"Magnum"-Premiere 1980 Zwei Schnäuzer für ein Halleluja

Zum Start der Fernsehserie "Magnum" tat die "New York Times" den unbekannten Darsteller Tom Selleck noch als Burt-Reynolds-Kopie ab. Doch entpuppte sich der Muskelprotz als brüllend komisch - und wurde Kult. Nur ein Rätsel treibt die Fans bis heute um.

Universal Pictures

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"Ich mag ihren Lebensstil nicht, ich mag nicht, wie sie mit Robins Auto umgehen, und ich mag ihre Freunde nicht." Die Missbilligung tropft aus der Stimme des kleinen Mannes mit den hochsitzenden Khaki-Hosen und dem Stirnrunzeln eines Aristokraten.

Der Ärger richtet sich gegen diese wandelnde Abrissbirne mit Schnäuzer, die das beschauliche Leben auf seinem Anwesen erschüttert. Diesen Thomas Sullivan Magnum, der sich im Domizil des Schriftstellers Robin Masters auf Hawaiis Hauptinsel O'ahu eingenistet hat. Wo doch er, Jonathan Quayle Higgins III, als Majordomus geflissentlich die Aufsicht führt. Und jetzt trampelt dieser Magnum die Rosen kaputt. Stiehlt den Wein für seine Damenbekanntschaften aus dem Gewölbekeller. Macht die Wachhunde Zeus und Apollo kirre. Und fährt den Ferrari von Robin Masters zu Schrott.

Ab 11. Dezember 1980 lief im US-Fernsehen die Serie "Magnum, p.i.". Das Kürzel steht für private investigator. Der ehemalige Marineoffizier Thomas Magnum löste auf der Inselkette seine Fälle und wohnte auf dem Anwesen eines Schriftstellers - immer im Kleinkrieg mit dem grantligen Hausverwalter. In der Hauptrolle: der noch unbekannte Darsteller Tom Selleck.

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Tom Selleck und andere Sexsymbole der Achtziger in einer Fotostrecke
Getty Images

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Gleich in der ersten Folge durchbrach der Schnauzbartträger die "vierte Wand", die Trennung zwischen Set und Zuschauern, und sprach das Publikum direkt an. "Ich weiß schon, was Sie jetzt denken, und Sie haben recht", witzelte Magnum und schaute in die Kamera. Ein Gimmick, schrieb die "New York Times" zum Serienstart: "Dieser mystische, fatalistische Ansatz ist ganz nett (…) Trotzdem ist Magnum ein weiterer Burt-Reynolds-Lookalike, der sich bemüht, die Nonchalance zu vermarkten, die aus Mr. Reynolds einen Star gemacht hat."

Der "ganz nette" Ansatz entpuppte sich als Erfolgsrezept, die Serie lief acht Jahre lang und machte Selleck weltbekannt. Bis dahin hatte er nur kleinere Rollen ergattert. Der schludrige Privatdetektiv im Ferienparadies wurde sein großer Durchbruch.

Die Rolle des überkorrekten Briten Higgins übernahm John Hillerman, bekannt aus vielen Fernsehserien und Kinofilmen. Für Produzent Donald Bellisario die Idealbesetzung, denn der frühere Broadway-Darsteller konnte trotz seiner texanischen Herkunft einen britischen Dialekt täuschend ähnlich nachahmen. "Alles, was ich hören musste, war ein Wort", sagte Bellisario später, "da wusste ich, dass er es war."

Dem 1,70 Meter kleinen Hillerman stand der 1,92--Hüne Selleck gegenüber, mit Ringerkreuz und Surferwuschelmähne, Brustpelz und buschigem Schnauzbart. Im Hawaii-Hemd mit Basecap und unverschämt engen Shorts mutierte er zur haarigen Antithese des Pedanten Higgins. Bellisario sagte: "Es war das erste Mal, dass ein gutaussehender Muskelprotz über seine eigenen Schnürsenkel stolperte."

Es gibt kein Bier auf Hawaii... Doch. Düsseldorfer Alt.

Die Erfolgsformel der Serie: Fall um Fall löste Magnum mit Hilfe seiner alten Vietnamkameraden, Hubschrauberpilot Theodore "T.C." Calvin (Roger E. Mosley) und Clubverwalter Orville Wilbur "Rick" Wright III. (Larry Manetti). Nebenher bekriegten Higgins und Magnum einander bis aufs Äußerste - wegen zerstörter Blumenbeete, gelöschter Videospielstände oder eines unterbrochenen Footballspiels.

"Wir haben eine besondere Bindung", so Hillerman über TV-Partner Selleck
Corbis

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Ihre oft brüllend komischen Tiraden schienen inspiriert von der Funktion des klassischen Clown-Kollektivs. Hier Higgins, der Weißclown: Als britischer Ex-Offizier und Mitglied der gehobenen Gesellschaft wirkte er auf Hawaii wie ein Anachronismus in Khaki, die Reithosen straff über den voluminösen Bauch gezogen, schwadronierend über Anstand, Pünktlichkeit, Hochkultur. Und dort Magnum, der Rotclown und dumme August: Er schlief in den Tag hinein, trank Düsseldorfer Altbier, löste seine Fälle mit reinem Bauchgefühl. Und trieb sein stoisches Gegenüber in den Wahnsinn.

Es blieb nicht bei witzigen Auseinandersetzungen und perfiden Psychotricks, wie in der Episode "Die Streithähne". Hinter den komischen Masken verbarg sich der Schmerz. Als eine der ersten TV-Serien beschäftigte sich "Magnum" mit dem Trauma der Vietnamkriegs-Generation.

"Eines Tages, mit 33, bin ich aufgewacht und habe entdeckt, dass ich nie 23 war", sagte Magnum den Zuschauern schon in der Pilotfolge. Das Grundgerüst aus Krimi und Comedy brachen Episoden auf, in denen der frühere Offizier und seine Kameraden zurückreisten an den Ort des Schreckens. Ob physisch, um Kriegsgefangene zu befreien, oder in Visionen, die von den posttraumatischen Verwundungen der Charaktere kündeten.

Masters and Commander

Solche Folgen wie "Eine lebende Zeitbombe" zu Beginn der dritten Staffel brachten eine weitere Seite des Duos zum Vorschein: die Beziehung einer Vaterfigur zum Sohn. Higgins, selbst hochdekorierter Kriegsveteran, wurde zur Schulter und Stütze.

Doch das wichtigste Rätsel lösten die "Magnum"-Macher bis zum Schluss nicht auf: War Higgins in Wahrheit Robin Masters? Nie sah man das Gesicht des ominösen Schriftstellers, der Magnum als Sicherheitsmann engagiert und ihm freie Logis auf seinem Anwesen gestattet hatte. Im Original lieh Filmlegende Orson Welles Masters seine Stimme.

"Sagen Sie einfach nur: Sind Sie Robin Masters?" Als Magnum in der finalen Folge "Die Lösung" seinen Quälgeist und engsten Vertrauten das fragte, was auch Millionen Zuschauer umtrieb, antwortete Higgins nur lapidar "Ja". Perfekt war die Verwirrung, als er am Ende der Episode bemerkte, er habe gelogen. Das Masters-Mysterium treibt Fans auch 30 Jahre nach Serienstart noch um.

Dem Kultstatus des Duos hat das nicht geschadet. "Sieben Jahre sind eine lange Zeit der Gemeinsamkeit mit einem Menschen, mit dem man nichts gemeinsam hat", sagt Magnum in der "Streithähne"-Folge. "Aber wenn es etwas geben sollte, was Higgins und ich gemeinsam haben, dann kann das nur unsere Leidenschaft für den Wettkampf sein." Ein Wettkampf für die Ewigkeit - um Rosen, Wein und einen roten Ferrari.



insgesamt 19 Beiträge
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Werner Degen, 10.12.2015
1. Und in den neuen
Serien sieht man was Selleck für ein toller Schauspieler ist.
Alfred Greeck, 10.12.2015
2.
Kultserie! Noch besser fand ich Selleck allerdings als abgewrackter Sheriff Jesse Stone in Paradise, Massachusetts.
Wa Uz, 10.12.2015
3. Eigentlich eine andere Frage
Mich hat immer umgetrieben: gehen die beiden miteinander ins Bett? Denn die ständigen Streitereien hatten etwas von chronifiziertem Ehekrach.
Konrad Kuhrmann, 10.12.2015
4. brüllend komischen Tiraden
Na, wer das von einem Krimi verlangt: den Brüller.... Ich finde "Death in Paradiese" mit dem Detective Inspector Richard Poole (Ben Miller) wesentlich niveauvoller. Eine ähnlicher Charakter wie "Jonathan Quayle Higgins III", nur das der den Detektive spielt und nicht einem chaotischen Possenreisser -der nie aus seinen kurzen Hosen herausgekommen ist- wie Magnum. Da wird gewaltig the english way of life auf die Schippe genommen. Beispiel: wenn ein flüchtender Gauner mit einem exakten Cricketwurf mit einem Netzbeschwerer gehindert wird, das Fluchtboot zu besteigen. Oder wenn ein Quitschente zur Aufklärung beiträgt.
Sylke Baumann-Faeth , 10.12.2015
5. erster Schwarm
Magnum.....er war der Schwarm unserer Mädchengruppe. Man fand auf einmal Hawaii-Hemden sexy. und ich muss gestehen, der Name "Magnum" verbinde ich immer noch mit Tom Selleck und NICHT mit Eis.
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