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"Knoff-Hoff-Show" mit Joachim Bublath "Wie Jesus übers Wasser"

"Knoff-Hoff-Show" mit Joachim Bublath: Experimente im Minutentakt Fotos
Hermann Roth/ZDF

Explosionen, Funken und Vulkane: In der Schule war Naturwissenschaft nie so eindrucksvoll wie in der "Knoff-Hoff-Show". Moderator Joachim Bublath erinnert sich an die größten Tricks. Ein Interview von

Zur Person
  • Joachim Bublath, 1943 in Memel geboren, ist promovierter Physiker. Bereits als Student produzierte er beim Hessischen Rundfunk naturwissenschaftliche Serien, später wechselte er zum ZDF als Leiter der Abteilung Naturwissenschaft und Technik. Bublath entwickelte und moderierte unter anderem die Sendungen "Abenteuer Forschung" und "Die Knoff-Hoff-Show". Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche nationale und internationale Preise und Auszeichnungen.

einestages: Herr Bublath, in keiner Sendung hat's so oft geknallt wie in Ihrer "Knoff-Hoff-Show". Ist Ihnen eine Explosion in besonderer Erinnerung geblieben?

Bublath: Einmal stürmten Polizisten unser Studio. Nebenan wurde "Aktenzeichen XY … ungelöst" aufgezeichnet mit Eduard Zimmermann, der unter Personenschutz stand. Als es bei uns krachte, hielten die Bodyguards es für einen Bombenanschlag. Ein anderes Mal hatten wir eine Dekoration mit kleinen Sprengladungen im Publikum aufgebaut. Davor ging es um die Frage, wie man am besten einen Weihnachtsbaum löscht. Das ist uns voll entglitten: Durch den Brand des Baums gingen auch die platzierten Sprengladungen hoch! Es war Chaos pur.

einestages: Haben Sie nicht sonst ganz gern etwas detonieren lassen?

Bublath: Aber das war nicht das Ziel der "Knoff-Hoff-Show"! Wir wollten aktuelle Forschung in spielerischer Form weitergeben, haben zum Beispiel im Fraunhofer-Institut einen Roboter ausgeliehen und im Studio laufen lassen. Oder bereits damals LEDs gezeigt. Dazwischen ist auch immer mal was explodiert. Doch stets im Zusammenhang mit dem jeweiligen Wissenschaftsgebiet.

einestages: Wie erklären Sie sich den großen Erfolg der Show, die das ZDF am 16. Februar 1986 erstmals ausstrahlte?

Bublath: Mit den Gags haben wir versucht, überhaupt einmal Aufmerksamkeit für Naturwissenschaft und Technik zu erreichen. Wichtig dafür war der sonntägliche Sendetermin im Hauptprogramm um 19.30 Uhr, um vor allem die Leute vor den Fernseher zu bekommen, die beispielsweise nicht die Wissenschaftsseiten der "Frankfurter Allgemeinen" lesen.

einestages: Bildung durch die Hintertür?

Bublath: Genau! Rudi Carrell hat mir einmal am Telefon zur gelungenen Unterhaltung gratuliert. Ich war sehr überrascht - das war überhaupt nicht unsere Absicht. Die Idee war es, Menschen mit der "Knoff-Hoff-Show" für Wissenschaft zu interessieren. Um die Themen zu vertiefen, konnte ich ja andere Sendungen entwickeln wie "Abenteuer Forschung", "Faszination Erde" beziehungsweise "Faszination Universum".

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einestages: Bei "Knoff-Hoff" jagte ein Experiment das nächste. Woher kamen die vielen Ideen?

Bublath: Ich hatte ja mehrere Sendeschienen. Wurde in einem Labor für "Abenteuer Forschung" gefilmt, wie etwa zu neuartigen Keramiken, haben wir da auch viele Experimente gesehen, die für "Knoff-Hoff" geeignet waren. Wir konnten also mit einer Recherche verschiedene Sendungen abdecken. Zusätzlich hat mein Team aus Naturwissenschaftlern, also Chemikern, Biologen und Physikern, intensiv recherchiert.

einestages: Wie wurde aus einer Idee das Experiment?

Bublath: Wir hatten in München eine Experimentierhalle, die Ideen haben uns auch Experimentalphysiker von Universitäten aufgebaut. Irgendwann hatten wir genug Experimente, sind ins Studio gegangen und haben pro Sendung zweieinhalb bis drei Tage gedreht. Ohne Rücksicht auf Überstunden.

einestages: Moment - das Publikum musste bei der Aufzeichnung der Show fast drei Tage in den gleichen Klamotten sitzen?

Bublath: Genau. Sonst hätten wir das gar nicht machen können. Wir haben die Zuschauer als Statisten bezahlt. Sie mussten auch auf Befehl klatschen und lachen.

einestages: Und die Akkordarbeit im Studio haben alle Mitarbeiter mitgemacht?

Bublath: Es gab auch Widerstände. Aber wenn ein japanischer Forscher um 17 Uhr mit seiner Maschine ankam und nur wenige Stunden Zeit hatte, mussten wir eben bis spät in die Nacht drehen. Dann bekam der Produktionsleiter mitunter Probleme mit dem Betriebsrat oder den Gewerkschaften.

einestages: Sonst lief alles wie am Schnürchen?

Bublath: Da gab es auch noch den Sicherheitsingenieur. Als wir mit einem Tesla-Transformator einmal elektrische Funken machen wollten, sollten wir mit einem Drahtnetz das ganze Studio abhängen, um das Publikum zu schützen. Das musste man dann alles wegdiskutieren.

einestages: Und durften Sie Ihre Funken machen?

Bublath: Ich habe die Verantwortung übernommen und gesagt: Dafür hafte ich persönlich. Theoretisch passiert dabei auch nichts.

einestages: Die Studioband haben Sie auch nicht gerade geschont.

Bublath: Wir haben sie auch eingesetzt, um Experimente vorzuführen. Das hat ihnen aber viel Spaß gemacht. Ich glaube, das würden nicht viele Musiker so mitmachen.

Titelmelodie der Knoff-Hoff-Show, die leicht zum Ohrwurm wird

einestages: Auch Ihre Co-Moderatorinnen wie Ramona Leiß oder Babette Einstmann ließen es bei Versuchen mächtig krachen. Gab es Zwischenfälle?

Bublath: Na ja, wenn die Explosionsdosis zu hoch war, die Moderatorin erschrocken rausgerannt ist und rief: "Ich mach's nicht mehr!" Übrigens funktionierten viele Experimente im Labor und im Studio nicht. Weil die Scheinwerfer zu heiß waren oder etwas anderes passierte. Wir mussten erst Erfahrungen sammeln, etwa beim Riesenbottich mit wässriger Stärke: Weil sich die Flüssigkeit im Augenblick des Druckes verfestigt, sinkt man dann nicht ein, wenn man schnell genug ist und fest auftritt. So kann man wirklich "wie Jesus übers Wasser laufen". Am Anfang stampfte unser Statist allerdings zu lasch auf, ist langsam eingesunken und kam nicht mehr raus. Wir mussten das ganze Gefäß aufschneiden und Planen drumlegen, weil der Brei herausfloss.

einestages: 1999 haben Sie trotz exzellenter Einschaltquoten die "Knoff-Hoff-Show" beendet. Warum?

Bublath: Um aktuelle Forschung unterhaltsam darzustellen, brauchen Sie Gag-Experimente. Sie lassen zum Beispiel eine Kugel schweben und erklären dann, dass sich darunter ein Supraleiter befindet. Diese Versuche sind jedoch in der Zahl begrenzt. Das können Sie einmal wiederholen - dann wird es langweilig. Also habe ich die "Knoff-Hoff-Show" beendet.

einestages: Das hat das ZDF akzeptiert?

Bublath: Es gab großen Widerstand. Im Haus sagte man immer: "Egal, nach zwei Jahren kann man alles wiederholen. Die Zuschauer merken das nicht." So hatte ich mir das allerdings nicht vorgestellt.

einestages: Sie sind promovierter Physiker. Wie kamen Sie von der Uni zum Fernsehen?

Bublath: Ich wollte schon immer wissen, wie die Welt funktioniert, und durch Wissenschaftsjournalismus neben dem unterhaltenden Element auch die gesellschaftliche Relevanz zeigen. Damals war es noch möglich, spät am Abend Diskussionen zu wichtigen Themen wie Kernenergie, Klimakatastrophe oder Genetik zu machen. Meine Hoffnung: Die Zuschauer sollten sich über wichtige Entwicklungen informieren. Und dann entscheiden, was sie wollen und was nicht.

einestages: Ist diese Aufklärung gelungen?

Bublath: Diese hochkomplexe Welt im Detail verständlich zu machen, schafft niemand. Technik und Naturwissenschaften sind aber die Basis unseres Überlebens. Zur Selbstversorgung mit dem eigenen Acker können wir nicht mehr zurück. Wenn man Grundlagenwissen in unserer technisierten Welt weitergeben kann, bin ich schon ganz zufrieden.

einestages: Zu guter Letzt: Welcher "Knoff-Hoff"-Knalleffekt wurde noch zum Fiasko?

Bublath: Einmal hatten wir aus zwei Chemikalien einen künstlichen Vulkan gemacht. Dabei entstanden große schwarze Flocken, die hochgetrieben sind und sich auf den Scheinwerfern abgesetzt haben. Danach mussten sie eine Woche lang das Studio reinigen, weil das ständig runterbröselte.

Die Anfänge der Videotelefonie - dieses Video stellte ein Fan privat ins Internet:

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insgesamt 24 Beiträge
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1.
Harald König, 15.02.2016
Ich habe mir diese Show auch immer gerne angeschaut, musste mich aber jedesmal fremdschämen für den Titel.
2. Wissen macht Bumm
Michael Bähre, 15.02.2016
Den Herrn Bublath habe ich wegen seiner hoch informativen und fundierten Sendungen immer sehr geschätzt. Damit meine ich aber weniger die "Knoff-Hoff-Show", die ich schon damals eher tutig und spießig fand, aber dennoch ab und zu geguckt habe. Jedenfalls hat der Mann für mich eine schmerzliche Lücke hinterlassen, denn mit dem allzu mundgerechten "Bildungsfernsehen" von heute fühle ich mich zumeist unterversorgt. Zum letzten Mal habe ich Herrn Bublath, glaube ich, bei "Maischberger" gesehen. An das Thema erinnere ich mich nicht mehr. Ich glaube es ging um außerirdisches Leben. Jedenfalls verließ er irgendwann fluchtartig die Diskussionsrunde, genervt von dem ebenso schrillen wie wirren Gefasel von Nina Hagen, die ebenfalls dort zu Gast war. Ich litt damals mit Herrn Bublath und hätte genauso gehandelt. Nur wohl schon etwas früher.
3. Sorry
Ulrich Loose, 15.02.2016
das Einzige was mir von Herrn B. erinnerlich ist - sein ständiges "Gesappel" von Silikon wenn er Silizium meinte...
4. Man merkt halt
Christian Herdt, 15.02.2016
schon ob die Leute vor der Kamera Ahnung von der Materie haben, oder nur eine Sprechpuppe sind. Allerdings fand ich die Dixiband immer nervig.
5. stark angefangen und dann nachgelassen
Alfred Ratner, 15.02.2016
Zu Anfang dieser Sendereihe wurden noch auf die den Experimenten zugrunde liegenden natuurwissenschaftlichen Vorgänge eingegangen, wobei man - auch als Naturwissenschaftler - noch durchaus etwas lernen konnte. Später wurde darauf leider mehr und mehr verzichtet, zugunsten des platten Showeffektes.
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