Manipulierte Bilder Finden Sie die Fehler!

Manipulierte Bilder: Finden Sie die Fehler! Fotos
Michael Jensch, Axel Thünker / Haus der Geschichte

Kann man seinen Augen trauen? Mit gefälschten Bildern wird Politik gemacht - wie gerade wieder im Fall der manipulierten Raketenfotos aus Iran. Eine Revue der krassesten, bizarrsten und peinlichsten Fälle. Von Benjamin Maack

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Aus drei mach vier: Um eine fehlgezündete Rakete bei einem Waffentest am 9. Juli zu kaschieren, ließ die iranische Regierung kurzerhand ein Geschoss mitsamt Schweif über den Blindgänger kopieren. So sehen zwei der vier Qualmwolken, die nach dem Abschuss über den Boden wabern, exakt gleich aus. Die plumpe Bildfälschung wurde über die Nachrichtenagentur AFP verbreitet - und gelangte auf diesem Weg in einige große westliche Medien, auch auf die Titelseite der "Chicago Tribune" und die Website der "New York Times". Doch der Schmu flog umgehend auf, die Agentur zog das Bild zurück - der Propagandakniff der Mullahs endete selbst als medialer Rohrkrepierer.

Dass Diktatoren zu Propagandazwecken Bilder fälschen, ist so alt wie die Fotografie selbst. Russlands Stalin ließ sich neben den todkranken Lenin in ein Bild retuschieren, um sich als legitimen Nachfolger des Sowjetführers zu zeigen. Seinen Konkurrenten Trotzki dagegen ließ er aus Bildern entfernen, nachdem der in Ungnade gefallen und ins Exil getrieben worden war. Hitler ließ sogar seinen Vertrauten Joseph Goebbels aus Bildern mit seiner Entourage verschwinden und der italienische Faschistenführer Benito Mussolini sorgte dafür, dass aus einem Foto, auf dem der er hoch zu Ross mit martialisch gezogenem Schwert posierte, der Stallbursche entfernt wurde, der den Gaul am Zügel still hielt.

Aus zwei mach eins

Doch solche Irreführungen der Öffentlichkeit sind längst nicht mehr die Domäne diktatorischer Regime, die Angst vor der Wahrheit haben. Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren auch Fotografen, die für kommerzielle Bildagenturen aus demokratischen Ländern arbeiteten, der Manipulation von Fotos überführt - gemäß der Marktregel, dass sich dramatische Bilder immer besser verkaufen als wenig spektakuläre.

So lieferte 2003 Brian Walski, ein Fotograf der "Los Angeles Times" ein Bild aus dem Irak-Krieg, das die amerikanische Tageszeitung prompt auf ihrer Titelseite abdruckte. Warum auch nicht - Walski hatte sich als Berichterstatter aus vielen Kriegen und Konflikten einen Namen gemacht und war von der California Press Photographers Association 2001 als "Photographer of the Year" ausgezeichnet worden. Doch nach der Veröffentlichung wurde entdeckt, dass einige der abgebildeten Zivilisten gleich doppelt auf dem Bild zu sehen waren. Walski musste zugeben, am Computer zwei Aufnahmen zusammengebastelt zu haben, um die Komposition zu verbessern. Der Fotoreporter wurde entlassen.

Ein anderes Beispiel von manipulierter Kriegsfotografie: Nach der Bombardierung der libanesischen Hauptstadt Beirut durch die israelische Luftwaffe Anfang August 2006 verbreitete die Agentur Reuters Aufnahmen, die dichten, schwarzen Rauch über den Dächern Beiruts zeigten - mehr, als zum Zeitpunkt der Aufnahme vor Ort zu sehen gewesen war. Nachdem Blogger aufgedeckt hatten, dass die Wolken per Bildbearbeitung hineinretuschiert worden waren, tauschte Reuters das Bild aus und beendete die Zusammenarbeit mit dem Fotografen.

Kleine Kopfdrehung - große Wirkung

Ziemlich schamlos gehen seit jeher die Boulevardmedien mit Bildfälschungen um. 1992 erschienen auf mehreren Yellow-Press-Titelbildern Fotos der monegassischen Prinzessin Stéphanie mit ihrem angeblichen Baby - schon vor der Niederkunft der werdenden Mutter am 26. November 1992. Eine andere Prinzessin, Diana von Wales, wurde ebenfalls Opfer von Bildmanipulation. Als im Sommer 1997 über eine Affäre Dianas mit Dodi al-Fayed spekuliert wurde, druckte die britische Boulevardzeitung "The Mirror" ein Foto, das zeigte, wie sich Diana und Dodi einander zuwandten, offenbar zu einem zärtlichen Kuss. Auf dem Originalbild allerdings schaute al-Fayed von der Prinzessin weg - sein Haupt war leicht gedreht worden, um "das Bild, das alle wollten" zu erzeugen.

In der People-Berichterstattung ist das Motiv für Bildmanipulation allerdings nicht immer die Auflagensteigerung, sondern immer wieder auch die politische Rücksichtnahme. Das französische Klatschblatt "Paris Match" etwa brachte im vergangenen Sommer ein Urlaubsfoto von Präsident Nicolas Sarkozy in Badehose, bei dem die Speckröllchen des agilen Staatschefs dezent retuschiert worden waren - wie die Konkurrenz vom Magazin "L'Express" den lieben Kollegen nachwies. Der Verleger von "Paris Match", Arnaud Lagardère, ist mit Sarkozy befreundet. In Deutschland verbreitete die Deutsche Presseagentur 2005 eine Aufnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel winkend bei den Bayreuther Festspielen - mit sichtbaren Schweißflecken unter den Armen. Auf der Internetseite des Bayrischen Rundfunks erschien die Regierungschefin dagegen makellos - ein Mitarbeiter hatte die störenden Flecken am Computer entfernt. Politische Hintergedanken stritt die als konservativ geltende ARD damals ab.

Der Frage nach der Echtheit von Fotos und dem Phänomen der Bildmanipulation in der Geschichte der Fotografie widmete sich übrigens auch eine große Wanderausstellung der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Die Schau mit dem Titel "X für U - Bilder, die Lügen" war über zehn Jahre lang bereits in 15 Städten zu sehen. Derzeit zieht sie gerade wieder um - wer mehr über die Tricks und Motive der modernen Bildtäuscher lernen will, muss nach dem 31. Oktober ins liechtensteinische Vaduz fahren, wo die Ausstellung dann zu sehen sein wird.


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1.
Michaela Mielke 11.07.2008
Ihr Kommentar zum Bild von Iwo Jima suggeriert, dass der Fotograf eine größere Flagge wollte, um ein besseres Bild zu bekommen. Allerdings ordnete die Battalionsführung an, auf dem Berg eine größere Flagge zu zu hissen, da die Flagge relativ klein und damit schwer zu erkennen war und Rosenthal wurde mitgeschickt, um Fotos zu machen.
2.
Hagen Peters 12.07.2008
Auf dem Photo, welches Beirut kurz nach der Bombardierung zeigt, kann ich eigentlich nicht mehr Rauch entdecken. Der Bildausschnitt ist anders, der Rauch auch, aber die Bildunterschrift unterstellt dem Phototgraph, er hätte die Aussage des Bildes signifikant verändert - was aber eher nicht der Fall ist?
3.
Ulrich van Wasen 12.07.2008
Die Ausstellung "Bilder die Lügen" habe ich beim ZDF in Mainz gesehen und ich hatte bei dem Bild der 3 Soldaten (Irak-Krieg) den Eindruck, dass diese Szene gestellt war. Die Uniformen sehen glatt und sauber aus, wie frisch aus der Kleiderkammer. Ich habe dieses Bild für einen redaktionellen Beitrag der Ausstellungsmacher gehalten. Gibt es zu dieser Vermutung Informationen?
4.
Marco Schneider 22.11.2011
>Auf dem Photo, welches Beirut kurz nach der Bombardierung zeigt, kann ich eigentlich nicht mehr Rauch entdecken. Der Bildausschnitt ist anders, der Rauch auch, aber die Bildunterschrift unterstellt dem Phototgraph, er hätte die Aussage des Bildes signifikant verändert - was aber eher nicht der Fall ist? Das ist ganzplump gemacht und schon ein skandal das es keinem Bildredakteur aufgefallen ist... ja der rauch sieht anders aus, Stempelfunktion in Photoshop machts möglich, deshalb die regelmässigket der Wölkchen im manipulierten Bild. Schon meine Oma hat gesagt, man soll nicht alles glauben was in der Zeitung steht... ist aber bei den meisten menschen in vergessenheit geraten... im Kunst-und Grafikstudium hab ich mich dann wieder dran erinnert. den meisten ist gar nicht bewusst was heute auch filmisch machbar ist, in bewegten bildern, denen wir mehr aus Unwissenheit vertrauen schenken! Link zu Stargate Studio Greenscreen Effect http://www.youtube.com/watch?v=1mKck5PnEIk
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