Kriegsmarine Seemacht Österreich

Unter Kaiser Franz Josef I. betrieb die Donaumonarchie Österreich-Ungarn Seefahrt im großen Stil. Die sechstgrößte Kriegsmarine der Welt kreuzte im Ersten Weltkrieg in der Adria - wenn sie nicht gerade zur Untätigkeit verdammt war.


"Viribus Unitis" - mit vereinten Kräften! Der Namensgeber für das 1911 gebaute Flaggschiff der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine war der Wahlspruch von Kaisers Franz Josef I. Zum Quartett der baugleichen Schlachtschiffe der Tegetthoff-Klasse gehörten noch drei weitere Schwesternschiffe, die "Tegetthoff", "Prinz Eugen" und die "Szent István". Hinzu kamen etliche Große Kreuzer, Kleine Kreuzer, Torpedoboote und U-Boote.

Stationiert waren die Kriegsschiffe in der Adria, hauptsächlich in den Kriegshäfen Österreich-Ungarns in Triest und Pola in Istrien. Der Zugang zum Meer stammte bereits aus dem 14. Jahrhundert, als sich die Stadt Triest unter den Schutz der Habsburger begab. Nach seinem Amtsantritt 1848 hatte Franz Josef mit dem Aufbau der "Neuen Marine" begonnen. Deutsch wurde Dienstsprache, die Besatzungen und Offiziere kamen aus allen Kronländern.

Die Monarchie verfügte auch über eine Binnenflotte. Während des Ersten Weltkrieges führte die Donauflottille ihren Kampf primär gegen Ziele an Land - in Ermangelung von Gegnern zu Wasser. Am 23. Juli 14 erging die Kriegserklärung an Serbien. Zwei Monate später richteten die Kanonenboote der Donauflottille ihre Geschütze auf Belgrad.

Eingekesselt in der Adria

Hauptgegner der k.u.k.-Kriegsschiffe im Ersten Weltkrieg war zunächst die französische Flotte, unterstützt von kleineren britischen Verbänden. Bislang hatte die k.u.k.-Kriegsmarine immer nur in der Adria operiert, mit Ausnahme der U-Boote. Der Grund: Die Entente blockierte die Seestraße von Otranto. An ihrer schmalsten Stelle, zwischen dem italienischen Otranto und dem albanischen Vlora, ist die Meeresstraße nur ungefähr 70 Kilometer breit. Sie sperrte die österreichisch-ungarische Flotte förmlich in der Adria ein.

Der Marineführung blieb deshalb kaum etwas anderes übrig, als eine eher passive Strategie zu verfolgen. Es herrschte die Ansicht, dass die Flotte dann am stärksten sei, wenn sie den Hafen nicht verlässt. Schließlich bestünde ihre Hauptaufgabe darin, die österreichische Adriaküste zu schützen. So sollten vor allem die Aktionen französischer Kriegsschiffe unterbunden werden, die immer wieder versuchten, über die Küste Montenegros Nachschub für Serbien anzulanden. Ansonsten lagen die k.u.k.-Schlachtschiffe die meiste Zeit untätig an ihren Bojen in Pola, dem späteren Pula, auf der istrischen Halbinsel.

Nach dem Kriegseintritt Italiens auf Seiten der Entente sah sich die Kriegsmarine der Donaumonarchie einer insgesamt etwa vier- bis fünffachen feindlichen Übermacht gegenüber. Dennoch wagte die Flotte einen Angriff auf die italienische Ostküste. Vor allem Ascona wurde massiv unter Beschuss genommen, ebenso etliche küstennahe Eisenbahnanlagen und Brücken. Italiens Flotte wurde überrascht und setzte sich kaum zur Wehr. Die österreichischen Schiffe kehrten ohne Verluste zurück.

Die größte Seeschlacht in der Adria

Nach diesem Erfolg gab es im Mai 1917 einen Versuch, die Blockade von Otranto zu durchbrechen und die Adria zu verlassen. An dem fast zwei Tage dauernden Seegefecht waren auf österreichisch-ungarischer Seite zwei Schlachtschiffe, drei Kreuzer, mehrere Zerstörer sowie U-Boote beteiligt. Es war die größte Seeschlacht des Ersten Weltkrieges in der Adria. Die österreichisch-ungarische Kriegsmarine versenkte drei italienische, einen britischen und einen französischen Zerstörer und einige bewaffnete italienische Fischdampfer. Ein eigener Zerstörer wurde schwer beschädigt.

Ein zweiter erfolgloser Versuch, die Otranto-Sperre zu durchbrechen, fand im Juni 1918 statt. Das Schlachtschiff "Szent István" erhielt Torpedotreffer durch italienische Schnellboote und sank. 89 Seeleute fanden den Tod. Nach diesem Ereignis trat die Kriegsflotte unverzüglich den Rückzug an, weil der "Überraschungsmoment" nicht mehr gegeben gewesen wäre.

Ihr letztes Seegefecht führte die kaiserliche Kriegsmarine im Oktober 1918 vor Durazzo an der Küste Albaniens. Es gelang ihr, ohne eigene Verluste einen britischen Kreuzer zu versenken. Der letzte Oberbefehlshaber, Konteradmiral Miklós Horthy, wurde nach Ende der militärischen Laufbahn zum Reichsverweser ernannt und damit von 1920 bis 1944 zum Staatsoberhaupt von Ungarn.

Verhältnismäßig wenig Verluste

Die U-Boot-Flotte des Monarchen operierte im gesamten Mittelmeer. Sie bestand aus 27 Einheiten einschließlich eines gekaperten französischen U-Boots. Hinzu kamen 20 deutsche U-Boote, die unter österreichischem Kommando standen. Das Schiffe-Versenken der Flotte gestaltete sich ausgesprochen erfolgreich. Neben etlichen Handelsschiffen gelang es ihr, auch ein französisches Schlachtschiff, einen französischen und einen italienischen Panzerkreuzer und andere Kriegsschiffe der Entente zu versenken.

Insgesamt hatte die österreichisch-ungarische Kriegsflotte während des Krieges verhältniswenig wenige Verluste an Schiffen und Mannschaften zu beklagen, was wohl ihrer defensiven Strategie zuzuschreiben ist. 1918 kam das unvermeidliche, eher unrühmliche Ende. Einige Einheiten hatten sich bereits selber versenkt. Die restliche Flotte in Pola wurde vor Ort dem neu konstituierten Nationalrat der Slowenen, Kroaten und Serben ausgehändigt. Mit Verhandlungen versuchte der österreichische Kaiser noch zu retten, was schon nicht mehr zu retten war. Inzwischen hatte Karl I. den 1916 verstorbenen Franz Josef abgelöst. Er hoffte vergeblich, dass der Nationalrat loyal zur Krone stand.

Der Waffenstillstand war schon wirksam, die Kriegshandlungen waren eigentlich vorbei, als der Stolz des maritimen Österreichs, das Flaggschiff der Kriegsflotte, die "S.M.S. Viribus Unitis" von einem italienischen Kampfschwimmer-Kommando versenkt wurde. Auf dem Schlachtschiff wehte bereits die kroatische Flagge. Jetzt beschlagnahmten die Italiener alle in Pola liegenden Kriegsschiffe und führten sie bei einer Siegesparade in Venedig vor. Ohne Schmäh kann man sagen: Die k.u.k.-Kriegsmarine war auf dem Meere unbesiegt.



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