Verschwundener NS-Film Letzte Bilder vor der Deportation

Verschwundener NS-Film: Letzte Bilder vor der Deportation Fotos
PD

Fotografiert, gefilmt, verschleppt: Im April 1942 wurde Leopold Müller von den Nazis nach Polen deportiert - danach verlor sich seine Spur. Sieben Jahrzehnte später bittet sein Großneffe einestages um Hilfe - und hofft, letzte, bislang verschollene Filmaufnahmen seines Verwandten zu finden.

  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare
  • Zur Startseite
    4.3 (14 Bewertungen)

Die letzte, traurige Gewissheit, die Eric Leigh Muller über seinen Großonkel Leopold Müller hat, ist dieses Datum: 25. April 1942. An diesem Tag deportierten die Nazis Leopold Müller, genannt Leo, mit seiner Frau Irene von Würzburg nach Polen. Danach verliert sich die Spur des Kaufmanns aus Bad Kissingen. Nur eines ist klar: Er und seine Frau überlebten den Krieg nicht.

Sieben Jahrzehnte nach der Deportation sucht Eric Muller, gebürtiger Amerikaner aus North Carolina, nach mehr Informationen zu seinem Großonkel Leo - und hofft dabei auch auf die Hilfe von einestages-Lesern.

"Die Nazis haben die Deportation aus Nürnberg gut dokumentiert", erklärt der 50-Jährige. Ein Fotograf habe Aufnahmen gemacht, einige der Bilder seien nach dem Krieg wieder aufgetaucht. Auf einem der Fotos sieht man auch eine professionelle Filmkamera. Muller hat recherchiert, dass der Nürnberger Filmemacher Richard Nickel die Deportation in Würzburg gefilmt hat. Nickel war einer der Kameraleute in Leni Riefenstahls "Triumph des Willens".

Nur: Wo ist dieser Film? Bis heute ist er verschwunden. "Vielleicht wurde er zerstört, um die Spuren der Deportation zu vertuschen", sagt Eric Muller, "doch vielleicht liegt eine Kopie des Films irgendwo in einem Schrank oder in einem alten Koffer, der über die Jahre nie geöffnet wurde."

Haben Sie Informationen zu diesem Film, der am 25. April 1942 gedreht wurde und auf dem womöglich auch Leo Müller ein letztes Mal zu sehen ist? Oder wissen Sie allgemein mehr über die Umstände der Deportation? Dann schreiben Sie uns oder kontaktieren Sie direkt Eric Muller unter der Adresse filmsuche@ericmuller.org.

In diesem Video erzählt er ausführlich die Geschichte seiner Suche:

Seine Eltern, sagt Eric Muller bewegt, hätten ihm zur Erinnerung an Leo den Zweitnamen Leigh gegeben. "Ich möchte diesen Verwandten, dessen Namen ich trage, ein bisschen besser kennen."

cgu

Artikel bewerten
4.3 (14 Bewertungen)
Mehr zum Thema
Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Mathias Völlinger 03.06.2013
Ich muss wirklich sagen, "einestages" ist eine klasse Rubrik von SPON! Hoffentlich gibts eine Lösung für das hier dargestellte Gesuch. Es wäre ja nicht das erste Mal.
2.
Jan Skalski 03.06.2013
Nach welchen Polen ? Polen ab es im Jahr 1942 nicht. Die Vorkriegs westlichen polnischen Gebiete wurden germanisiert, in dem die Polen vertrieben und die Deutschen angesiedelt wurden (die dann später zurückkehren mussten und sich dann als Vertriebenen beklagten). In restlichen polnischen Gebieten regierten entweder die Deutschen oder die verbündeten Sowjets/Russen. Polen gab es damals nicht und gar keine ?polnischen? Konzentrationslager.
3.
Jens Rohrer 25.06.2013
Was die Deportation und den Tod angeht scheint es bekannt zu sein wohin er gebracht wurde. "Am 24. April 1942 wurde Leopold Müller mit seiner Frau Irene und 21 weiteren jüdischen Kissinger Bürgern nach Würzburg gebracht und einen Tag später ins Ghetto Izbica bei Lublin deportiert. Sein Leben endete in Krasnystaw (Ghetto Krasniczyn)." Quelle: http://www.badkissingen.de/de/tourismus-kurort-bayern/kultur/veranstaltungen/bad-kissinger-stolpersteine/liste/biographien/16840.LEOPOLD_MUeLLER_-_Textilkaufmann_Untere_Marktstrasse_.html In Bad Kissingen ist auch ein Stolperstein für ihn angebracht worden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen