Kinohelden mit Karriereknick Immer die alte Leia

Kinohelden mit Karriereknick: Immer die alte Leia Fotos
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Jeder Kinofan kennt die "Star Wars"-Prinzessin, das "Karate Kid" oder die Teenie-Tänzerin aus "Dirty Dancing". Aber was erlebten die Darsteller eigentlich nach dem Superstar-Rummel? einestages zeigt Filmlegenden mit nur einer großen Rolle - und verrät, was aus ihnen wurde. Von

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Der Saal des Kodak Theatre in Los Angeles ist gerammelt voll: Schauspieler, Regisseure, Produzenten. Die Crème de la Crème Hollywoods hat sich an diesem Abend versammelt, um Regisseur George Lucas für sein Lebenswerk zu ehren. Da betritt eine Dame mit patentem Kurzhaarschnitt die Bühne und stellt sich hinter das Rednerpult. In Bleistiftrock und Blazer sieht die 50-Jährige nicht gerade aus wie jemand, der in der Traumfabrik was zu sagen hat. Eher wie eine Sparkassenangestellte kurz vor der Frührente. "Hi, ich bin Mrs. Han Solo und ich bin Alkoholikerin", begrüßt sie das Publikum und erntet einen riesigen Lacher.

Ein bittersüßer Scherz der Schauspielerin Carrie Fisher. Als Prinzessin Leia spielte sie sich in das Gedächtnis ganzer Generationen von "Star Wars"-Fans. 1977 kam der erste Teil des Weltraummärchens in die Kinos und wurde eher überraschend zum popkulturellen Phänomen. Für Fisher sah damals alles nach einer blendenden Karriere aus. Ihr war gelungen, was nur wenigen Schauspielern vergönnt ist: Sie war über Nacht zu einer Ikone der Kinogeschichte geworden. Es gab sie als Actionfigur, PEZ-Spender, Shampooflasche, der man den Kopf abdrehen musste, um an den Inhalt zu kommen - und spätestens mit ihrem Auftritt im goldenen Blechbikini war sie die erste Traumfrau von Millionen von pubertierenden Teenagern.

Was nach den "Star Wars"-Filmen aus Carrie Fisher wurde, weiß jedoch kaum jemand. Ihre Schauspielkarriere vollführte eine steile Kurve - nach unten. Ihre drei Filme Ruhm bezahlte sie mit der Höchststrafe jedes Schauspielers: Produzenten und Publikum verbanden sie nach "Star Wars" untrennbar mit der Rolle der Hoheit mit der Streuselschneckenfrisur - lebenslänglich Leia. So reichte es in Hollywood nur noch für Nebenrollen und Cameos, Mini-Auftritte, in denen sie häufig ihre Kurzkarriere als Superstar und ihre Rolle als interstellare Märchenprinzessin persiflierte.

"George Lucas hat mein Leben zerstört"

Parallel zu ihrer Kinokarriere wurde auch ihr Privatleben zur Katastrophe. Carrie Fisher ist manisch-depressiv und kämpft seit Ende der siebziger Jahre mit einer Medikamentenabhängigkeit. Die Ehe mit dem Musiker Paul Simon scheiterte nach nur elf Monaten. Eine längere Beziehung mit Bryan Lourd, dem Schauspielagenten von Stars wie George Clooney, Robert De Niro und Brad Pitt, endete damit, dass er sie für einen Mann verließ. Vor einigen Jahren ließ sie ihre psychische Krankheit mit einer radikalen Elektroschocktherapie behandeln. "Ich bin Alkoholikerin", sagt sie in ihrer Rede zu Ehren des "Star Wars"-Erfinders, "weil George Lucas mein Leben zerstört hat."

Die ewige Leia steht mit ihrem Schicksal nicht alleine da. Auch andere Filmstars kamen über die eine große Rolle nicht hinaus. Und das aus den unterschiedlichsten Gründen:

- Jennifer Grey ließ sich nach dem Erfolg als Frances "Baby" Houseman in "Dirty Dancing" das Entennäschen wegoperieren und verlor damit jeden Wiedererkennungswert. "Ich ging als Berühmtheit in den Operationssaal - und verließ ihn als Unbekannte", erinnert sich die Schauspielerin.

- Linda Blair wurde nach ihrer Gift-und-Galle-Performance als besessener Teenager in "Der Exorzist" für den Oscar nominiert und mit einem Golden Globe ausgezeichnet. Doch was für Rollen sollte man einer 13-Jährigen geben, die literweise grünen Schleim erbrochen und sich ein Kreuz in ihren Unterleib gestoßen hatte, dass das Blut nur so spritzte? So wurde Blair danach fast ausschließlich für zweitklassige Horrorfilme engagiert.

- Karate Kid Ralph Macchio hat es nicht besser getroffen. Er sieht auch mit 48 kaum älter aus, als in seiner Rolle als Daniel San. Damit war das sympathische Milchgesicht offenbar zu niedlich für Erwachsenenrollen. Seit den neunziger Jahren teilt er Carrie Fishers Schicksal und hält sich mit Cameo-Auftritten und Nebenrollen über Wasser. Er nimmt es mit Humor. In dem zum Schreien komischen Kurzfilm "Wax On, Fuck Off" persifliert er sich selbst als arbeitsloser Schauspieler, der versucht, sich ein Bad-Boy-Image zuzulegen, um wieder an Rollen zu kommen.

Filmstar wider Willen

Die wohl traurigste Geschichte eines One-Film-Wonders ist allerdings die von Lamberto Maggiorani. Eigentlich träumte der Mechaniker gar nicht von einem Leben als Filmstar. Der Italiener hatte eine feste Arbeit in einer Stahlfabrik, als er zufällig entdeckt wurde. Das Büro des Regisseurs Vittorio de Sica suchte einen zehnjährigen Jungen für einen neuen Film, seine Frau hatte ein Foto ihres Sohnes hingeschickt - auf dem auch Lamberto zu sehen war. Prompt wurde er zum Casting eingeladen. Auf drängen seiner Frau ging Maggiorani hin und erhielt die Hauptrolle in "Fahrraddiebe". In dem Filmklassiker spielt er einen Arbeitslosen, der im Italien der Nachkriegszeit endlich einen Job ergattert - doch dann wird ihm das Fahrrad gestohlen, das er für die Arbeit unbedingt braucht.

Maggiorani erhielt 1000 Dollar für die Rolle und wurde drei Monate lang von einer schwarzen Limousine zum Set gefahren. Doch während de Sicas Meisterwerk des Neorealismus ein großer internationaler Erfolg wurde, ging der Mechaniker, ohne weitere Ambitionen ein Star zu werden, zurück in die Fabrik. "Ein fester Arbeitsplatz ist besser als alle Reichtümer der Welt", erklärte er 1950 einem Reporter des "Time Magazine".

Dann, wenige Monate nach dem Filmstart, musste der Fabrikdirektor 350 Arbeiter entlassen. Maggiorani wurde ins Büro gerufen: "Deine Kollegen sind sauer", sagte sein Chef, "sie glauben, du hättest mit dem Film Millionen verdient. Es wäre nicht fair, sie zu feuern und dich zu behalten." So schlug sich Maggionrani für den Rest seines Lebens mehr schlecht als recht als Schauspieler wider Willen durch. De Sica half ihm dabei nicht. Der Regisseur sagte zu dem Schicksal seines Stars nur: "Ich glaube nicht, dass er eine Zukunft als Schauspieler hat. Er sollte bei seiner normalen Arbeit bleiben."

Da traf es Carrie Fisher dann doch besser. Sie machte trotz ihres "Leia-beladenen Lebens" Karriere - als Schriftstellerin. 1987 veröffentlichte sie ihren ersten Roman "Postcards From the Edge". Die autobiografisch angehauchte Satire auf die Traumfabrik wurde ein Bestseller und gewann mehrere Preise. Zudem wurde sie einer von Hollywoods gefragtesten Script-Doctors, hoch bezahlten Autoren, die ohne Nennung ihres Namens Drehbücher retten. Neben vielen weiteren polierte sie die Storys von Komödien wie "The Wedding Singer" und "Sister Act" auf.

So ist es kein Wunder, dass sie mit ihrer furios witzigen Laudatio zu George Lucas' Auszeichnung mindestens ebenso viel Applaus erntete wie der "Star Wars"-Erfinder selbst. Am Ende dankt sie dem Regisseur dann doch noch brav dafür, dass er mit seinem Werk eine ganze Generation geprägt habe. Nur eines würde sie ihm niemals verzeihen: dass Natalie Portman in den neuen Filmen in jeder Szene ein anderes Kleid anhaben darf. "Bestimmt erlaubst du ihr sogar, einen BH zu tragen", ätzt Fisher augenzwinkernd, "obwohl du mir damals gesagt hast, ich könne das nicht - weil es im Weltall keine Unterwäsche gibt."

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insgesamt 10 Beiträge
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1.
Tobias Mandelartz 22.09.2010
ich möchte ja nicht unbedingt pingelig sein, aber wenn ein dermassen guter Gag leider falsch wiedergegeben wird, MUSS ich ihn einfach mal berichtigen: Carrie Fisher spielt in Scream 3 mitnichten eine Ärztin, sondern die verhärmte "Hüterin" des Archivs in einem Filmstudio. Beinahe (!) hätte sie es damals geschafft, die Rolle der Leia zu ergattern. Ihr Kommentar im Film, als die Darsteller sprach- und fassungslos die Bilder der "echten" Leia an der Wand mit der vor ihnen sitzenden Person vergleichen: »Und ratet mal, wer hat die Rolle bekommen hat? Eine, die mit George Lucas ins Bett stieg«.
2.
Sven Korf 23.09.2010
Zu Bud Cort sei noch erwähnt, daß er bereits 1970 in Robert Altmanns brillianter Anti-Kriegskomödie M*A*S*H in einer Nebenrolle zu sehen war. Der Film war für fünf Oskars nominiert und hat einen gewonnen. Immerhin!
3.
Steffen Eggers-Zöllner 23.09.2010
Noch ein Fehler: Tommy Chong hatte nach den Cheech und Chong Filmen noch eine Gastrolle in "Die wilden Siebziger". Dort ist er meiner Meinung nach auf jeden Fall lustiger, als in den Cheech und Chong Filmen.
4.
Dominik Fahrholz 23.09.2010
Tommy Chong hat in der Tat in 65 Episoden der Serie "Die wilden Siebziger" mitgespielt. Da die Serie ein ziemlicher Erfolg war, finde ich den guten Mann für nicht ganz sooo abgestürzt wie dargestellt...
5.
Pet Fe 04.01.2012
Zu Jennifer Grey muss noch dringend gesagt werden das sie sich und ihr Problem in der (grandiosen) 90er Jahre Sitcom "It's Like, You Know..." brillant auf die Schippe genommen hat. Wirklich tolles Sitcom Juwel eines (neben Jerry und Larry) der besten Seinfeld Schreibers Peter Mehlman. Läuft leider nirgendwo mehr und gibt es auch nicht zu kaufen, noch nicht mal zum runterladen :-(
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