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Legendäre Aprilscherze Wo Jumbos unter Brücken fliegen

Legendäre Aprilscherze: Wo Jumbos unter Brücken fliegen Fotos
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Ein Burger für Linkshänder, Spaghetti, die auf Bäumen wachsen und Jumbos auf Augenhöhe: Unglaublich, auf welchen Schwachsinn wir am 1. April schon reingefallen sind. Wenn es allerdings um die Steuererklärung geht, hört bei den meisten der Spaß auf. Von Wiebke Nieland

Schwachsinn pur: Am 1. April 1957 beglückte die BBC ihre Zuschauer mit einer frohen Botschaft: Schweizer Bauern, so lautete die Nachricht, könnten nun "dank eines milden Winters und der Ausrottung des gefürchteten Spaghetti-Käfers" eine reiche Spaghetti-Ernte einfahren. Unzählige Engländer schauten an diesem Abend zuhause vorm Fernseher gebannt zu, wie Schweizer Bauern bündelweise Spaghetti-Stangen von den Bäumen pflückten. Es sei auf die harte Arbeit mehrerer Generationen zurückzuführen, berichtete der Sprecher, dass die Spaghetti zur Erntezeit alle dieselbe Länge hätten.

Wenige Minuten nach dem Beitrag brach die Telefonzentrale des TV-Senders fast zusammen. Viele Briten wollten wissen, wie man zuhause im Garten selbst einen Spaghetti-Baum züchtet. Sehr diplomatisch riet die BBC ihren Zuschauern, es mit einer Packung Spaghetti zu versuchen, diese in eine Dose Tomatensauce zu stellen und auf das Beste zu hoffen.

Die Spaghetti-Ernte in der Schweiz ist der Klassiker unter den Aprilwitzen. Zum ersten Mal in der Geschichte machte ein Nachrichtenmedium in einer Sendung einen Aprilscherz - und das nach 12 Uhr mittags, der traditionellen englischen Zeitgrenze für April-Schabernacks. Viele Briten waren gleich doppelt erbost und stellten die ehrwürdige Instanz der British Broadcasting Coorperation in Frage. Noch lange Zeit später mussten die Redakteure der Sendung ihre Landsleute darüber aufklären, dass die damals recht exotische Spezialität Spaghetti tatsächlich in Italien produziert wurde und nicht auf Bäumen wachse.

Aprilfische

Seit wann es Aprilscherze gibt, ist nicht genau zu sagen. Man pflegt sie in Westeuropa genauso wie in Amerika und Indien. Überall dort legen sich am 1. April Mitmenschen mit erfundenen oder verfälschten Geschichten rein. Warum dies so ist, dafür gibt es zahlreiche Erklärversuche: Bibeltreue Witzbolde sehen den Ursprung schon bei Jesus, als dieser von Pontius nach Pilatus geschickt wurde - und sich so zum Narren machte.

Glaubhafter erscheint die Geschichte, wonach der Wechsel vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender 1564 für allerlei Verwirrung sorgte. Damals feierte man den Beginn des neuen Jahres eine Woche lang vom 25. März bis 2. April. Der französische König Karl IX. legte den Jahresanfang jedoch vom 1. April auf den 1. Januar. Menschen, die den Jahresanfang nicht am 1. Januar sondern weiterhin Ende März feierten, wurden in den folgenden Jahren mit großem Spott bedacht.

In Frankreich und Italien heißen diejenige, die auf Aprilscherze reinfallen, übrigens "Aprilfische". Um dieser Bezeichnung gerecht zu werden, versuchen die Franzosen am 1. April anderen Menschen einen Papierfisch auf den Rücken zu kleben. In Deutschland schickt man dagegen jemanden "in den April". Diese Redensart wurde erstmals 1618 aus Bayern überliefert.

Nylonstrümpfe bringen Farbe in den Fernseher

Wie in Süddeutschland müssen auch in Skandinavien immer wieder Leichtgläubige leiden. 1962 gab es in Schweden nur einen einzigen Fernsehkanal und der sendete in Schwarzweiß. Am 1. April erschien der Technikexperte Kjell Stensson in der Nachrichtensendung und verkündete, dass dank einer neuer Technologie nun jeder Fernseher zu einem Farbfernseher umgerüstet werden könne.

Die Zuschauer sollten dazu einen Nylonstrumpf über ihre Mattscheibe ziehen. Das Bild könne allerdings nur in Farbe sehen, wer in der richtigen Entfernung und im richtigen Winkel vor dem Fernseher säße, erklärte Stensson. Hierfür sei es außerdem notwenig, den Kopf vorsichtig vorwärts und rückswärts zu bewegen, um das volle Farbspektrum wahrzunehmen.

Tausende Schwedinnen opferten ihre Strumpfhosen - doch das Fernsehbild blieb schwarzweiß. Erst vier Jahre später strahlte der Fernsehsender SVT tatsächlich seine Sendungen in Farbe aus. Andere Sender zogen am 1. April 1970 nach - und diesmal war kein Aprilscherz.

Von derben Scherzen in aller Öffentlichkeit blieben auch Nordamerikaner nicht verschont.

Burger für Linkshänder

Im April 1998 erschien im Newsletter der "News Mexicans for Science and Reason" die Meldung, dass der christliche Staat Alabama die mathematische Zahl Pi von 3,14159 auf den "biblischen Wert von 3,0" abgerundet hätte.

Im gleichen Jahr warb die Fastfoodkette Burger King in einer ganzseitigen Anzeige damit, dass sie einen "Linkshänder-Whopper" kreiert hätte - für die 32 Millionen linkshändigen Amerikaner. Der neue Burger enthalte weiterhin Salat, Tomaten und Frikadelle, allerdings seien alle Zutaten zugunsten der Linkshänder um 180 Grad gedreht.

Obwohl Burger King am nächsten Tag eine neue Anzeige schaltete und damit erklärte, dass alles nur Spaß gewesen sei, versuchten Tausende Amerikaner, die neuen Sandwiches zu bestellen - oder verlangten nach der alten "Rechtshänder-Version".

Deutsche Spezialität: Technik-Scherze

Die Deutschen wiederum sind seit jeher an spektakulären Meldungen aus Technik und Weltall interessieren. Seit den achtziger Jahren ist der vorgegaukelte Meteoriteneinschlag ein Dauerbrenner, vor allem bei lokalen Radiosendern. Ein netter Versuch, der heute allerdings kaum noch jemanden bewegt, vor die Tür zu gehen, um sich ein ausgehobenes Erdloch anzuschauen.

Erfolgreicher war 1984 dagegen die Meldung, Forscher hätten ein neues Gerät entwickelt, mit dem sich herkömmliche Plattenspieler zu CD-Playern umbauen ließen.

Nachdem 1983 schon der Südwestrundfunk gemeldet hatte, dass es nun einen Instant-Wein gebe - ein badischer Albtraum - versuchte sich im vergangenen Jahr auch das Öffentliche-Rechtliche Fernsehen mit einem Aprilscherz: Die Erkennungsmelodie der Tagesschau werde künftig nicht mehr jeden Abend live von einem Orchester gespielt. Lediglich der Gong werde weiterhin von Hand geschlagen.

Als leere Drohung erwies sich vor zwei Jahren auch der Aprilscherz von Thomas Gottschalk, er wolle fortan nicht mehr "Wetten, dass?" moderieren. An den deutschen Urängsten rütteln konnte aber nur der Chaos Computer Club. Er meldete 2007, dass in der ELSTER-Software ein Bundestrojaner gefunden worden sei, der private Daten ans Bundeskriminalamt sende. Die ELSTER-Software hilft Deutschen, ihre Steuererklärung zuhause am Computer auszufüllen.

Die Spaßvögel Europas

Kein Volk der Erde scheint jedoch soviel Energie in den "April Fool's Day" zu stecken und unsinnige Berichte auszuspinnen wie die Briten. Erst zwei Jahrzehnte nach der Schweizer Spaghetti-Ernte knüpfte die britische Zeitung "The Guardian" an den großen Erfolg der BBC an, als sie am 1. April 1977 ein siebenseitiges Sonderheft über die neu entdeckte Inselrepublik San Serriffe im Indischen Ozean herausbrachte. Beigefügt waren haufenweise Karten und Daten über die Einwohner und Beschaffenheit der Inseln. Die Inselgruppe sei wie ein Semikolon geformt, die Hauptstadt (englisch "capital") heiße Bodoni und ein gewisser General Pica würde die Insel regieren.

Nur wenige Leser bemerkten, dass alle Wörter der Drucker-Layouter-Sprache entstammten. Der Rest war kurz davor, seinen Urlaub umzubuchen und nach San Serriffe zu fliegen.

In einer vorherigen Version dieses Artikels wurde der schwedische Fernsehsender mit STV abgekürzt. Richtig heißt es aber SVT, was für "Sveriges Television" steht.

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