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150 Jahre Ku Klux Klan Die Seuche des Rassenhasses

Gründung des Ku Klux Klan: Mordlüstern unter Hasskappen Fotos
Library of Congress

Sechs Freunde aus gutem Haus gründeten Weihnachten 1865 den Ku Klux Klan, hüllten sich in Bettlaken, ritten nachts aus. Anfangs war der Geheimbund eher ein Ulk - daraus entstand eine Woge von Lynchmorden und rassistischem Terror. Von

In den kalten Winternächten 1871 kamen die Männer mit den geisterhaften Umhängen. Sie holten Häftlinge aus dem Gefängnis der Kleinstadt Union in South Carolina: erst zwei, dann weitere sieben. Nicht, um sie zu befreien. Sondern um sie zu erhängen. Weil die Männer in den weißen Kutten die Schwarzen für schuldig hielten.

Möglich, dass einige der Gefangenen, allesamt Afroamerikaner, tatsächlich in einen Mord an einem weißen Kriegsveteranen verwickelt waren. Sterben aber mussten sie ihrer Hautfarbe wegen.

Selbstgefällig stellten sich die Lynchmörder als rechtschaffene Gesetzeshüter dar und nagelten ein Plakat ans örtliche Gerichtsgebäude: "Wieder einmal sind wir durch Gewalt gezwungen worden, Gewalt anzuwenden. Die Gerechtigkeit lahmte und musste sich auf uns stützen." Unterzeichnet war das schlicht mit "KKK".

Drei Buchstaben als Kürzel eines Rassistenbundes, der seitdem Tausende Schwarze und Bürgerrechtler folterte, vergewaltigte, verschleppte, erschoss. Die Zeiten wurden liberaler; der Hass auf schwarze Amerikaner aber blieb bis heute, erweitert durch Attacken auf Juden, Schwule, Einwanderer.

Musikalische Mörderbande

Dabei war der Ku Klux Klan gut fünf Jahre vor den Lynchmorden in Union aus weit weniger gewalttätigen Motiven entstanden: Anfangs sei es, so betonten die Gründer später einhellig, "um Ablenkung und Vergnügen" gegangen. Die Geheimniskrämerei, die mystischen Amtstitel wie "Groß-Zyklop" - das alles war auch nach Ansicht von Historikern zunächst kein bitterer Ernst.

Ins Leben gerufen wurde der Rassistenbund an einem friedlichen Tag: Heiligabend 1865 trafen sich sechs Männer in der Kleinstadt Pulaski, Tennessee, im Haus eines Richters. Sie hatten als Anwälte, Baumwollhändler oder Verleger gearbeitet und in ihrer Freizeit gemeinsam mit Geige und Gitarre musiziert, bevor sie in den Amerikanischen Bürgerkrieg zogen, der ihr Leben wie die gesamte Gesellschaftsordnung im Süden auf den Kopf stellte.

Denn als Ergebnis des verlorenen Krieges wurden ab 1865 knapp vier Millionen Sklaven, deren Arbeitskraft jahrhundertelang den Reichtum der Südstaaten garantiert hatte, plötzlich freie und gleichberechtigte Bürger - zumindest auf dem Papier. Das schürte bei den Weißen Existenzängste und die Wut auf die Sieger, die regierenden Republikaner. Die versuchten mittels Militärregierungen, die gesellschaftlichen Umbrüche in den Südstaaten zu erzwingen.

Beim Weihnachtstreffen beschlossen die sechs Männer aus Pulaski lediglich, über ihre künftigen Ziele nachzudenken. Der Ku Klux Klan, er hätte irgendein Klub bleiben können. Stattdessen schrieb er Weltgeschichte.

Das lag auch am geheimnisvollen Namen. John B. Kennedy, einer der Gründer, kramte aus seinen Griechischkenntnissen das Wort "kuklos" hervor, das so viel wie "Kreis" bedeutet. Der Legende nach fügten die Männer, alle schottischer Abstammung, das Wort "clan" hinzu. Am Ende kam "Ku Klux Klan" heraus, wegen der Alliteration.

Kopflose Reiter

Wohl schon beim zweiten Treffen, so rekonstruierten es zumindest später Historiker, schlug jemand eine Verkleidung vor. Die ehemaligen Offiziere der Konföderation brachen in eine Stallung ein, hüllten sich und die Pferde in weiße Bettlaken. Schweigend ritten sie so nachts durch Pulaski und überraschten Passanten mit grotesken Gesten.

Sofort waren die Reiter Stadtgespräch - und erst jetzt erfuhren sie von einer unerwarteten Reaktion: Die Afroamerikaner, durch die Sklaverei ungebildet gehalten, glaubten, die Reiter seien gefallene Soldaten der Südstaatenarmee, zurückgekehrt als Geister. Diesen Aberglauben testeten die Klan-Männer sogleich und versteckten unter ihren Gewändern Knochen und Holzarme, die sie ihren Ex-Sklaven entgegenreckten. Sie mimten kopflose Reiter oder leerten scheinbar in einem Zug einen Eimer Wasser - das sie in Wahrheit per Trichter in einem Lederbeutel verschwinden ließen. Dann riefen sie verängstigten Schwarzen zu: "Dies war mein erster Trunk, seit ich gefallen bin."

Plötzlich wuchs unter den Kriegsverlierern die Hoffnung, die alte Ordnung wiederherstellen zu können: Konnte man die Afroamerikaner vielleicht derart einschüchtern, dass sie abermals für ihre weißen Herren schufteten?

So führte ein Kurier ("Nachtfalke") immer mehr Klan-Anwärter mit verbundenen Augen in die "Höhle". In dieser Ruine am Rande Pulaskis prüfte sie Mitgründer und Zeremonienmeister James Crowe, der sich "Groß-Türke" nannte: Genügend Wut auf die Nordstaaten? Strikte Ablehnung gleicher Rechte für Schwarze?

"Vorherrschaft der weißen Rasse"

Wer durch den Test fiel, wurde verjagt. Wer aber überzeugte, musste ein Schweigegelübde ablegen, wurde von Crowe feierlich in einen "königlichen Umhang" gehüllt und erhielt eine "Krone"- tatsächlich waren die scheinbar majestätischen Insignien ein Gewand aus Eselshaut und ein zerrissener Hut mit Eselsohren.

Rasend schnell sprossen im Süden der USA Hunderte Ableger des Ordens und es kam 1866 zur ersten dokumentierten Gewalttat: Der Klan entführte einen Schwarzen, der es gewagt hatte, mit einer liberalen, weißen Lehrerin aus dem Norden auszureiten. Er wurde in einen eiskalten Brunnen geworfen und musste schwören, jeden Gedanken an soziale Gleichstellung aufzugeben.

Bald entglitt den Gründern die Kontrolle. Die Geheimhaltung machte jegliche Klan-Lenkung unmöglich. Moderate Mitglieder waren entsetzt über Gewaltexzesse gegen Schwarze, die anderen Klans zugeschrieben wurden.

So kam es im Frühjahr 1867 in Nashville (Tennessee) zu einer Art Klan-Vollversammlung, um Leitlinien festzulegen. Der rassistische Geheimbund definierte sich als "Institution der Ritterlichkeit, Menschlichkeit, Barmherzigkeit und des Patriotismus"; schützen wolle man Frauen, Schwache und Unterdrückte. Aber keineswegs Schwarze, denn der Klan verlangte als "oberstes Ziel" unmissverständlich "die Vorherrschaft der weißen Rasse". Als Oberkommandant ("Großer Hexenmeister") ernannt wurde der Prototyp eines Kriegsverlierers, der ehemals reiche Plantagenbesitzer und Südstaatengeneral Nathan Bedford Forrest.

Zentral steuern ließ sich der KKK jedoch kaum. Jede Ortsgruppe verstand unter "Selbstschutz" etwas anderes, zunehmend kam es zu Auspeitschungen sowie Morden an Schwarzen und ihren weißen Helfern. Fast nie wurden die Täter verfolgt. So entfesselte der Klan im Süden nahezu kriegsähnliche Zustände, besonders um Schwarze von Wahlen fernzuhalten.

Brennende Kreuze als mystische Symbole

Allein im winzigen Caswell County mit 15.000 Einwohnern ermordete der Klan im Juni 1870 mindestens 13 Menschen. Daraufhin verhängte der Republikaner William W. Holden, zuständiger Gouverneur in North Carolina, den Ausnahmezustand und schickte die Armee, um die "mitternächtlichen Meuchelmörder unschädlich zu machen". Diesen Machtkampf verlor er: 1871 wurde Holden wegen Amtsmissbrauchs vom Senat North Carolinas abgesetzt; die von ihm bekämpften Gräueltaten des Klans wurden in dem parteilichen Verfahren nicht einmal als Beweis zugelassen.

Fast ebenso erfolglos blieben Anti-KKK-Gesetze der Bundesregierung gegen die Terrorwelle - selbst als der "Große Hexenmeister" Bedford seinen Klan auf Druck Washingtons 1871 offiziell auflöste. Die Gewalt ebbte erst einige Jahre später ab, als die Südstaaten wieder durchgängig von Feinden der Sklavenbefreiung regiert wurden. Neue Gesetze und die Rassentrennung setzten die Benachteiligung der Schwarzen nun politisch fort. Ein Verstecken unter Kutten war kaum noch nötig.

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Rassismus im Film: Blockbuster des Hasses

Bei Bedarf gründete sich der Klan einfach neu. 1915 etwa, angefacht durch David W. Griffiths rassistisches Historiendrama "Birth of a Nation". Die brennenden Kreuze wurden nun als mystische Symbole eingeführt, die Terrorvereinigung zog Massen in den Bann und hatte zu Hochzeiten bis zu vier Millionen Mitglieder. Noch in den Sechzigern, ein Jahrhundert nach der Gründung, wütete der Klan gegen die zunehmend erfolgreiche Bürgerrechtsbewegung und das Ende der Rassentrennung.

Seitdem tauschten KKK-ler ihre weißen Kapuzengewänder gegen Militäruniformen, verübten Brandanschläge auf schwarze Kirchengemeinden, versuchten sich international mit anderen Rechtsextremisten zu vernetzen. Doch die Mitgliederzahl sank rapide auf heute nur noch wenige Tausend. Der Geheimbund wirkt derzeit zersplittert und machtlos, doch 2014 ermordete ein KKK-Mitglied drei Juden.

Die sechs Gründer waren da von Klan-treuen Geschichtsschreibern längst zu "ehrenwerten" Patrioten verklärt worden, obwohl sie zeitlebens keine Reue zeigten. "Wir taten nichts, wofür wir uns schämen mussten", schrieb John B. Kennedy 1909 kurz vor seinem Tod. "Unsere Taten dienten immer dem Wohl unseres Landes und denen, die wir liebten."

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1. Dazu Filme seiner Zeit
Helmut Böhlke, 22.12.2015
Griffiths selbst hat es nie zugegeben, aber als seine Entschuldigung für seinen Film "Birth of a Nation" in dem er den Ku Klux Klan verherrlicht wird dann sein späterer Film "Intoleranz" gesehen.
2.
Emanuel Gold, 22.12.2015
Leider kann man ja nicht sagen, dass diese Zeiten vorbei sind - in den USA jedenfalls nicht.
3. Liebe Redaktion!
Carsten Wagner, 22.12.2015
"...Die sechs Gründer waren da von Klan-treuen Geschichtsschreibern längst zu "ehrenwerten" Patrioten verklärt worden, obwohl sie zeitlebens keine Reue zeigten..." Man darf annehmen, dass die Klan-treuen Geschichtsschreiber genau wegen dieser Reuelosigkeit die Gruender verklaerten, nicht "...obwohl..." ;)
4. Wieso eigentlich?
Manuel Mutter, 22.12.2015
Die sechs Gründer waren da von Klan-treuen Geschichtsschreibern längst zu "ehrenwerten" Patrioten verklärt worden, obwohl sie zeitlebens keine Reue zeigten. Wieso müssen die "Gründer" des KKK, akso die Leute die Ideen hatten sich aus Spaß zu verkleiden, Reue zeigen für Straftaten die andere begehen? Wenn sich Historiker einig sind, dass diese Leute nur Spaß haben wollten und keine Rassisten waren, dann müsste (selbst eine makabere Vorgehensweise) nicht dazu führen, dass man sich für Terror anderer die die Idee mussbrauchen veranworten muss. Erinnert mich an die ständige Aufforderung sich ständig zu distanzieren: Terroristen, die Allah schreien. Muslime, bitte Distanzieren! Breyvik, der Kinder tötet: Christen, distanzieren. Es gibt Straftäter und Terroristen. Da braucht es keine Distanzierung, wenn die Ideen aufgreifen, da braucht es die Staatsanwaltschaft, die Polizei, das Militär, Überwachung und Freiheitsstrafen im Gefängnis unddas Verbot der Vereinigung. Interessant im Übrigen, dass der NSU (offenbar unter dem Deckmantel des Verfassungschutzes oder von Polizeibehörden) einige Verbindungen zum KKK hatte. Wurde Kiesewetter deswegen erschossen, weil sie die Szene auffliegen zu lassen drohte? Könnte man in Ergänzung zu dem Artikel noch als Hinweis bringen, kam schließlich einmal in einer Dokumentation im öffentlich-rechtlichen Fernshen und kann nicht so falsch sein.
5. rassenhass...
Michael Klein, 22.12.2015
als seuche, sprich krankheit zu titulieren ist reiner bloedsinn. was wollen sie denn damit sagen? etwa die leute operieren um sie zu heilen? oder ist so etwas unheilbar?
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