Krankenakte Kennedy Sex, Lügen und Osteoporose

Krankenakte Kennedy: Sex, Lügen und Osteoporose Fotos
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Als kraftstrotzender Polit-Messias trat John F. Kennedy 1961 das Amt des US-Präsidenten an. Dass der Hoffnungsträger in Wahrheit von schweren Gebrechen geplagt war, wurde lange geheim gehalten. Eine SPIEGEL-TV-Dokumentation widmet sich nun Kennedys schockierender Krankheitsgeschichte. Von

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Bei einem seiner Besuche im Weißen Haus brachte Harry Belafonte seinen kleinen Sohn David mit. John F. Kennedy ließ den Jungen an seinem Schreibtisch sitzen und gab ihm Papier und Stift, damit er ein wenig herumkritzeln konnte, während die Männer sich unterhielten. Der Stift funktionierte nicht. "Hey, der Stift geht nicht!", rief der kleine David dem Präsidenten zu. "Nun, David", entgegnete der mächtigste Mann der Welt, "du hast gerade etwas aufgedeckt. Es gibt eine Menge Dinge hier, die nicht funktionieren."

Es ist ein Dialog mit Symbolcharakter, den der Wahlhelfer und Präsidentenfreund Belafonte in einem Interview der vierstündigen SPIEGEL-TV-Dokumentation mit dem Titel "Die Kennedys. Triumph und Fall einer amerikanischen Familie" rekapituliert. Was alles nicht funktioniert, behielt John F. Kennedy natürlich für sich - wie vieles andere auch, etwa die Wahrheit über seinen Gesundheitszustand.

Nach außen gab er stets den kernigen Hoffnungsträger, der zur Amtseinführung am 20. Januar 1961 trotz Minusgraden lässig ohne Mantel und barhäuptig stundenlang in der Kälte ausharrte. Dass der braungebrannte Strahlemann in Wahrheit ein körperliches Wrack war und bereits dreimal die Letzte Ölung erhalten hatte, gehörte zu den bestgehüteten Geheimnissen in der Geschichte der USA.

"Hätte die Nation gewusst, wie krank John F. Kennedy wirklich ist, wäre er nie Präsident geworden", resümiert dessen Biograf Robert Dallek im Interview. Erst rund 40 Jahre nach dem tödlichen Attentat von Dallas erlaubte der Kennedy-Clan dem Geschichtswissenschaftler Einblick in die Krankenakten von JFK - und gewährt SPIEGEL TV Einblick in die wenig bekannten Privatdokumente hinter die Fassaden der Macht.

Plantschidyll im Präsidentengarten

So zeigen zum Beispiel Amateuraufnahmen Kennedy als aufrichtig fröhlich wirkenden Vater und liebenden Gatten. Mit zärtlichem Blick schaut er seinen kleinen Kinder John John und Caroline zu, wie sie die Rutsche erklimmen, die Gattin Jackie im Garten des Weißen Hauses errichten ließ. Er begleitet die Familie beim Toben über den präsidialen Spielplatz mit Baumhaus, Hunden, Lämmern, Kaninchen und Ponys, schaut ihnen beim Plantschen im Brunnen an der Pennsylvania Avenue zu, grillt mit ihnen Hot Dogs und Burger.

Eine andere zutage geförderte Privataufnahme zeigt JFK zu Ostern 1963. Nur mit Badehose bekleidet, tummelt sich der Sunnyboy im Pool der Ferienresidenz der Familie in Palm Beach, Florida. Zieht Tochter Caroline am Schwimmreif durchs Wasser oder hilft er dem kleinen John John, dessen rot-weißes Spielzeugboot zum Fahren zu bringen. Am Nachmittag begutachtet Kennedy die bunt bemalten Ostereier seiner Sprösslinge. Von Krankheit keine Spur - würde der juvenile Präsident nur nicht so seltsam steif in einem Schaukelstuhl thronen.

Zwar behauptete seine Familie immer, die Rückenbeschwerden seien Folge eines schweren Footballunfalls gewesen. Tatsächlich litt John F. Kennedy aber schon als kleiner Junge unter Rückenproblemen, zudem an Asthma und extremer Müdigkeit sowie zahlreichen Allergien. Nach einer von drei schweren Rückenoperationen fiel Kennedy ins Koma und schwebte mehrere Wochen lang zwischen Leben und Tod.

Mächtigster Mann der Welt mit Stützkorsett und orthopädischen Schuhen

Um sein Amt als Senator und späterer US-Präsident ausüben zu können, musste Kennedy nicht nur ein Stützkorsett, sondern auch orthopädische Schuhe tragen. Neben Schmerzmitteln, Antibiotika, Antidepressiva und Schlafmitteln nahm John F. bis zu fünf heiße Bäder pro Tag, um sein Leiden zu lindern. Wann immer er auf Reisen ging, nahm er einen zusammenlegbaren Schaukelstuhl mit. Da weiche Matratzen seine Pein vergrößerten, benutzte er extra harte Spezialmatratzen - oder schlief in Hotels auf dem Boden.

Weitaus gravierender als sein Rückenleiden jedoch sei die ärztliche Fehlbehandlung seines Reizdarmes gewesen, betont Biograf Dallek nun im Interview mit den SPIEGEL-TV-Redakteuren. Schon als Junge litt Kennedy immer wieder unter Durchfällen, Müdigkeit und mysteriösen Zusammenbrüchen, infolge derer er wochenlang das Bett hüten musste. Im Januar 1935 schrieb der 17-jährige Kennedy einem Freund: "Gestern einen Blick auf meine Krankenakte geworfen, konnte sehen, dass sie nicht mehr weiter wissen und meine Sarggröße ausmessen."

Später wurde bei ihm die Addisonsche Krankheit diagnostiziert, eine Unterfunktion der Nebennierenrinde. Das hiergegen verabreichte Cortison ließ Kennedys Körper aufschwemmen, zudem griff es die Knochen an und führte vermutlich zu Osteoporose - was die Rückenprobleme wiederum noch verschlimmerte. Von Multiplen Krankheiten gepeinigt, beschäftigte der Politiker zeitweise acht Ärzte gleichzeitig - unter ihnen der deutschstämmige, auch als "Dr. Feelgood" berüchtigte Arzt Max Jacobson, der ihm eine Mixtur aus Amphetaminen und Schafsplazenta verschrieb.

Kopfschmerzen bei Sex-Entzug

Einem engen Freund gegenüber behauptete Kennedy einmal gar, man könne ein Buch über ihn schreiben mit dem Titel "John F. Kennedy - eine Krankengeschichte". Nach außen indes, über den verschworenen Zirkel aus Freunden und Angehörigen hinaus, wahrte Kennedy eisern das Image der markigen Sportskanone. Wie die Aufnahmen der SPIEGEL-TV-Dokumentation zeigen, legte der Präsident eilig die Krücken beiseite, sobald es um die politische Macht ging - oder aber ein Rock in Reichweite geriet.

Denn all seine Leiden hielten John F. Kennedy nicht davon ab, das Doppelleben eines ungezügelten Schwerenöters zu führen. "Die Wirkung, die er auf weibliche Wähler hat, ist geradezu unanständig", schrieb die New York Times einmal. "Die Frauen wollen ihn entweder bemuttern oder heiraten." Und George Smathers, ein Freund Kennedys, bescheinigte diesem "die aktivste Libido, die ich je bei einem Mann erlebt habe".

Die Liste seiner Eroberungen liest sich wie das Who is Who der Traumfabrik Hollywood. Unter ihnen: Marlene Dietrich, Zsa Zsa Gabor, Joan Crawford, Audrey Hepburn, Sophia Loren - und natürlich Marilyn Monroe. Dem erstaunten britischen Premier Harold Macmillan erläuterte Kennedy einmal, dass er spätestens jeden dritten Tag mit einer Frau schlafen müsste - sonst würde er Kopfschmerzen bekommen.

Am 22. November 1963, einem sonnigen Freitagmittag, starb Kennedy im Kugelhagel von Dallas. Des Stützkorsetts wegen blieb der US-Präsident nach dem ersten Schuss aufrecht sitzen. Die zweite Kugel traf JFK in den Kopf und kostete ihn das Leben. Kennedy war zeit seines Lebens davon überzeugt, wegen der Vielzahl seiner Krankheiten jung zu sterben - nun war er einem Attentat zum Opfer gefallen.

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1.
Hubert Rudnick, 10.01.2011
Sex;Lügen und Osteoporose Stimmt denn überhaut etwas was aus den USA kommt und darüber berichtet wird, oder sind alles nur Luftblasen, sowie es mit ihrer schönen Finanzwelt auch ist?
2.
Hannes Mistoff, 10.01.2011
morbus adison führt zur vermehrten bildung von melantropinen, dh braunerer haut und gesteigerten sexualtrieb. spannend wäre die frage, inwiefern eine gesteigerte libido auch den ergeiz erhöht, im leben etwas zu erreichen um hiermit die chancen bei den damen zu erhöhen...dh im auch die krankheit die kaft gegeben hat karrere zu machen...
3.
Johanna Burkhart, 10.01.2011
Was zeigt unus dieser Beitrag? Politiker werden durch die Medien ins rechte Licht gerückt und vermarktet. Die Kontrolle durch die Medien findet dadurch nicht statt. Politberater,bestens ausgebildet kaschieren das gebrechliche Bild eines Menschen. Sie zeigen dem Wähler einen Politiker auf den es in Wirklichkeit nicht gibt. Das geschieht bis heute noch! Gut soll er aussehen. Ein Frauenheld soll er auch noch sein. Sein politisches Programm interssierte niemand. Seine Doppelmoral erst recht niemand. Selbst seine Entscheidungen wurden Mediengerecht ins rechte Licht gerückt. Wenn heute der Wähler kritischer wird, verachten ihn die Politiker samt Medien. Der Fall Kenndy zeigt allen auf wie unehrlich Politiker mit ihrem Volk umgehen. Wollen die Wähler nicht glaubwürdige Politiker? Dass was sie sagen auch stimmt!
4.
Thomas Marx, 24.05.2013
Zitat: "Am 22. November 1963, einem sonnigen Freitagmittag, starb Kennedy im Kugelhagel von Dallas." Zitat Ende Es wurden nach Angaben der Warren Commission genau 3 Schüsse wurden in einem Zeitraum von 7.1 bis 7.9 Sekunden abgegeben. Seit wann ist das ein "Kugelhagel"?
5.
Heike Lindenborn, 08.08.2013
>Was zeigt unus dieser Beitrag? >Politiker werden durch die Medien ins rechte Licht gerückt und vermarktet. >Die Kontrolle durch die Medien findet dadurch nicht statt. >Politberater,bestens ausgebildet kaschieren das gebrechliche Bild eines Menschen. >Sie zeigen dem Wähler einen Politiker auf den es in Wirklichkeit nicht gibt. >Das geschieht bis heute noch! >Gut soll er aussehen. >Ein Frauenheld soll er auch noch sein. >Sein politisches Programm interssierte niemand. >Seine Doppelmoral erst recht niemand. >Selbst seine Entscheidungen wurden Mediengerecht ins rechte Licht gerückt. >Wenn heute der Wähler kritischer wird, >verachten ihn die Politiker samt Medien. >Der Fall Kenndy zeigt allen auf wie unehrlich Politiker mit ihrem Volk umgehen. >Wollen die Wähler nicht glaubwürdige Politiker? >Dass was sie sagen auch stimmt!
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