Schräge Drehbuch-Drehs War der nicht tot?

Drogen, Gagenstreit, Langeweile: Es gibt viele Gründe, warum Schauspieler aus berühmten TV-Serien aussteigen. Beim Drehbuch heißt das: Jetzt ist Fantasie gefragt. Hier sind die kuriosesten Kniffe.

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Es ist eine der berühmtesten Duschszenen der TV-Geschichte. Dabei geschieht hier weder ein Mord, noch haben zwei Menschen Sex: Als Pamela "Pam" Ewing eines Morgens erwacht, hört die junge Witwe aus "Dallas" das Geräusch von laufendem Wasser. Neugierig schreitet sie ins Bad. Hinter der Glastür steht in der Dusche ihr vor Kurzem beerdigter Ex-Mann Bobby. Und lässt seelenruhig Wasser auf sich herabrieseln.

Als wäre nichts gewesen, dreht Bobby sich um, lächelt und sagt laut: "Guten Morgen!" Kamerazoom, hochemotionale Musik. Dann der Abspann. So endete 1986 die neunte Staffel der Serie "Dallas".

Es war ein unverhofftes Wiedersehen. Bobby-Darsteller Patrick Duffy gehörte seit 1978 zur Stammbesetzung der US-Soap und spielte den jüngsten Sohn des Ölmagnatenhauses Ewing, den strahlenden Gegenpart zum älteren Bruder J.R. (Larry Hagman). Während J.R. intrigierte, tobte und über Leichen ging, war Bobby brav, sensibel, rechtschaffen. Ein Held, gewiss - aber mit der Zeit eher langweilig.

"Ich hatte einen furchtbaren Traum"

Das meinte auch Patrick Duffy, als er 1985 dem ausführenden Produzenten Leonard Katzman erklärte, er wolle aussteigen und in Hollywood sein Glück versuchen. Die Entscheidung sei endgültig, man solle seine Figur sterben lassen. Und so fand Bobby Ewing am Ende der achten Staffel den Serientod - wie immer bei "Dallas" mit einem Paukenschlag: Bobby stürzte sich vor ein Auto, um seine Ex-Frau und Wiederverlobte Pam (Victoria Principal) zu retten.

"Der Tod von Bobby war ein typisches Patrick-Duffy-Geschäftsfiasko", sagte der Schauspieler 2014 der "Huffington Post". Seine Kinoambitionen wurden enttäuscht, die großen Rollen blieben aus. Zugleich machten "Dallas" fallende Quoten zu schaffen. Und so ließ sich der Sender CBS auf ein gewagtes Experiment ein: Bobby Ewing sollte zurückkommen.

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Nur blöd, dass in der Zwischenzeit 31 Folgen liefen. Pam hatte neu geheiratet, weitere Figuren waren weg. Eine Herausforderung für die Drehbuchautoren - die eine ziemlich platte Lösung fanden. Sie ließen Pam vor dem duschenden Bobby verkünden: "Ich hatte einen furchtbaren Traum." Bobbys Antwort: "Es ist vorbei. Nichts davon ist passiert."

Selbstverspottung mit kollektivem Duschen

Bis heute gilt die Duschszene als besonders groteskes Beispiel für die Rückführung verstorbener Serienfiguren. Allem Spott zum Trotz ließ die Wiederkehr von Patrick Duffy die Zuschauerzahlen steigen und sicherte "Dallas" fünf weitere Staffeln. Als die Serie 2012 fortgesetzt wurde, war Duffy als gealterter Bobby Ewing dabei. Man warb sogar mit einem Plakat, auf dem alle Schauspieler unter der Dusche standen. Überschrift: "Sie sind zurück - und nein, du träumst nicht."

Kuriose Kniffe ließen sich auch etliche andere Serienmacher einfallen, ihre zentralen Figuren starben oder verreisten für unbestimmte Zeit, zum Beispiel weil die Schauspieler das Weite suchten, gefeuert wurden - oder mit persönlichen Problemen zu kämpfen hatten. Ein häufiger Streitpunkt: Zoff um die Gage.

So musste Zuschauerliebling Suzanne Somers 1980 die Erfolgsserie "Herzbube mit zwei Damen" verlassen, weil sie mehr Geld gefordert hatte. Auch Maude Flanders von den Simpsons wurde im Jahr 2000 aus der Serie geschrieben, weil sich der Sender Fox nicht mit ihrer Sprecherin Maggie Roswell auf ein Honorar einigen konnte.

Verhaltensauffällig: Robert Downey Jr. und Charlie Sheen

Ebenso oft mussten Darsteller wegen Drogenproblemen entlassen werden. 2001 traf es Robert Downey Jr., der in der Serie "Ally McBeal" mit Hauptdarstellerin Calista Flockhart vor den Traualtar treten sollte. Wegen wiederholten Drogenkonsums war er festgenommen worden, seine Figur verschwand plötzlich aus der Serie.

Legendär ist auch die Entlassung von Charlie Sheen aus der erfolgreichen Sitcom "Two and a Half Men". Der drogensüchtige Schauspieler hatte 2011 mit häuslicher Gewalt und der Zerstörung eines New Yorker Hotelzimmers für Schlagzeilen gesorgt. Als er in einem Radiointerview den Serienerfinder Chuck Lorre beleidigte, zog CBS die Reißleine. Sheens Figur Charlie Harper stürzte in Paris vor eine U-Bahn. So erzählte es zumindest eine Serienfigur. Sheen selbst wurde gar nicht mehr ans Set gelassen.

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Zum großen Serienfinale ließen die Drehbuchautoren Charlie Harper sogar auferstehen - nur um ihn durch ein herunterfallendes Klavier nochmals zu töten. Weil Sheen zu dieser Zeit immer noch Studioverbot hatte, übernahm ein unbekannter Schauspieler die Rolle und wurde nur von hinten gezeigt.

Einen anderen Weg gingen 1998 die Drehbuchautoren der deutschen Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Als Schauspielerin Tina Bordihn nicht länger das Serienbiest Sonja Wiebe verkörpern wollte, verlangte RTL von den Drehbuchautoren eine Lösung, um die Antiheldin trotzdem in der Serie zu behalten. Also ließen sie Sonja Wiebe in einen Autounfall verwickeln.

Her mit dem neuen Hirn

Zwar konnte die Intrigantin aus dem brennenden Wagen gerettet werden, doch ihr Gesicht war so entstellt, dass sie sich einer Operation unterziehen musste. Als ihr Verband abgenommen wurde, blickte eine andere Schauspielerin in die Kamera: Nunmehr spielte Tokessa Martinius sieben Jahre lang das Biest - bis Sonja Wiebe bei einem Restaurantbrand ums Leben kam.

Die wohl schönste Parodie auf bizarre Drehbuchvolten schuf die US-Sitcom "Friends". Eine verschachtelte Episode: In "Friends" verkörperte Matt LeBlanc den mittellosen Schauspieler Joey Tribbiani, den eine Rolle in der Soap "Zeit der Sehnsucht" über Wasser hält, als Frauenheld Dr. Drake Ramoray. 1996 erlebte dieser Dr. Ramoray einen Quasi-Serientod - weil Joey zuvor in einem Interview geprahlt hatte, dass die Sprechtexte von ihm stammten.

Die Drehbuchschreiber rächten sich, indem sie Dr. Ramoray in einen Aufzugschacht fallen ließen. Pointe: Der einzige Chirurg, der ihn aus dem Koma hätte retten können, war er selber.

Fünf Jahre später jedoch tauchte Dr. Ramoray wieder auf: Ihm wurde das Gehirn einer verstorbenen Frau eingepflanzt. Mit weit aufgerissenen Augen trat der Arzt zur Tochter der Toten und rief: "Erkennst du deine eigene Mutter nicht mehr?"

Joeys Charakter war zwar fiktiv, doch die Seifenoper "Zeit der Sehnsucht" gibt es wirklich. Und sie hat eine bemerkenswerte Zahl an Auferstehungen vorzuweisen: 2004 fielen hier gleich neun wichtige Figuren einem Serienmörder zum Opfer. Als die Zuschauerzahlen schwanden, ließen die Macher alle Toten zurückkommen: Der Täter habe sie nicht ermordet, sondern auf eine tropische Insel entführt.

Verglichen damit wirkt sogar der Tote unter der Dusche gar nicht mehr so albern.

Welche Serienfigur wurde von zwei Schauspielerinnen verkörpert? Und an welchem Helden nahm ein Produzent perfide Rache? Sehen Sie die Antworten in der großen einestages-Bildergalerie.

insgesamt 24 Beiträge
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Henning Syberg, 05.04.2016
1. Ich weiß es nicht mehr 100%ig
aber war es nicht ein NASCAR-Rennen, bei dem Maude Flanders von der Tribüne geschossen wurde?
Dennis Kruse, 05.04.2016
2. Balko
Mein Highlight ist die Auferstehung von Balko, von Jochen Horst zum neuen Schauspieler (keine Ahnung wie der heißt)...der durfte sich einfach ein neues Gesicht aussuchen - und zur Auswahl stand sogar das Gesicht eines Hundes :-)
Christoph Thurner, 05.04.2016
3. M*a*s*h
Henry Blake was Lt Colonel, nicht Lieutnant.
Maya Uhde, 05.04.2016
4. Nichts geht über Mr. Spock
Die genialste Auferstehung erlebte meiner Meinung nach Mr. Spock vom Raumschiff Enterprise. Seinen Geist hat er kurz vor seinem Heldentod an Dr. McCoy übertragen - Vulkaniertrick. Sein Körper wurde im Weltraum bestattet kam aber zufällig zum Genesisprojekt, das von Kirks Sohn geleitet wurde. So wurde der tote Körper auf dem Genesisplaneten wieder lebendig und musste "nur" noch den Geist von Dr. McCoy zurück bekommen, was in einer komplizierten vulkanischen Zeremonie passierte. Und zack, war Mr. Spock wieder da für neue Abenteuer. Alles total glaubhaft :-)
Sonja Stenzel, 05.04.2016
5.
In der Liste fehlt Dr. Daniel Jackson, der in der Serie Stargate SG1 immer mal wieder von den Toten auferstanden ist; daraus haben die Macher einen selbstironischen running gag gemacht.
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