okay - die riesige Echse zermalmte mit ihren mächtigen Kiefern Lastwagen, brachte mit einer einzigen wütenden Bewegung Gebäude zum Einsturz, ihre Schritte erschütterten ganze Straßenzüge. Und zugegeben - Roland Emmerich hatte bei seinem Remake des japanischen Monsterfilmklassikers von 1954 alle Register gezogen, hatte Millionen und Abermillionen Dollar eingesetzt und die aufwendigste Godzilla-Adaption aller Zeiten gedreht. Doch irgendwie ließ einen all das trotzdem seltsam kalt. Weil es nicht echt war.

Nicht echt, das bedeutet, dass kein Schauspieler in dem Monster steckte. Niemand, der bei den Dreharbeiten in einem unbequemen Kostüm ein Modell von Tokio unter seinen Echsenfüßen aus Gummi und Schaumstoff zerstampfte. Emmerichs Godzilla war eine Leistungsschau aus der Wunderküche genialischer Computerprogrammierer, animiert und per Rechenbefehl durch die Straßen des Big Apple gehetzt. Irgendwie blutleer - denn in diesem Monster verbarg sich kein Held mehr.

Vier Jahrzehnte zuvor, beim ersten Godzilla-Film, war das anders. Da zwängte sich Haruo Nakajima in einen 110 Kilogramm schweren Latexanzug, der sich unter dem gleißenden Licht der Studioscheinwerfer auf bis zu 60 Grad aufheizte, das Atmen unter der Monstermaske war fast unmöglich. So konnte sich Nakajima immer nur wenige Meter weit bewegen, dann musste dem Schauspieler der Echsenkopf abgenommen werden, damit er Luft holen konnte. Einige Male wurde der Monstermime mitten in den Szenen bewusstlos und zerstörte Tokio aus Versehen.

Ein Monster wie ein Schleudertrauma-Patient

Unter diesen Voraussetzungen zeigte Nakajima der Welt, wie sich ein wahres Monster bewegt: ein wenig träge, ein bisschen steif, eine Spur wie ein Schleudertrauma-Patient mit Halskrause. Doch in diesem unbeholfenen, manchmal gar albernen Traben und Wanken des Schauspielers steckte der ganze Schrecken der Kreatur Godzilla. Denn jedem Zuschauer war klar: Eine gigantische, feuerspeiende Echse hatte es nicht nötig, sich schnell oder athletisch zu bewegen - sie war ja ohnehin das mächtigste, zerstörerischste Geschöpf der Welt. Erst der Mensch im Monster machte Godzilla zu dem Schrecken, der er war.

Heute können Computer Monster von unverstellbarer Größe und Kreaturen von absurder Fremdheit schaffen. Doch dadurch, dass alles möglich wird, geht dem Kino auch etwas von seinem Zauber verloren - und einige echte Helden.

Das wohl beste Beispiel dafür ist "Star Wars". Mit viel Phantasie und einem gigantischen Aufwand gelang es Lucas und seinem eigens dafür gegründeten Special-Effects-Studio Industrial Lights And Magic, in den siebziger und achtziger Jahren ein ganzes Märchen-Universum zu erschaffen. Er erfand Sternensysteme, Raumschiffe, fremde Zivilisationen - und erstaunliche Gestalten. Den riesenhaften, dunklen Ritter Darth Vader, das launige Roboduo R2-D2 und C-3PO, den schlaksigen Wookiee Chewbacca oder auch die putzigen Ewoks auf dem Waldplaneten Endor.

Doch um diese Figuren in seinem Märchen auf der Leinwand wahrwerden zu lassen, konnte Lucas damals noch nicht die Hilfe von Computern bemühen. Wie 20 Jahre zuvor bei "Godzilla" musste auch er Realität und Fiktion miteinander vermählen. Wollte er einen 2,20 Meter großen Wookiee, galt es einen so großen Menschen zu finden, den man in ein Kostüm stecken konnte. Verlangte der Regisseur eine Zivilisation zierlicher Bärenwesen, mussten kleine Darsteller aufgetrieben werden.

Der Wookiee mit den Riesenfüßen

So wurden Peter Mayhew und Warwick Davis zu Filmstars. Mayhew spielte Chewbacca, Davis das kleine Bärenwesen Wicket. Auf Mayhew stießen die Casting-Agenten zufällig - in einem Zeitungsartikel über Menschen mit riesigen Füßen. Warwick Davis war gerade elf Jahre alt, als seine Großmutter einen Aufruf im Radio hörte. Für den dritten Teil der "Star Wars"-Saga würden Menschen gesucht, die nicht größer als 1,20 Meter waren. Der Kleinwüchsige maß 1,07 Meter - und war ein begeisterter Fan der Science-Fiction-Filme. Als er schließlich die Rolle des Wicket, dem kleinsten und niedlichsten Ewok, spielen durfte, ging für den Jungen ein Traum in Erfüllung.

Vergleicht man die frühen "Star Wars"-Filme mit den neuen Episoden, stößt man auch hier auf den "Godzilla"-Effekt - zwar trumpfen die neuen Teile mit spektakulären Massenschlachten auf. Doch irgendwie wirken die Roboterarmeen seltsam leblos und künstlich. Kein Vergleich zu der legendären Schlacht um Endor, in der die Ewoks den Imperialen Truppen mit Baumstämmen und Steinschleudern einheizen - jeder der wehrhaften Bären ein Schauspieler. Filmstars, die keiner kennt.

einestages zeigt Schauspieler, die hinter ihren Masken Filmgeschichte schrieben. Menschen, die Horrorikonen und Ninja-Schildkröten, Meeresungeheuern und gelben Riesenvögeln, putzigen Robotern und furchterregenden Außerirdischen Leben einhauchten, wie es kein Computer könnte.

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insgesamt 4 Beiträge
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1.
Karsten Schramm 28.10.2009
Ein ganz wichtiger fehlt aber in der Liste: John "Hannibal" Smith mit seiner wichtigsten Rolle als "The Aquamaniac" http://www.stories.the-ridges.net/images/aquamaniac.jpg ;-)
2.
Peter Lebensmittel Zeitung 29.10.2009
Mich würde interessieren, wer die Schauspieler in der Sequenz "The Dawn Of Men" in "2001 - Odysee im Weltraum" waren.
3.
Sylvia Götting 29.10.2009
Wenn man den Titel "Filmstars, die die Welt *nicht* kennt" wörtlich nimmt, sind in der Bilderreihe einige Leute zuviel vorhanden, die die Welt inzwischen kennt wie z.B. Boris Karloff, Warwick Davis, Robert Englund, John Hurt oder Louis Gossett Jr. Aber: Nehmen wir den Title nicht so wörtlich und fügen noch ein paar Leute hinzu: Z.B. spielte Kevin Peter Hall (http://www.imdb.com/name/nm0001310/) den Predator in den gleichnamigen Filmen und auch Bigfoot in "Harry and the Hendersons" (1987, mit John Lithgow und Don Ameche). Und dann sind da noch die Jungs und Mädels in den Affenkostümen in der "Planet of the Apes"-Reihe (http://www.imdb.com/title/tt0063442/) wie z.B. Roddy McDowall und Kim Hunter etc.
4.
Marlies Folkens 29.10.2009
Und was ist mit Michael Dorn, dem besten aller Klingonen? Hatte der nicht genug Latex im Gesicht?
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