Interaktive Grafik zum Kriegsende Tod aus der Luft

Millionen Bomben warfen die Alliierten im Zweiten Weltkrieg auf deutsche Städte ab. Die interaktive Karte dokumentiert bedeutende Luftangriffe bis zur deutschen Kapitulation.

In Trümmern: Der Reichstag in Berlin im Mai 1945
Corbis

In Trümmern: Der Reichstag in Berlin im Mai 1945

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"Wir bomben Deutschland, eine Stadt nach der anderen", prophezeite Arthur Harris 1942 den Deutschen. 234 Bomber sandte der Befehlshaber des Bomber Commands der britischen Royal Air Force gegen Lübeck aus. In der Nacht zum 29. März 1942 verwandelten sie die Stadt in eine Trümmerwüste. Knapp zwei Monate später attackierten gleich mehr als 1000 Flugzeuge Köln.

Hamburg, Berlin, München, Bremen, Stuttgart - kaum eine deutsche Großstadt, die im Zweiten Weltkrieg nicht zum Ziel britischer und amerikanischer Bomberflotten wurde. Der schwerste Angriff galt Dortmund. Mehr als 4800 Tonnen Bomben trafen die Stadt am 12. März 1945. Am Vortag hatten rund 4700 Tonnen bereits Essen endgültig zerstört.

Die Nationalsozialisten hatten den Luftkrieg gegen wehrlose Zivilisten in den Städten begonnen. Bereits am 1. September 1939 attackierten deutsche Stukas das polnische Wielun. Militärisch war der Angriff sinnlos. Es folgten Warschau, Rotterdam und die Attacken deutscher Bomber auf die britischen Städte im sogenannten Luftkampf um England. Tausende britische Zivilisten starben.

Mit seiner Strategie des "Moral Bombing" meinte Arthur Harris das Mittel zur schnellen Beendigung des Krieges gefunden zu haben. Ein endloser Bombenhagel sollte die Kampfmoral der Deutschen brechen. "Stadt für Stadt", verkündete der Offizier. "Die Liste wird immer länger". Die Folge war ein Terrorkrieg gegen die Zivilbevölkerung.

Rund 600.000 Zivilisten sollen nach Schätzungen von Historikern in Europa auf den verfeindeten Seiten durch die Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs umgekommen sein.

Um einen Überblick der schwersten Bombardements auf Deutschland im Zweiten Weltkrieg zu geben, haben SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE eine Aufstellung aus unterschiedlichen geschichtswissenschaftlichen Quellen erstellt.

Verfolgen Sie in der interaktiven Karten den Verlauf des Bombenkriegs gegen Deutschland. Sie zeigt bedeutende Luftangriffe von 1940 bis 1945, und sie zeigt, wie sich ihre Intensität von Jahr zu Jahr steigerte. Je mehr Bomben abgeworfen wurden, desto größer sind die Kreise auf der Karte dargestellt. Angesichts der Verschiebungen im Grenzverlauf wird Deutschland in den Grenzen von 1990 dargestellt. Hier finden Sie einen Überblick über den Kriegsverlauf.

Wenn Sie diesen Artikel im Web-Browser lesen, finden Sie unten zudem eine interaktive Version der Karte mit mehr Details zu jedem einzelnen Ereignis.

Bedeutsame Luftangriffe 1940
Für das Jahr 1940 zeigt die Karte zehn größere Angriffe, davon zwei auf Berlin und mehrere auf das Ruhrgebiet. Das erste Bombardement trifft Mönchengladbach im Mai.
Bedeutsame Luftangriffe 1941
Im Jahr 1941 werden Bremen, Frankfurt am Main und Düsseldorf schwerer getroffen.
Bedeutsame Luftangriffe 1942
Für das Jahr 1942 sind erstmals Angriffe mit einer Bombenlast von mehr als tausend Tonnen verzeichnet, unter anderem auf Düsseldorf und Köln.
Bedeutsame Luftangriffe 1943
Mehr als 130 Luftangriffe stellt die Karte für 1943 dar. Besonders häufig trifft es Berlin, Hamburg, Köln und das Ruhrgebiet.
Bedeutsame Luftangriffe 1944
Im Jahr 1944 sind besonders viele schwere Bombenangriffe aufgeführt. Einige Städte werden mit mehr als 4000 Tonnen Bomben getroffen.
Bedeutsame Luftangriffe 1945
Bis Ende April 1945 bombardieren die Alliierten deutsche Städte schwer, in dieses Jahr fallen die besonders verheerenden Angriffe auf Dortmund und Essen.

Interaktive Karte der Luftangriffe auf deutsche Städte

Klicken Sie auf die Kreise in der Karte, um mehr über einzelne Ereignisse zu erfahren.

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Mithilfe der Zeitleiste unter der Karte können Sie bestimmte Zeitabschnitte genauer betrachten. Markieren Sie mit dem Mauszeiger einen Bereich auf der Zeitleiste. Verschieben Sie die Markierung, um einen Eindruck von der zeitlichen Abfolge der Luftangriffe zu erhalten.

Anmerkung: Anlässlich des 70. Jahrestages der deutschen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg haben wir die Karten aktualisiert. Im Unterschied zur ersten Version stellt die Karte nun mehr Bombenangriffe dar, insgesamt 484 Ereignisse. Einige Angriffe mit geringerer Bombenlast wurden zudem aus der Darstellung entfernt.



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
Michael Wolf, 08.05.2015
1. Kriegsverbrechen...
...zum großen Teil. Anders kann ich die massive Bombardierung von Zivilisten 1945 durch GB und USA, siehe auch Dresden, nicht bezeichnen. Bezeichnenderweise in einem Stadium, wo der Krieg praktisch entschieden war.
A H, 08.05.2015
2. Kriegsverbrechen...
Ich stimme Herrn Michael Wolf zu: die Bombardierung von London und die industrielle Vernichtung von Menschen sowie die systematische Vernichtung der Zivilbevölkerung im Russlandfeldzug mit Dutzenden Millionen Toten, stellen ein nie dagewesenes Kriegsverbrechen dar.
Gerd Mx, 08.05.2015
3.
Warum werden Ereignisse bis 1945 auf einer Karte mit den heutigen Grenzen dargestellt? Warum heißt Königsberg nicht "Königsberg"?
Jörg Cornely, 08.05.2015
4. Angesichts der Grenzverschiebungen
Wird Deutschland in den Grenzen von 1990 dargestellt - so so. So etwas könnte man auch Geschichtsklitterung nennen
friedhelm üdelhofen, 08.05.2015
5. Hätte die Bombardierung der Infrastruktur
oder den Industrieanlagen gegolten, wären sie legitim gewesen. So aber. ... So weit ich weiß, ich kann mich irren, waren die Bombenangriffe auf England keine reinen Terrorangriffe.
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