Kultauto DMC DeLorean Zurück in die Gegenwart

Kultauto DMC DeLorean: Zurück in die Gegenwart Fotos
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Wirtschaftlich gesehen war der DMC DeLorean ein Flop, als Zeitmaschine in "Zurück in die Zukunft" erlangte der Sportwagen jedoch Kultstatus. Im August 2007 wurde begonnen, das Auto in kleinen Stückzahlen wieder zu bauen - mit zeitgemäßen Extras und stärkerem Motor. Von

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"Wenn man schon eine Zeitmaschine in einen Wagen einbaut, dann bitteschön mit Stil", sagt Dr. Emmett Brown in "Zurück in die Zukunft". Der Hollywood-Klassiker, in dem ein verrückter Wissenschaftler und sein junger Freund Marty mit einem Plutonium-betriebenen DMC DeLorean durch die Zeit rasen, hat den Sportwagen zu einem berühmtesten Autos der Filmgeschichte gemacht - und dafür gesorgt, dass sich knapp 25 Jahre nach Produktionsende überhaupt noch jemand an den silbernen Zweisitzer mit den markanten Flügeltüren erinnert.

Der Wagen mit der Typenbezeichnung DMC-12 ist so etwas wie der Apple Macintosh unter den Autos: eigenwillig im Design, nicht für den Mainstream konzipiert und der Philosophie des "think different" verpflichtet. Firmengründer John DeLorean wollte seinerzeit ein völlig neues Auto schaffen. Was sein ehemaliger Arbeitgeber General Motors (GM) in den siebziger und achtziger Jahren auf dem Markt brachte, erschien dem Manager fad bis mies. "Es gibt bei General Motors keine vorwärtsgewandte Antwort darauf, was die Leute heute wollen", hämte DeLorean.

Der gebürtige Detroiter, der vielleicht auch Chef des damals weltgrößten Autoherstellers hätte werden können, "feuerte GM" 1973 und beschloss, das Auto der Zukunft im Alleingang zu entwerfen. Am nötigen Selbstbewusstsein mangelte es dem hochgewachsenen Playboy nicht. Weil die Wall Street sein Projekt nicht mitfinanzieren wollte, sammelte der "Autoprinz" ("People"-Magazin) das notwendige Startkapital kurzerhand bei Entertainment-Stars wie Johnny Carson und Sammy Davis Jr. ein. Sein Werk baute die DeLorean Motor Company in der Nähe des nordirischen Belfast - und leierte der britischen Regierung für die strukturpolitische Maßnahme weitere Millionen aus dem Kreuz.

Edelstahl-Corpus, Plastik-Chassis

Ein völlig neues Auto wurde der DeLorean dann doch nicht. Aus Kostengründen kam der Sechs-Zylinder-Motor von Peugeot, Renault und Volvo, das Plastikchassis steuerte die Sportwagenschmiede Lotus bei. Dennoch war der ab 1981 produzierte Wagen zweifelsohne etwas Besonderes. Auffällig war neben den Flügeltüren (gullwing doors) vor allem die unlackierte Edelstahl-Karosserie.

Dummerweise verkaufte sich der Wagen nicht besonders gut. Das lag unter anderem daran, dass der DeLorean zwar wie ein Sportflitzer aussah, mit 132 PS jedoch arg untermotorisiert daherkam. Bereits Ende 1982 war nach nur rund 9000 Fahrzeugen Schluss. Als der Wagen dann 1985, ausgestattet mit Nuklearantrieb und Flux-Kompensator als Zeitmaschine im Kino auferstand, waren im DMC-Werk in Dunmurry längst die Lichter ausgegangen.

Weil John DeLorean ursprünglich den Verkauf von bis zu 30.000 Autos jährlich angepeilt hatte, gab es in Irland noch riesige Mengen an Autoteilen. Fast 15 Jahre nach der Pleite kaufte der Automechaniker Steve Wynne die komplette Insolvenzmasse und ließ alles nach Humble schaffen, einem Städtchen nordöstlich von Houston. Bei der DeLorean Motor Co. (Texas) lagern auf über 3700 Quadratmetern die Überreste des DMC-Projekts.

Alte Autos mit Updates

Rund 6000 DeLoreans fahren noch. "Wir verkaufen Teile und warten diese Autos", sagt Wynnes Marketingchef James Espey. "Aber es gibt auch Leute, die einen Neuwagen wollen. Die haben vor zwanzig Jahren als Teenager den Film gesehen und besitzen heute das nötige Kleingeld".

Die Texaner verkaufen jedes Jahr ein paar Autos aus dem Inventar, nochmals komplett durchgecheckt und sicherheitshalber mit einigen neuen Komponenten versehen. So haben etwa die alten DMC-Fensterheber eine Ausfallrate von hundert Prozent, deshalb werden sie bereits vor dem Verkauf ausgetauscht. Zudem möchten DeLorean-Fans Anno 2007 Extras wie Navigationssystem oder iPod-Anschluss. "Alles wird generalüberholt - das ist dann ein brandneues, 25 Jahre altes Auto", sagt Espey.

Die größte Unzulänglichkeit des DeLorean ist jedoch sein Motor. Das Aggregat gilt zwar als zuverlässig, einige haben bereits über 400.000 Kilometer auf dem Buckel. Aber wer will schon einen Flitzer mit 2,85-Liter-Motor, der nicht mehr PS besitzt als ein Golf? Die Amerikaner wollen das Problem lösen, indem sie dem alten PRV-Aggregat einen verbesserten Turbolader verpassen. "Dann sind wir bei 260 PS", behauptet Espey.

Derzeit werden die Motoren in Texas getestet, Anfang bis Mitte 2008 soll der aufgemotzte DeLorean auf den Markt kommen. Anders als sein Pendant aus "Zurück in die Zukunft" kann er immer noch nicht fliegen - aber zumindest ist er nicht in der Vergangenheit stecken geblieben.

Thomas Hillenbrand

Erschienen auf SPIEGEL ONLINE am 02.08.2007

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