Manipulierte Bilder Finden Sie die Fehler!

Manipulierte Bilder: Finden Sie die Fehler! Fotos
Michael Jensch, Axel Thünker / Haus der Geschichte

Kann man seinen Augen trauen? Mit gefälschten Bildern wird Politik gemacht - wie im Fall der manipulierten Raketenfotos aus Iran im Jahr 2008: eine Revue der krassesten, bizarrsten und peinlichsten Fälle. Von

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Aus drei mach vier: Um eine fehlgezündete Rakete bei einem Waffentest am 9. Juli 2008 zu kaschieren, ließ die iranische Regierung kurzerhand ein Geschoss mitsamt Schweif über den Blindgänger kopieren. So sehen zwei der vier Qualmwolken, die nach dem Abschuss über den Boden wabern, exakt gleich aus. Die plumpe Bildfälschung wurde über die Nachrichtenagentur AFP verbreitet - und gelangte auf diesem Weg in einige große westliche Medien, auch auf die Titelseite der "Chicago Tribune" und die Website der "New York Times". Doch der Schmu flog umgehend auf, die Agentur zog das Bild zurück - der Propagandakniff der Mullahs endete selbst als medialer Rohrkrepierer.

Dass Diktatoren zu Propagandazwecken Bilder fälschen, ist so alt wie die Fotografie selbst. Russlands Stalin ließ sich neben den todkranken Lenin in ein Bild retuschieren, um sich als legitimen Nachfolger des Sowjetführers zu zeigen. Seinen Konkurrenten Trotzki dagegen ließ er aus Bildern entfernen, nachdem der in Ungnade gefallen und ins Exil getrieben worden war. Hitler ließ sogar seinen Vertrauten Joseph Goebbels aus Bildern mit seiner Entourage verschwinden und der italienische Faschistenführer Benito Mussolini sorgte dafür, dass aus einem Foto, auf dem der er hoch zu Ross mit martialisch gezogenem Schwert posierte, der Stallbursche entfernt wurde, der den Gaul am Zügel still hielt.

Aus zwei mach eins

Doch solche Irreführungen der Öffentlichkeit sind längst nicht mehr die Domäne diktatorischer Regime, die Angst vor der Wahrheit haben. Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren auch Fotografen, die für kommerzielle Bildagenturen aus demokratischen Ländern arbeiteten, der Manipulation von Fotos überführt - gemäß der Marktregel, dass sich dramatische Bilder immer besser verkaufen als wenig spektakuläre.

So lieferte 2003 Brian Walski, ein Fotograf der "Los Angeles Times" ein Bild aus dem Irak-Krieg, das die amerikanische Tageszeitung prompt auf ihrer Titelseite abdruckte. Warum auch nicht - Walski hatte sich als Berichterstatter aus vielen Kriegen und Konflikten einen Namen gemacht und war von der California Press Photographers Association 2001 als "Photographer of the Year" ausgezeichnet worden. Doch nach der Veröffentlichung wurde entdeckt, dass einige der abgebildeten Zivilisten gleich doppelt auf dem Bild zu sehen waren. Walski musste zugeben, am Computer zwei Aufnahmen zusammengebastelt zu haben, um die Komposition zu verbessern. Der Fotoreporter wurde entlassen.

Ein anderes Beispiel von manipulierter Kriegsfotografie: Nach der Bombardierung der libanesischen Hauptstadt Beirut durch die israelische Luftwaffe Anfang August 2006 verbreitete die Agentur Reuters Aufnahmen, die dichten, schwarzen Rauch über den Dächern Beiruts zeigten - mehr, als zum Zeitpunkt der Aufnahme vor Ort zu sehen gewesen war. Nachdem Blogger aufgedeckt hatten, dass die Wolken per Bildbearbeitung hineinretuschiert worden waren, tauschte Reuters das Bild aus und beendete die Zusammenarbeit mit dem Fotografen.

Kleine Kopfdrehung - große Wirkung

Ziemlich schamlos gehen seit jeher die Boulevardmedien mit Bildfälschungen um. 1992 erschienen auf mehreren Yellow-Press-Titelbildern Fotos der monegassischen Prinzessin Stéphanie mit ihrem angeblichen Baby - schon vor der Niederkunft der werdenden Mutter am 26. November 1992. Eine andere Prinzessin, Diana von Wales, wurde ebenfalls Opfer von Bildmanipulation. Als im Sommer 1997 über eine Affäre Dianas mit Dodi al-Fayed spekuliert wurde, druckte die britische Boulevardzeitung "The Mirror" ein Foto, das zeigte, wie sich Diana und Dodi einander zuwandten, offenbar zu einem zärtlichen Kuss. Auf dem Originalbild allerdings schaute al-Fayed von der Prinzessin weg - sein Haupt war leicht gedreht worden, um "das Bild, das alle wollten" zu erzeugen.

In der People-Berichterstattung ist das Motiv für Bildmanipulation allerdings nicht immer die Auflagensteigerung, sondern immer wieder auch die politische Rücksichtnahme. Das französische Klatschblatt "Paris Match" etwa brachte im vergangenen Sommer ein Urlaubsfoto von Präsident Nicolas Sarkozy in Badehose, bei dem die Speckröllchen des agilen Staatschefs dezent retuschiert worden waren - wie die Konkurrenz vom Magazin "L'Express" den lieben Kollegen nachwies. Der Verleger von "Paris Match", Arnaud Lagardère, ist mit Sarkozy befreundet. In Deutschland verbreitete die Deutsche Presseagentur 2005 eine Aufnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel winkend bei den Bayreuther Festspielen - mit sichtbaren Schweißflecken unter den Armen. Auf der Internetseite des Bayrischen Rundfunks erschien die Regierungschefin dagegen makellos - ein Mitarbeiter hatte die störenden Flecken am Computer entfernt. Politische Hintergedanken stritt die als konservativ geltende ARD damals ab.

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1.
Michaela Mielke 11.07.2008
Ihr Kommentar zum Bild von Iwo Jima suggeriert, dass der Fotograf eine größere Flagge wollte, um ein besseres Bild zu bekommen. Allerdings ordnete die Battalionsführung an, auf dem Berg eine größere Flagge zu zu hissen, da die Flagge relativ klein und damit schwer zu erkennen war und Rosenthal wurde mitgeschickt, um Fotos zu machen.
2.
Hagen Peters 12.07.2008
Auf dem Photo, welches Beirut kurz nach der Bombardierung zeigt, kann ich eigentlich nicht mehr Rauch entdecken. Der Bildausschnitt ist anders, der Rauch auch, aber die Bildunterschrift unterstellt dem Phototgraph, er hätte die Aussage des Bildes signifikant verändert - was aber eher nicht der Fall ist?
3.
Ulrich van Wasen 12.07.2008
Die Ausstellung "Bilder die Lügen" habe ich beim ZDF in Mainz gesehen und ich hatte bei dem Bild der 3 Soldaten (Irak-Krieg) den Eindruck, dass diese Szene gestellt war. Die Uniformen sehen glatt und sauber aus, wie frisch aus der Kleiderkammer. Ich habe dieses Bild für einen redaktionellen Beitrag der Ausstellungsmacher gehalten. Gibt es zu dieser Vermutung Informationen?
4.
Marco Schneider 22.11.2011
>Auf dem Photo, welches Beirut kurz nach der Bombardierung zeigt, kann ich eigentlich nicht mehr Rauch entdecken. Der Bildausschnitt ist anders, der Rauch auch, aber die Bildunterschrift unterstellt dem Phototgraph, er hätte die Aussage des Bildes signifikant verändert - was aber eher nicht der Fall ist? Das ist ganzplump gemacht und schon ein skandal das es keinem Bildredakteur aufgefallen ist... ja der rauch sieht anders aus, Stempelfunktion in Photoshop machts möglich, deshalb die regelmässigket der Wölkchen im manipulierten Bild. Schon meine Oma hat gesagt, man soll nicht alles glauben was in der Zeitung steht... ist aber bei den meisten menschen in vergessenheit geraten... im Kunst-und Grafikstudium hab ich mich dann wieder dran erinnert. den meisten ist gar nicht bewusst was heute auch filmisch machbar ist, in bewegten bildern, denen wir mehr aus Unwissenheit vertrauen schenken! Link zu Stargate Studio Greenscreen Effect http://www.youtube.com/watch?v=1mKck5PnEIk
5. Manipulative Geschichten über Bildmanipulation
Markus Mathieu 22.07.2014
Der Schweißfleck der Kanzlerin und der Bayerischer Rundfunk. Ich kenne die Geschichte hinter dieser Geschichte recht gut, war aber selbst nicht involviert und da es schon einige Zeit her ist, könnte ich mich in Details vielleicht auch ungenau erinnern. Aber sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine Manipulation Grundlage für eine andere wird. Besagtes Bild wurde von einem Online-Redakteur nicht für eine politische Geschichte, sonder für eine bunte Bilder-Show (Roter Teppich) über die Festspiele verwendet. Besagter Redakteur ist sehr kritisch, und alles andere als 'parteilinientreu' - gut möglich dass er deshalb noch selbst Geschichten während einer Tagesrandschicht 'bastelte'. Dass er die Schweißflecken der Kanzlerin wegretuschiert hat, war ein Fehler, der wohl der Tatsache zuzuschreiben ist, dass er auch Kavalier ist (was einem Journalisten nicht passieren sollte) und er das extrem prominente Detail im Zusammenhang der Geschichte wohl intuitiv als störend, zu persönlich empfand. Radio-Reporter haben er im Laufe der Geschichte des Rundfunks aus tausenden Interviews Hüsteln, Niesen etc. herausgeschnitten, was natürlich auch Manipulation ist, aber wohl dem Konsens folgte dass unwillkürliche Körperfunktionen nicht zwingender Teil der Berichterstattung sind. In dieser Tradition kann man das auch sehen. Es bleibt unbestritten ein Fehler, aber wer die Produktionsabläufe im Onlinebereich kennt, wird glauben, dass das schon rein zeitlich keine tiefsinnig durchdachte Manipulation gewesen ist. Schon gar nicht von oben verordnete politisch motivierte Berichterstattung. Erst durch die Herstellung des Zusammenhangs 'Kanzlerin', 'Bayerischer Rundfunk' und die (falsche) Behauptung, dass dort die einzige manipulierter Version des Bildes entstand wird das Thema politisch und entsteht eine zweite Manipulation, die diese uralte Geschichte beachtenswert macht. Die subtile aber falsche Unterstellung bewusster Manipulation durch diese Konnotationen ist in meinen Augen mindestens ebenso verwerflich, wie der Fehler als solcher. Das Radio-Beispiel oder auch die Frage ob man 'rote Augen' korrigieren dürfte, oder ob die Manipulation nicht da beginnt, wo aus 100ten Bildern das beste ausgewählt wird, zeigen wie komplex das Thema ist. Dass Journalisten, damals der Spiegel, oder heute Ausstellungsmacher, solche Geschichten in eine Reihe mit Lenins versuchen der Geschichtsmanipulation stellen ist insofern bemerkenswert, als sie damit genau ins gleiche Muster verfallen, das sie den Übeltätern vorwerfen. Klingt gut, wird aus einer Quelle abgeschrieben, peppt die Geschichte auf... Nachrecherchieren und Dinge im Zusammenhang lassen? Fehlanzeige. Da wie dort.
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