Leben und Sterben der Monika Ertl Ches bayerischer Racheengel

Leben und Sterben der Monika Ertl: Ches bayerischer Racheengel Fotos

Wer tötete Che Guevaras Mörder? Eine Münchnerin war es vermutlich, die 1971 in Hamburg blutige Rache für den "Commandante" nahm. Zwei Jahre später endete Monika Ertl wie ihr Idol - von Kugeln durchsiebt in Boliviens Dschungel. Verraten hatte sie wohl ein untergetauchter Nazi-Massenmörder. Von

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Er hatte immer damit gerechnet, war stets misstrauisch geblieben. Er hatte gespürt, dass er sogar in Deutschland nicht in Sicherheit sein würde - noch nicht einmal als Diplomat. Doch an diesem 1. April 1971 versagte sein Frühwarnsystem komplett.

Völlig arglos empfing Roberto Quintanilla Pereira, Boliviens Generalkonsul in Hamburg, an diesem Tag eine attraktive Blondine, die um eine Visa-Auskunft gebeten hatte. Unter einem Vorwand folgte die nervöse Besucherin ihm in sein Arbeitszimmer. Was dann geschah, ähnelte einer Hinrichtung: Plötzlich zog die junge Frau eine Pistole aus der Handtasche, feuerte dem Konsul aus kurzer Distanz dreimal in die Brust. Die Einschusslöcher markierten ein regelmäßiges Dreieck. Zufall? Oder stand es für "V" wie "Victory"? Die Polizei fand jedenfalls am Tatort einen Zettel, der schnell klar machte, dass Quintanilla aus politischen Motiven erschossen wurde: "Sieg oder Tod!" stand auf dem Papier - die Parole einer bolivianischen Guerilla-Gruppe.

Als die ersten Details durchsickerten, waren die Medien wie elektrisiert. Ein weltumspannendes Drama aus Hass, Liebe, Unterdrückung und Rache deutete sich an, das den Mord bis heute zum Mythos werden ließ. Denn die hübsche Täterin hatte angeblich niemand anderen als den legendären Revolutionär Che Guevara rächen wollen, einst selbst Opfer einer Hinrichtung. Für die deutschen Gazetten noch aufregender: Che Guevaras Racheengel sollte angeblich aus dem beschaulichen Oberbayern kommen.

Castros Fluch

Allein die ersten Sekunden nach der Tat warfen genügend Rätsel auf. Wie konnte die Mörderin entwischen? Obwohl sie mit Quintanillas Frau kämpfen musste, die sich ihr resolut entgegenstellte, obwohl sie dabei nicht nur wertvolle Zeit, sondern auch Pistole, Handtasche, Brille und Perücke verlor, obwohl Minuten später die Polizei alles abriegelte? Und was hatte der tote Konsul in Hamburg mit dem Revoluzzer Che Guevara zu tun?

Die Verbindung lag in der Vergangenheit, im fernen Bolivien. Denn Roberto Quintanilla war einst brutaler Geheimdienstchef in seinem Heimatland, verantwortlich für Folter und Hinrichtung etlicher linksextremer Untergrundkämpfer - darunter auch von Che Guevara. Seitdem lastete ein Fluch auf ihm: Guevaras Mitstreiter, der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro, wollte alle getötet sehen, die seinen Genossen auf dem Gewissen hatten. Quintanilla war dabei Anschlagsziel Nummer eins: Denn er hatte befohlen, dem toten Che Guevara noch die Hände abzuhacken - als grausigen Beweis für dessen Tod. Im fernen Hamburg hatte Quintanilla danach Zuflucht hinter der Fassade des ehrenwerten Diplomaten gesucht. Doch Castros Fluch war ihm bis an die Elbe gefolgt. Und zwar offenbar in Person der Deutschen Monika Ertl, aufgewachsen im biederen München-Harlaching.

Es klang zunächst zu abstrus, um wahr zu sein: Monika Ertl war die Tochter von Hans Ertl, eines begnadeten Bergsteigers und genialen Kameramanns, der einst mit Leni Riefenstahl für Hitler "Olympia"-Filme drehte - und mit ihr eine leidenschaftliche Affäre hatte. Im Zweiten Weltkrieg hatte er der NS-Wochenschau von allen Fronten Bilder für ihre Durchhaltepropaganda geliefert. Selbst wenn man Hans Ertl glaubt, dass er nur ein Filmbesessener und naiver Mitläufer gewesen sei - eines war er auf keinen Fall: ein radikaler Linker. Und seine Tochter sollte eine linke Guerilla-Aktivistin sein?

"Sie schoss wie ein Kerl"

Monika Ertl wuchs zunächst in der bürgerlichen Behaglichkeit des Nachkriegsdeutschlands auf - bis ihr impulsiver Vater Hans 1954 aus Zorn über einen verpassten Bundesfilmpreis für eine Dokumentation am Nanga-Parbat der Bundesrepublik den Rücken kehrte und nach Bolivien auswanderte. Hunderte Kilometer von der Hauptstadt La Paz entfernt züchtete er nun im schwülen Tiefland Rinder und erwarb eine Farm. Besucher wurden von deutschen Schäferhunden begrüßt und von dem Schild "Freistaat Bayern".

Monika war Hans Ertls Lieblingstochter. Ihr traute er von seinen Töchtern am ehesten zu, in seine professionellen Fußstapfen zu treten. "Mockel", nannte er sie zärtlich - obwohl sie hart im Nehmen war: "Für mich war Monika das Menschenkind, das mir den Jungen ersetzte", sagte Ertl einmal. "Sie war ein halber Junge." Für zwei Filmdokumentationen stürmte "Mockel" mit ihrem Vater auf eisige Gipfel, kroch durch den Urwald, fing Giftschlangen, sammelte sie in Glasbehältern oder brutzelte frisch gefangene Piranhas in der Pfanne. Sie schoss "wie in Kerl", prahlte der Vater stolz. Er konnte nicht wissen, wofür sie ihr Können einmal einsetzen würde.

Irgendwann kam der Bruch mit dem Vater. Über die Gründe lässt sich bis heute trefflich spekulieren. Der Journalist Jürgen Schreiber hat in seinem Buch ("Sie starb wie Che Guevara") den Fall Monika Ertl akribisch recherchiert, Akten gewälzt und vergessene Zeitzeugen aufgetrieben. Doch die plötzliche Kluft zum Vater kann auch er nur als Psychologe deuten. Er glaubt, dass Monika Mut und Radikalität von ihrem Vater erbte - dass sie sich aber gleichzeitig von dessen NS-Vergangenheit emanzipieren wollte: "Hitler war der bedrohliche Schatten, der zwischen ihnen stand und ihr Verhältnis zunehmend verdunkelte", meint ihr Biograf Schreiber. Hin- und hergerissen "zwischen autoritärer Erziehung und antiautoritärem Zeitgeist" habe sie sich von ihrer Familie entfremdet. Sie störte, was dem Vater gleichgültig war: soziale Gegensätze, geschundene Bergarbeiter, verarmte Bauern, unterdrückte Indios.

"Christus mit Gewehr - gekreuzigt durch Kugeln"

1969 entschied sich Hans Ertls katholisch erzogenes Lieblingskind für den denkbar radikalsten Bruch: Sie ließ sich scheiden, kappte alle Verbindungen zur bolivianischen Oberschicht, in die sie eingeheiratet hatte - und schloss sich der Guerilla-Organisation ELN an. Für die hatte einst ihr Idol Che Guevara gekämpft. Jetzt verliebte sich Monika ausgerechnet in seinen Nachfolger, Inti Peredo. Als Zeichen ihrer neuen Identität nannte sie sich fortan Imilla, das Indianermädchen. Wenn sie ihrem Vater auf seiner urdeutschen Farm begegnete, kam es meist zum Streit. Hans Ertl fand die sozialen Probleme nicht so schlimm, als "dass man Guerillero-Rabatz machen" müsse. "Was wollt ihr denn im Urwald, wollt ihr Brüllaffen bekehren zum Maoismus oder sonst zu einem Ismus?", fragte er zynisch. "Ihr müsst in die Slums gehen, wenn ihr was machen wollt."

Doch so sehr der Vater auch bangte, bebte, bettelte - sein "Mockel" hatte er für immer verloren. Sie war nun Imilla, eine Revolutionärin, von der es hieß, dass sie "nie Angst" habe. Von nun an würde sie den autoritären Staat mit Gewalt bekämpfen, zu dem ihr Vater eine gewisse Nähe pflegte. Sie würde sich vor dem Staatspräsidenten verstecken müssen, dem ihr Vater einmal seine teure Seiko-Uhr vermachte. Sie verübte Anschläge, wurde zur Gejagten - spätestens, nachdem sie für einen Banküberfall stümperhaft ausgerechnet ihren eigenen, auffälligen Chevrolet benutzte.

Von Beginn an stand Monika Ertl alias Imilla auf verlorenem Posten: Immer mehr drückte das Militär die ELN 1969 in die Defensive, ein Guerillero nach dem anderen fiel den Gegenschlägen der Staatsmacht zum Opfer. Auch Guevaras Nachfolger Inti Peredo wurde ermordet - in einer der wenigen Nächte, die er nicht bei seiner geliebten Monika verbrachte. Einen "Christus mit Gewehr, gekreuzigt durch Kugeln", nannte die trauernde Monika ihren erschossenen Liebhaber. Und sie musste auch noch dieses Foto ertragen: Neben Peredos Leiche posierte triumphierend und mit Zigarette ein Mann, den Monika Ertl hassen lernte: Roberto Quintanilla.

Mörderische Poesie

In ihren Phantasien malte sie sich dessen Tod aus, brachte die Rachegelüste im Sommer 1970 gar in Prosaform zu Papier.

"Quintanilla, Quintanilla....,

Du wirst in Deinen Nächten keinen Frieden mehr finden...

Du raubtest Inti das Leben

Und du meintest das ganze Volk."

Nur wenige Monate danach wurde Quintanilla mit drei Schüssen exekutiert: Ein Bolivianer in Deutschland von einer Deutschen aus Bolivien. Damit gelang der schon am Boden darbenden ELN ein unerwarteter Coup, der ihren fast schon vergessenen Kampf aus dem Dschungel ins Herz von Europa und auf die Titelseiten der Zeitungen katapultierte.

Alleine kann Monika Ertl das Attentat nicht geplant haben, obwohl sie zuvor mehrmals nach Deutschland reiste. Bekam sie Hilfe von deutschen Linken? Versteckte sie sich gar in der Höhle des Löwen, nur ein Stockwerk oberhalb des Tatorts - in einer Kommune, die die Polizei seltsamerweise nicht überprüfte? Fest steht nur, dass sie die Tatwaffe von dem italienischen Millionär und linken Verleger Giangiacomo Feltrinelli bekam - einem Genossen im Geiste, der sich 1972 versehentlich mit Dynamit selbst in die Luft sprengte. Fest steht auch, dass Monika Ertl über verschlungene Wege wieder nach Bolivien zurückkehrte - als "Staatsfeind Nr. 1" schon auf allen Fahndungslisten gesucht.

Tödlicher Verrat eines Familienfreundes

Ihr gebrochener Vater starrte im Sommer 1971 fassungslos auf das grob gerasterte Bild seiner Tochter, für die ein Kopfgeld von 20.000 Dollar ausgeschrieben war. Sogar für Che Guevara waren nur 4200 Dollar ausgesetzt worden. Nur zu gut wusste Hans Ertl, dass dies in einem bettelarmen Land wie Bolivien ein sicheres Todesurteil für seine Tochter sein würde.

Nicht wissen konnte er allerdings, dass Monika wohl von einem alten Freund der Familie ans Messer geliefert werden würde: Klaus Altmann. Er konnte nicht wissen, dass dieser Klaus Altmann in Wirklichkeit Klaus Barbie hieß und im Zweiten Weltkrieg Gestapo-Chef im besetzten Frankreich gewesen war, berüchtigt und gefürchtet als sadistischer "Schlächter von Lyon". Und er konnte nicht wissen, dass Monika dem in Bolivien untergetauchten NS-Kriegsverbrecher auf die Schliche gekommen war und ihn entführen wollte - dabei aber scheiterte und so selbst ins Visier Barbies geriet, dessen Erfahrung bei der Partisanenbekämpfung ihn zum geschätzten Berater und Ehren-Oberst der bolivianischen Sicherheitsdienste in Bolivien gemacht hatten.

Im Mai 1973 wurde Monika Ertl in Bolivien in einen Hinterhalt gelockt und erschossen. Ihr Leichnam wurde fotografiert und dann irgendwo verscharrt. In Deutschland wurden die Polizeiakten geschlossen, Monika Ertl bleibt trotz aller Indizien bis heute nur eine mutmaßliche Mörderin. Und eine Ermordete ohne Grab - die Angehörigen erfuhren nie, wo Che Guevaras Racheengel vergraben wurde.

Zum Weiterlesen:

Jürgen Schreiber: "Sie starb wie Che Guevara

Die Geschichte der Monika Ertl". Artemis & Winkler Verlag,

Februar 2009, 287 Seiten.

Das Buch erhalten Sie im SPIEGEL-Shop.

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1.
Robert Grellmann 20.04.2009
In Bild 8 der Fotostrecke heißt es: "Hans Ertl: Der deutsche Regisseur und Kameramann im März 1999 in San Javier (Bolivien) mit einem Foto, das ihn in einer Nazi-Uniform zeigt." Das Foto ist sehr klein, aber für mich sieht das nach einer Wehrmachtsuniform, nicht nach einer Nazi-Uniform (SA, SS) aus. Gerade in der Redaktion von "einestages" sollte doch bekannt sein, daß, auch wenn viele Wehrmachtsangehörige NSDAP-Mitglieder waren und umgekehrt, diese keinesfalls gleichzusetzen sind. Ebenso in der Beschreibung von Bild 13: "Kriegseinsatz: Hans Ertl (l.) während des Zweiten Weltkriegs mit einer Gruppe NS-Offiziere und Erwin Rommel (vorne rechts) in der Sahara." Auch hier ist es schlecht zu erkennen, aber der Verdacht liegt Nahe, daß auf dem Bild Wehrmachts-Offiziere zu sehen sind. Ob die Personen auch gleichzeitig NSDAP-Funktionäre waren, wäre zu überprüfen. Diese undifferenzierte Gleichsetzung von Wehrmachtsangehörigen und Nazis ist eines Artikels aus "einestages" unwürdig.
2.
Heinz Hulden 21.04.2009
Als Exportleiter amerikanischer Firmen war ich in den 50er und 60er Jahren oefter in Bolivien und habe dort mit unseren lokalen Vertretern Eisenwarengeschaefte besucht. 1971 oder 1972 wartete ich mit unserem juedischen Vertreter, mit dem ich auch befreundet war, im Lokal der Firma Sickinger, damals groesste Eisenwarenhandlung des Landes, auf ein Gespraech mit dem Inhaber. Mein juedischer Freund Helmut deutete auf einen Mann mit Lodenmantel, grauen Halbschuhen und Aktentasche, also typisch deutsch, der mit dem Kassierer verhandelte, und sagte:"Das ist der Klaus Altmann." Der Name sagte mir damals nichts, und Helmut fuhr fort:"Das ist der Henker von Lyon, Klaus Barbie!" Von dem hatte ich gehoert, und auf meine Frage, was der denn hier mache, und warum er nicht nach Frankreich ausgeliefert wuerde, erhielt ich die Antwort:"Altmann ist Angestellter einer Bank, er zieht Wechsel ein. Weil er in Bolivien nichts angestellt hat, kann er nicht ausgeliefert werden.." 1983 wurde er dann doch ausgeliefert, und auch damals war zu lesen, er habe sich versteckt, man haette ihn lange gesucht und erst jetzt gefunden. Mir ist schleierhaft, wieso israelische, franzoesische und deutsche Aemter den Mann nicht finden konnten, wenn ich als zufaelliger Geschaeftsbesucher von einem juedischen Freund an einem oeffentlichen Ort auf ihn aufmerksam gemacht werde! Irgendwer hat da doch manipuliert, oder? Heinz Hulden
3.
Chris Baudissin 21.04.2009
Also, dass mit Barbie frei laufend hat folgenden Hintergrund. Er wurde über die sogen. "Ratten-Linie" ungefähr 1949 nach Südamerika gebracht. In Bolivien war er zunächst Kaufmann, aber auch Ausbilder der Geheimpolizei diverser Diktatoren, insbesondere General Banzer, der den Deutschen besonders schätzte. Barbie verstand ja viel von dem schrecklichen Handwerk des Verhörens und Folterns. Im Zuge des Kampfes gegen den (vermeintlichen) Iinternationalen Kommunismus duldeten westliche Länder wie USA, Frankreich und vermutlich auch Israel, dass er da herum lief. ZUMAL, und das darf man nicht vergessen, Beate Klarsfeld ihn erst 1971 öffentlich enttarnte in Ld Paz und dafür sofort des Landes veriwesen wurde. Danach stand er unter Schutz Banzers, der sagte, sie hätten keinen "Barbie" im Lande, sondern nur den bolivianischen Staatsbürger namens Altmann! Und den würden sie selsbtverständlich nicht ausliefern. Israel hatte sich duch die Entführtung Eichmanns ziemliche Kritik eingefahren, im traditionell anti-jüdischen Lateinamerika (sogar Hugo Chavez spielt heute auf dieser Klaviatur !) und fand Barbie wohl nicht so wichtig. War ja auch ein kleiner Fisch im Vergleich zu Eichmann und Bormann, den man immer noch suchte. Hinsichtlich der Nazi-Uniform ist zu sagen: Ertl war Leutnant der Wehrmacht und trug Wehrmachtuniform. Es gab gar keine "Nazi-Uniform", nur Uniformen ... der Wehrmacht, der SS, der Feuerwehr, Polizei etc. Die Leute, die sie trugen waren aber alle in der Funktion von Soldaten, Feuerwehrleuten etc des Nazi-Regimes zugange. So ist es zwar einerseits schlampig geschrieben, wenn von Nazi-Uniform die Rede ist (wie einige andere Fehler in diesem Artikel auch), andererseits natürlich zutreffend im weiteren Sinne. Sie waren ja Soldaten und SS und was weiß ich, ohne die das Nazi-Reich ja nicht auskam. Aber Ertl war meines Erachtens nicht NSDAP-Mitglied, aber ich bin mir nicht 100% sicher, den das Parteiabzeichen durfte nicht an der Wehrmachtsuniform getragen werden.
4.
Heinz Hulden 22.04.2009
Das Argument "antijuedisches Lateinamerika" nehme ich als Verallgemeinerung nicht ab. Es gab zwei grosse deutsche Einwanderungswellen in Bolivien: Ende der 30er kamen deutsche Juden, u nd nach 1945 die deutschen Nazis.Beide Gruppen haben sich offensichtlich arrangiert. Mein juedischer Freund Helmut erzaehlte mir auch, dass der ehem. Nazi-Ortsgruppenleiter beim Begraebnis des juedischen Rabbis erschienen sei. Kann auch umgekehrt gewesen sein, es ist lange her, aber mir schien damals dass sich beide Seiten einen akzeptablen Status Quo auf gegenseitiger Respektierung erarbeitet hatten. Als Deutscher mit Schuldkomplex empfand ich das als richtig. Man sollte die Nazi-Verbrechen nicht vergessen, aber wichtig ist, dass die naechsten Generationen ohne Komplexe zur Verbesserung dieser Welt beitragen koennen
5.
Juan Walterspiel MD 02.05.2009
Ich wuchs in La Paz auf. Herr "Altman" war unser Nachtbar. Mein Vater, der in Freiburg gegen die NSDAP demonstriert hat, gruesste ihn nicht und erklaerte mir erst spaeter warum. Altman's Vergangenheit und Expertenarbeit fuer die jeweils wechselnden Bolivianischen Regierungen waren kein Geheimniss. Ich erinnere mich an eine Fuehrung durch eine blutverschmierte echte ? oder gestellte ? Folterkammer in unserer Nachbarschaft die nach einer der "Revoluciones" stattfand. Er arbeitete vermutlich in Sachen Antikommunismus fuer den CIA.. La Paz war damals voll mit amerikanischen "Advisors", und auf dem Schulweg passierten wir Bilder von Priestern die Castro erschiessen liess. Dieser Arbeitgeber schuetzte ihn vermutlich auch vor Israel. Es ist erstaunlich, dass erst Beate Klarsfeld's Intervention ihn nach Frankreich brachte, wo er schnell verstarb. Da er in Lyon die Doppelagenten der Resistance fuehrte war er in franzoesischer Gewahrsam keine Gefahr mehr fuer die Geschichtsschreibung. Vom menschlichen her, sollte das armseliges Bild von ihm, frierend und in Los Altos in eine Decke gehuellt in Ihre Sammlung aufgenommen werden. Sowie auch Monika Ertl ging sein Sohn in unsere Deutsche Auslandsschule Mariscal Braun. Der Sohn ist spaeter bei einem Drachensegelunglueck tragisch ums Leben gekommen. Monikas Vater, Herr Ertl machte Nahaufnahmen von tropishen Pflanzen in seinem Garten in La Paz. Rommel und die Ertl Fotos wurden bewundert. Er fuhr einen der ersten "Personen" VW Busse in La Paz. Seine Frau starb an Brustkrebs. Die deutsche Kolonie bestand aus mehreren Hanseaten und Monika hatte sicher Schulkameraden mit Verbindungen zur Alster. Da "Ihre" Peruecke noch vorhanden ist, sollte die Taeterfrage mit einer DNA Analyse geklaert werden. Das ist die Deutsche Justiz Frau Ertl schuldig. Sensationsjournalismus wie " Che's Racheengel beim Stricken" ist schlechter Geschmack und zumindest im heutigen Deutschland, ist niemand mehr schuldig ohne ein offizielles Urteil. Wie Herr Hulden beschreibt, arrangierten sich die beiden Gruppen ( Ca 20.000 Deutschen Juden, in Bolivien, von den USA die Einreise verwehrt, und die Gruppe zu denen Herr Altman gehoerte), so recht und schlecht. Die ex-Funktionaere des Reiches waren nur eine kleine und "stille" Minderheit. Wiedersprueche waren haeufig, und ich erinnere mich an einen aelteren Herrn, der Stolz auf seine Auszeichnung vom I. Weltkrieg pochte, und nie verstand, dass "sein Land", wie er sagte, ihn ausstossen konnte, nur weil er Jude war. Auf dem Deutschen Friedhof befanden sich Graeber, die Grabsteine mit militaerischen Auszeichnungen, die die dazugehoerigen Hackenkreuze zeigten. Gleich daneben ( wenn auch nicht oft ) liessen sich auch deutsche Juden begraben. Man hatte die gleiche Sprache und Kultur, Paul Celan war "in" und mein Vater fuehrte einen lebendigen Diskussionskreis. Die unglaublichen Geschehnisse und der Inhalt der Albtraeume konnten bei den Erwachsenen offenbar kurz in den Hintergrund treten. Mein Vater attestierte in "Wiedergut"machungsfragen und wurde einmal auch nach Berlin gerufen. Suedamerika war und ist deutschfreundlich. Dies beruht z.Teil auf den Leistungen die Auslandsdeutsche vieler Generationen dort hinterlassen haben. Die Bolivianische Luftline heisst immer noch " Lloyd Aereo Boliviano" Suedamerikarner sind Juden gegenueber neutral. Der heutige Staat Israel darf nicht mit Judentum verwechselt werden. "Judentum ", wenn so etwas ueberhaupt definiert werden kann, ist die Grundlage unserer westluchen Ethik. Jesus war ein Jude. Leider ist ueber das Reichtum und die Differenzietheit des juedischen Denkens wenig bekannt. Vermutlich, weil Juden nicht zu denen gehoerten, die daran gingen den Rest der Welt mit dem Schwert, und in alleinseligmachender-weise zu bekehren.
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