Luftnummern Der Entführer, der aus dem Flieger sprang

Ein Mann hechtet mit 200.000 Dollar aus einer fliegenden Boeing und taucht nie wieder auf - kein James Bond, echt wahr: Dan Cooper entführte 1971 einen Passagierjet und entwischte auf spektakuläre Weise per Fallschirm. Das FBI hat den Fall neu aufgerollt.

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Dan Cooper war ein freundlicher Hi-Jacker. Souverän und ruhig stellte der Mann mit dem schütteren Haar und den schmalen Lippen seine Forderungen - und bekam, was er wollte. Denn in dem Aktenkoffer des Fluggastes der Boeing 727 lag eine Bombe. "Wenn ihr pariert, wird niemand Schaden nehmen. Aber erlaubt euch keine Scherze - sonst jage ich uns alle in die Luft", stand auf dem kleinen Papierzettel, den der Fluggast mit der Vorliebe für Bourbon-Whiskey und Raleigh-Zigaretten der Stewardess an jenem Nachmittag des 24. November 1971 kurz vor der Landung in Seattle zusteckte.

Seine Forderung: 200.000 Dollar in 20-Dollar-Noten und vier Fallschirme. Wieder in der Luft, legte er sich zwei der Schirme um, packte den zehn Kilo schweren Geldsack - und sprang gegen 20.11 Uhr bei Nacht, Regen und Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Meilen irgendwo über der Gebirgskette der südlichen Kaskaden im Nordwesten der USA aus dem Flugzeug, bekleidet mit Trenchcoat und Halbschuhen.

Bis heute hat niemand mehr Dan Cooper gesehen - obwohl ganze Hundertschaften der US-Army 18 Tage lang die Bergwälder rund um den Lewis River durchkämmten rund 1000 Verdächtige verhört wurden. Nun soll sich das endlich ändern - das FBI rollt den 36 Jahre alten Fallschirm-Fall neu auf. Über einen großangelegten Fahndungsaufruf will die US-Bundespolizei den spektakulären Fall doch noch aufklären und Cooper finden.

Dollarfund beim Waldspaziergang

Auf seiner Internetseite hat das FBI vor kurzem erstmals umfangreiche Informationen zum Fall Dan Cooper veröffentlicht und fordert die Bürger auf, in ihren Erinnerungen zu kramen. Besonders auf zwei Details sollen potentielle Zeugen ihr Augenmerk richten: die schwarze Krawatte des entschwebten Gangsters sowie mehrere reichlich verwitterte Geldscheine.

Das nicht gerade originelle Kleidungsstück hatte Cooper bis zu seinem Abgang aus luftiger Höhe getragen, die 20-Dollar-Scheine hatte ein achtjähriger Junge gefunden. Der war am 13. Februar 1980 bei einem Spaziergang mit seiner Familie am Ufer des Columbia Rivers, acht Kilometer nordwestlich von Vancouver, über 5800 Dollar gestolpert. Die Geldscheine lassen sich eindeutig dem Lösegeld zuordnen, da die Bundespolizei die 10.000 Scheine vor der Übergabe fotografiert hatte, um deren Seriennummern festzuhalten. "Bitte schauen Sie sich sorgfältig alles an", bittet das FBI, "vielleicht werden dann Erinnerungen geweckt."

"Fliegt Richtung Mexiko!"

Das Cooper Komplizen gehabt hat, glaubt das FBI bis heute nicht - schließlich konnte er keine Ahnung haben, wo er landen würde, als er sich aus der Flugzeugtür stürzte. Seine einzige Anweisung auf dem Flug zwischen Seattle und Reno lautete: "Fliegt Richtung Mexiko!"

Vielleicht, hofft Special Agent Larry Carr, komme ja nun jemand mit einer Aussage wie "Mein Onkel, der 1971 verschwand, könnte Cooper gewesen sein". Der FBI-Beamte aus Seattle, der eigentlich Bankräuber jagt, hat sich in den Kopf gesetzt, den Flugzeugentführer Cooper zu finden. Seit Carr vier Jahre alt ist, beschäftigt ihn die sensationelle Geschichte, vor sechs Monaten nun bat der Agent darum, mit dem Fall betraut zu werden.

Ob das Rätsel um Coopers Luftnummer, die strafrechtlich lange verjährt ist, nun gelöst wird, bleibt fraglich. Den Mythos, zu dem zahlreiche Bücher, Filme und Songs den Entführer stilisierten und der mindestens drei Nachahmer inspirierte (die alle scheiterten), würde das vermutlich eher noch befeuern. Aber die Blamage für das FBI scheint so tief zu sitzen, dass die Jagd auf Dan Cooper nun erneut losgeht.



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