Kreuzberg-Fotoreportage Zwei Zeiten, ein Blick

Kreuzberg-Fotoreportage: Zwei Zeiten, ein Blick Fotos
Peter Frischmuth

Berlin-Kreuzberg ist einer der spannendsten Stadtteile Deutschlands. Der Fotograf Peter Frischmuth verewigte das Viertel 1982 mit der Kamera. 25 Jahre später hat er exakt dieselben Orte wieder fotografiert - und eine faszinierende Serie über den Wandel der Zeit geschaffen.

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Im Dezember 1973, im Alter von 16 Jahren, war ich zum ersten Mal in Berlin. Ich werde den Blick durch das Fenster der PanAm-Maschine im Landeanflug auf den Flughafen Tempelhof niemals vergessen. Es war bereits dunkel, als das Flugzeug durch die Wolkendecke stieß. Unter mir ein helles Band aus grellem Scheinwerferlicht, das die Stadt zerschnitt. Die Mauer, der Todesstreifen - mein erster Eindruck von Berlin.

Wie kein anderer Stadtteil Berlins geriet der Bezirk Kreuzberg, und hier speziell der ehemalige Postzustellbezirk SüdOst 36, durch den Mauerbau des Jahres 1961 in eine Randlage. Bis 1961 hatte über die Spreebrücken ein lebhafter Pendelverkehr zwischen Ost- und Westberlin stattgefunden. Die Bewohner von SO 36 konnten ungehindert die Naherholungsgebiete Schlesischer Busch oder Treptower Park besuchen. Mit dem Bau der Mauer änderte sich das schlagartig. Den Bewohnern der Mietskasernen wurden ihre Naherholungsgebiete entzogen. Den ansässigen Industriebetrieben fehlten von einem Tag auf den anderen Tausende von Arbeitskräften, die bis dahin täglich von Ost nach West zur Arbeit kamen.

1982 wurde Berlin Kreuzberg zum Thema meiner Examensarbeit an der Fachhochschule Dortmund, wo ich seit 1978 Fotografie studierte. Inhalt meiner Arbeit war eine fotografische Beschreibung des Stadtteils: die Architektur der Gründerzeit, die Menschen im "Kiez" und das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen.

Die vergangenen Jahre und besonders der Fall der Mauer haben Kreuzberg SO 36 verändert. Aus seiner Randlage befreit, enden die Hauptverkehrsadern Skalitzer Straße als auch die U-Bahnlinie 1 nicht mehr als "Dead End" am Schlesischen Tor. Der Stadtteil ist in die Stadt zurückgekehrt. Nach 25 Jahren habe ich SO 36 erneut als Thema aufgegriffen. Auf meinen eigenen Spuren habe ich Orte und Menschen wieder aufgesucht. Die direkte Gegenüberstellung der Bilder zeigt die Veränderung des Stadtteils.


Zum Weiterlesen:

Peter Frischmuth: "Berlin Kreuzberg SO36". Berlin Story Verlag, Berlin 2012, 128 Seiten.

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insgesamt 4 Beiträge
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1.
Nina Kolle 23.10.2007
ganz famose idee, diese serie! und klasse doku-fotos, schon damals. am meisten beeindruckte mich beim durchblättern der jetzt alte herr an der apotheke, denn der zarte stengel hinter seinem rücken ist mittlerweile zu einem "jugendlichen" baum herangewachsen. ..und dass die oberbaumbrücke keine türmchen hatte, wusste ich vorher auch noch nicht.
2.
Michael Kraehe 24.10.2007
Ein sehr schoener Beitrag. Ich kenne das Kreuzberg von 1981, als ich dort extra aus meiner Heimatstadt Moenchengladbach fuer Hausbesetzerdemos angereist war. Dieser Teil von Kreuzberg, der einfach an der Mauer aufhoerte ... so etwas habe ich nachher nirgendwo auf der Welt mehr gesehen.
3.
Mila Schütz 24.10.2007
Finde ich auch. Das mit dem Baum war mir noch gar nicht aufgefallen, obwohl ich die Bilder schon dreimal angeschaut hab. Das ist das tolle an den Fotos, dass man ständig neues entdeckt.
4.
Muri Eren 19.03.2008
Ein sehr sehenswertes Portfolio.
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