100 Jahre Franz Josef Strauß "Sie können seine Größe nicht ertragen"

Feindbild für die einen, Idol für die anderen: Kaum ein Politiker polarisierte die Bundesrepublik so sehr wie Franz Josef Strauß. Für den bayerischen Finanzminister war der CSU-Übervater vor allem eines - ein politisches Vorbild.

Ein Fanbeitrag von Markus Söder

Markus Söder mit Strauß-Poster im Jugendzimmer: "Für mich war das cool"

Markus Söder mit Strauß-Poster im Jugendzimmer: "Für mich war das cool"


Franz Josef Strauß hat mich schon als Teenager fasziniert. Als 16-Jähriger erlebte ich ihn das erste Mal live. Es war eine Erfahrung, die mich nachhaltig begeisterte. Bei einem Wahlkampfauftritt 1983 stand ich mit Tausenden Zuhörern auf dem Nürnberger Hauptmarkt. Von der ersten Minute an war ich elektrisiert von diesem rhetorischen Kraftwerk. Spätestens als ich ihm nach der Rede die Hand schütteln durfte, stand für mich fest: in dieser Partei will ich mitwirken. Wegen Franz Josef Strauß bin ich also vor mehr als drei Jahrzehnten in die CSU eingetreten. Als junger Mann haben mich aber nicht nur seine rhetorische Kraft, sondern auch seine visionäre Weitsicht, seine Werte und sein mutiger Einsatz für Bayern und Deutschland beeindruckt.

Strauß war immer eine Person, die polarisiert hat. Die einen verehrten ihn, andere bekämpften ihn. Selbst in der Schule musste man sich damals entscheiden: FJS-Button oder "Stoppt Strauß!"-Plakette. Für mich eine leichte Wahl. Meine damalige Schultasche war übersät mit FJS-Buttons. Aber die offensichtlichste Entscheidung pro Strauß konnte man in meinem damaligen Jugendzimmer sehen. Während andere Teenager Fußballstars oder Popidole an ihren Wänden hatten, hing bei mir ein riesiges Poster von Franz Josef Strauß über meinem Bett. Für mich war das cool, weil ich Strauß cool fand.

Als Generalsekretär habe ich dann durch Edmund Stoiber so vieles mehr - vor allem auch Persönliches - über Strauß erfahren und verstanden: Klartext reden, seriös regieren, aber auch menschlich sein. So hatte FJS auch eine sensible Seite. Es bedarf politischer und menschlicher Größe, auch bei tiefsten Anfeindungen nicht aufzugeben, für seine Ideale einzustehen und seine Ziele weiterzuverfolgen.

"Überall hat der Name Strauß einen großen Klang"

Edmund Stoiber hat als junger Generalsekretär das Koordinatensystem der CSU von Strauß gelernt und mir und vielen anderen in der nächsten Generation weitergegeben. FJS gehört zu den ganz großen Staatsmännern der Bundesrepublik Deutschland und hat an der Seite von Konrad Adenauer und Ludwig Erhard die junge Bundesrepublik aufgebaut. Wenn heute - wie zu seinen Lebzeiten - erneut versucht wird, Franz Josef Strauß' Lebensleistung zu leugnen, fehlt mir jedes Verständnis. Strauß hat Anspruch darauf, dass man ihn an seinen politischen Leistungen misst und ihm im eigenen Land die gleiche Reputation zugesteht, wie er sie international bis heute genießt. Ob in China, Moskau, Israel oder im arabischen Raum - überall hat der Name Strauß einen großen Klang. FJS stand wie kein anderer für Bayern.

In der Stunde Null begann Strauß, die CSU in Bayern mit aufzubauen. In den Fünfzigerjahren tobten heftige Flügelkämpfe in der Partei. Damals bestand die konkrete Gefahr, dass sich die CSU zu einer strukturkonservativen Partei entwickeln würde. Der junge liberale Münchner Strauß sorgte dafür, dass die CSU attraktiv für alle Konfessionen wurde. Er modernisierte die Partei, öffnete sie für junge und städtische Wählergruppen, vereinte Wertkonservative und Wirtschaftsliberale zu der modernen Volkspartei CSU. Man könnte ihn auch als den Erfinder der Volkspartei in Deutschland bezeichnen. Er hat entscheidenden Anteil daran, dass die CSU bis heute die erfolgreichste Partei Europas ist.

Franz Josef Strauß war ein leidenschaftlicher Bayer, alles Provinzielle war ihm wesensfremd. Auf ihn geht zurück, dass die CSU zwar ausschließlich in Bayern antritt, aber bis heute einen nationalen Anspruch verkörpert und eine europäische Identität zeigt. Sein Credo war: "Bayern ist unsere Heimat, Deutschland unser Vaterland und Europa unsere Zukunft." Dies gilt für jeden CSUler bis heute. In all seinen Ämtern lebte Strauß diese Philosophie, ob als Bundesverteidigungsminister, Bundesfinanzminister, bayerischer Ministerpräsident oder langjähriger CSU-Vorsitzender. FJS hat Spuren in der bayerischen, in der nationalen und der internationalen Politik hinterlassen. Er hat die Bundeswehr aufgebaut und zu einer Friedensarmee gemacht. Und er war vielleicht der erfolgreichste Bundesfinanzminister.

"Der größte Sohn der CSU"

Seine größte politische Leistung in Bayern bestand ohne Frage darin, aus dem Agrarstaat, der sich mit der Wirtschaftskraft des Ruhrgebiets nicht vergleichen konnte, das wirtschaftlich modernste und erfolgreichste Bundesland zu formen. Er hat die zentrale Rolle der Energie für die wirtschaftliche Entwicklung früh erkannt und deswegen auf die Kernenergie gesetzt. Dass diese Energieart nach Fukushima und dem Aufkommen der alternativen Energien anders bewertet wird, schmälert seinen Verdienst nicht. In seine Zeit fiel auch die Entscheidung, Öl-Raffinerien in Bayern anzusiedeln und so dafür zu sorgen, dass Benzin im Freistaat nicht länger teurer war als an Rhein und Ruhr. Über moderate Energiepreise konnte sich die moderne Industrialisierung in Bayern entwickeln. Mit einem Wort: Franz Josef Strauß hat die Grundlagen für das moderne Bayern gelegt, das Edmund Stoiber und Horst Seehofer dann weiterentwickelt haben.

In der Deutschlandpolitik, die ihm ganz besonders am Herzen lag, erwies er sich als wahrhaft konservativer Visionär. Denn er war nie bereit, die Einheit Deutschlands zur Disposition zu stellen. Zugleich hat er den Glauben an eine Überwindung der deutschen Teilung und damit an die Wiedervereinigung nie aufgegeben. Mit der Klage Bayerns 1973 vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Grundlagenvertrag mit der DDR erzwang Franz Josef Strauß, dass die deutsche Frage offen gehalten wurde. Das erwies sich bei der Wende 1989 und der Wiedervereinigung 1990 als äußerst wertvoll. Bayern, die CSU und Strauß sind wegen dieser Klage innenpolitisch seinerzeit massiv angegriffen worden - vor der Geschichte haben sie recht behalten.

Man erlebt in diesen Tagen und Wochen vor Franz Josef Strauß' Geburtstag einmal mehr, dass ungehemmt Ressentiments gegen ihn geschürt werden. Da werden jahrzehntealte Klischees erneut bedient, um den überragenden Politiker zu diskreditieren. Die Opposition im bayerischen Landtag verweigert sogar ihre Teilnahme an der Feier zum 100. Geburtstag dieses bedeutenden bayerischen und deutschen Politikers - wie kleinkariert! In Wahrheit können sie seine Größe nicht ertragen - damals nicht und heute nicht. Für mich ist und bleibt Franz Josef Strauß politisches Vorbild. FJS ist der größte Sohn der CSU.

Zur Person
  • Markus Söder (*1967) ist bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat. Mitglied der CSU ist der Politiker seit 1983.



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insgesamt 120 Beiträge
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Seite 1
Lars Koch-Mehrin, 06.09.2015
1. Das glaube ich ........ Meinung!
Der Mann wirkt auch so, er wirkt wie das größte Ekel der Politik und wird wahrscheinlich jeden Morgen fremdrasiert, weil sich selber ansehen könnte selbst jemanden der sein Gewissen nach belieben ausschalten, waschen, abgeben oder auch neu uploaden kann demoralisierend wirken - zumal seden Morgen .....
Emanuel Gold, 06.09.2015
2.
Jetzt schreibt Söder schon im Spiegel. Zeit sich von dem Blatt zu verabschieden. Für Schleim gibt es das Goldene Blatt und den Bayernkurier.
Dave Brown, 06.09.2015
3. Herr Söder,
das hatte nichts mit Größe zu tun. Es war pure Arroganz, vom bitteren Rest mal ganz zu schweigen. Schade nur, daß man das in Bayern einfach nicht gebacken bekommt. Schade, aber immer hin erwartungsgemäß.
Kai Kallenberg, 06.09.2015
4. bestechlich?
...na und? Es gibt Länder in denen man überhaupt nur Politiker werden kann, wenn man käuflich ist!
Tobias Schloter, 06.09.2015
5. Super
Das sagt viel über Söder: schönreden, schönreden, schönreden....
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