Männermagazine der Fünfziger Bild der Frau

Männermagazine der Fünfziger: Bild der Frau Fotos
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Sie hießen "Whisper", "Flirt" oder "Bizarre": Nach dem Zweiten Weltkrieg überschwemmten Männermagazine die USA. Manche gaben sich als Klatsch- oder Sensationsblätter aus, andere setzten auf halbnackte Tatsachen. Rückblick auf eine Ära eher züchtiger Erotik - die bis heute stilbildend ist. Von Lena Wendte

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Aufreizend reckt eine Blondine mit hochgesteckten Haaren ihre Hüfte in die Höhe, ihre Brüste gerade so eben bedeckt. Das Titelgirl auf dem Magazin ist nicht allein mit seinem knappen Outfit: Neben ihr räkeln sich dutzendweise weitere Frauenkörper auf Covern - mal lasziv inszeniert und mal liebreizend, in Rüschendessous oder geschnürt in Lack und Leder. Ein Anblick, der so gar nicht dazu passen wollte, was im Amerika der fünfziger Jahre sonst propagiert wurde.

Es war die Zeit, in der der Sexualforscher Alfred Kinsey die US-Öffentlichkeit noch damit schockieren konnte, dass nach seinen Erkenntnissen mehr als 90 Prozent der amerikanischen Männer masturbierten, Fremdgehen die Norm war und als pervers geltende Praktiken einschließlich schwuler Liebe weit verbreitet waren. Kinseys Urteil: "Zwischen dem, was wir bislang glaubten, und den sexuellen Aktivitäten, die Menschen tatsächlich betreiben, liegt ein enormer Unterschied."

Der Aufschrei der Empörung, den der Sex-Forscher bei seinen Landsleuten damit auslöste, stand im krassen Gegensatz zum Bild, das sich jedem Kleinstadt-Amerikaner im gut sortierten Zeitschriftenhandel bot. Dort fanden sich schon damals, oft zusätzlich mit packpapierbraunen Schutzbanderolen gegen Blicke geschützt, Aberdutzende von Erotikmagazinen, Sexblättern und Pornoheften - manche noch notdürftig kaschiert als People-Magazin der untersten Schublade, andere ganz offen für ein Hardcore- oder Fetischpublikum.

Alibis für das Abbilden nackter Frauen

Die amerikanische Sex-Industrie war mitnichten nur ein Produkt der freizügigen 68er-Ära. Schon in den fünfziger Jahren stand die US-Erotikbranche in voller Blüte. Schuld war nicht zuletzt der Zweite Weltkrieg: Weit weg von Zuhause hatten sich die Soldaten anderweitig Befriedigung verschafft, die Armeeführung hatte im Interesse der Kampfmoral sexuelle Libertinage toleriert.

So war der Boden bereitet für Sex als Business. Gazetten wie "Confidential" des Verlegers Robert Harrison - vom SPIEGEL damals als "Hauptorgan der Schmähschreiber" tituliert - erreichten Mitte der fünfziger Jahre mit einer Mischung aus Nackedeis und Paparazzi-Attacken auf Hollywood-Sternchen eine Auflage von mehr als vier Millionen Exemplaren. "Jeder in Hollywood liest es, aber jeder sagt, die Köchin habe es ins Haus gebracht", witzelte Humphrey Bogart über das Blatt.

Klatsch und Kuriositäten als Alibi für das Abbilden halb- bis dreiviertelnackter Frauen - dieses Rezept fand rasend schnell Nachahmer. Das Blatt "Playgirl" etwa - nicht zu verwechseln mit dem 1973 gegründeten Erotikheft für Frauen - machte ab Mitte der Fünfziger Furore mit Geschichten über Sex, Ufo-Sichtungen und anderen Kuriositäten. In "Adam" (Untertitel "A Man's Magazine") fanden sich Artikel über "Polizei-Geheimwaffen" neben "exklusiven Fotos und intimen Tatsachen über Striptease Queens". Andere Verleger sparten sich die Garnitur aus bunten Tratschgeschichten und setzten komplett auf nackte Haut. Erotikmagazine wie "Peep Show", "Titter" oder "Wink" fanden reißenden Absatz mit Bilderserien von strippenden Tänzerinnen, gewissermaßen "Burleskshows in Magazinform", so Dian Hanson, Herausgeberin von "The History Of Men's Magazines".

Fetisch-Sex in den Fünfzigern

Der kanadische Bodybuilder und Verleger Joe Weider brachte Mitte der fünfziger Jahre nicht nur Muskelmänner-Magazine mit deutlich homoerotischen Inhalten auf den US-Markt, sondern etablierte auch erfolgreich eine Reihe klassischer Männermagazine. Modell für Weiders Macho-Phantasien stand vornehmlich seine eigene Ehefrau Betty Brosmer, ein Busenwunder mit schmaler Wespentaille, geformt nach dem Pin-up-Schönheitsideal der fünfziger Jahre.

Bald galt Brosmer unter Eingeweihten als Erotik-Ikone, ein Status, aus dem das Paar nach Kräften Kapital schlug. "Erleben Sie diese atemberaubende blonde Sexgöttin so, wie Sie sie schon immer erleben wollten", warb Weider für Filmaufnahmen seiner Gattin. Die posierte auch in "Jem" (Untertitel: "The Magazine for Masterful Men"), einem Weidner-Blatt, das ganz offen sexuell dominant veranlagte Männer bediente und Frauen mit Vorliebe als nackte Haushaltssklavinnen zeigte, bekleidet bestenfalls mit einem Schürzchen. "Wie Sie Ihre Frau dazu kriegen, zu tun, was Sie wollen", hieß eine "Jem"-Titelgeschichte.

Und das war durchaus noch die zahme Seite des damaligen Erotik-Genres. Neben Schürzenjägern und Schürzenfetischisten konnten auch Liebhaber ungewöhnlicher Sexpraktiken bereits damals einschlägige Gazetten kaufen. "Bizarre", das Heft des Modedesigners und Frauenhassers John Willle, dem "Vater des modernen Fetischismus" (Dian Hanson), ist die wohl berühmteste und inzwischen längst in den Kultstatus erhoben.

Weg vom Schmuddel, hin zum Hochglanz

Willie, ein britischer Bankierssohn, der sein Leben komplett der dunklen Seite der Sexualität widmete, zeichnete und fotografierte Frauen mit Masken, Lederstiefeln und Fesselspielzeug. Seine Comic-Schöpfung "Sweet Gwendoline" gilt heute als Kunst - als sie entstand, wurden Zeichner erotischer Comics von Politikern gegeißelt und von der Polizei verfolgt. Kurz vor seinem Tod 1962 vernichtete Willie sein komplettes Archiv.

Einen ganz anderen Weg ging ein junger Werbetexter, der zuletzt als Vertriebsleiter einer Kinderzeitschrift gearbeitet hatte: Hugh Marston Hefner. Der Mann mit gegelten Haaren, der sich bis heute gerne mit Pfeife im Mund und Frauen im Arm fotografieren lässt, gründete 1953 den "Playboy" - mit dem erklärten Ziel, sich von Schmuddelzeug und Fetischkram fernzuhalten. Hefners Versprechen von sauberem Sex, gepaart mit niveauvoller Unterhaltung, veränderte die Welt der Männermagazine für immer. Gleich die erste Nummer mit Marilyn Monroe auf dem Titel verkaufte sich 54.000-mal - Startschuss für die Ära der Hochglanz-Männermagazine, die bis heute anhält.

Zum Weiterlesen:

"Dian Hanson's: The History Of Men's Magazines". Taschen Verlag, Köln 2004, 460 Seiten.

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