Mauerfall Die wahren Revoluzzer

Ein Multimediaspezial von und

5. Teil: Kontakte: Kathrin Mahler-Walther über die Bedeutung der Telefone



"Niemand von uns hatte privat ein Telefon in seinem Wohnraum, das heißt wir brauchten Orte - auch, um uns zu vernetzen und Informationen zu tauschen, brauchten wir feste Telefone, wo man sich zu bestimmten Zeiten verabreden konnte, um miteinander zu telefonieren ."

Kathrin Mahler-Walther war 17 Jahre alt, als sie in die Mariannenstraße 46 in Leipzig zog. Das besetzte Haus war eine Wiege des Widerstands. Mahler-Walther wollte etwas tun gegen den Stillstand und die Unterdrückung im Land. Gemeinsam mit ihren Mitbewohnern arbeitete sie daran, dass der Protest gegen den SED-Staat immer lauter und frecher wurde. Die Bewohner der Mariannenstraße 46 und ihre Freunde waren immer in den ersten Reihen der Demonstrationen zu finden, die sie schon seit dem Sommer 1988 organisierten.

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Im Gemeindezentrum von Christoph Wonneberger war im Herbst 1989 ein Kontakttelefon installiert. Alle Westjournalisten hatten die Nummer, genauso Freunde anderer Oppositionsgruppen. Es gab regelmäßige Telefondienste, um sich auszutauschen, um neue Aktionen zu planen - zu tun gab es genug.

Kathrin Mahler-Walther arbeitete an den Untergrundschriften und Flugblättern. Oft tippte sie denselben Text immer wieder auf neue Matrizen, da jede einzelne nur ein paar Hundert Abzüge erlaubte. Ihre Mitstreiter verbreiteten die Aufrufe nachts in der Stadt. Die Leipziger fanden sie dann in ihren Briefkästen, in Telefonzellen oder auf den Sitzen der Straßenbahnen.

Uwe Schwabe und Katrin Walther heute
Peter Wensierski

Uwe Schwabe und Katrin Walther heute

Heute ist Mahler-Walther geschäftsführendes Vorstandsmitglied der EAF Berlin und berät Politik und Wirtschaft zur Förderung von Vielfalt und Chancengleichheit. Nach dem Mauerfall hat sie ihr Abi gemacht, Sozialwissenschaften in Jena, Berlin und New York studiert.

Was die Bewohner der Marianne 46 damals antrieb, beschreibt Mahler-Walther so:

"Die Frage, wie man Demokratie erlangen könnte und warum, das spielte eine Rolle für uns. Unsere Aktivitäten in den Kirchen, auf der Straße, in unseren Veröffentlichungen - das gab uns die Möglichkeit der Erfahrung von Selbstwirksamkeit, der Übung in öffentlicher Sprache und Auftreten, wie das selten möglich war in der DDR."



insgesamt 15 Beiträge
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Frank Adler, 08.11.2014
1. Es geht...ohne Technik...nur der Wille ist nötig!
Zitat:"Wie gelingt eine konzertierte Aktion - ohne Handy, Computer und SMS?...". Doch das geht - wenn sich eine Entwicklung lange vorher aufbaut, viele Menschen den Kanal voll haben, sich einig sind und wenige "Organisatoren des Widerstands" sich finden und über die Stadt hinaus persönlich Kontakte mit anderen Gruppen aufnehmen um die Ziele zu bündeln und den öffentlichen Widerstand vernünftig(!!) organisieren. Das wird aber wieder kommen, denn Internet, SMS und soziale Netzwerke sind jetzt angreifbar, manipulierbar oder abschaltbar. (Der Schwarze Block/die bestellten Kaoten im Netz sind bei jeder Demo dabei) Ich habe damals die Ereignisse als Ostdeutscher selbst miterlebt - hatte am 9.11.89 gerade Spätschicht - keiner bekam etwas mit. Erst im Autoradio auf dem Heimweg musste ich anhalten, weil ich nicht begriff was los war....und am 11.11.89 bin ich zu "Besuch" mit langen Staus auf der A2 in Braunschweig gewesen - noch nie war ich vorher im Westen - die Nacht war kalt, man hatte nichts zu Trinken mitgenommen - aber wir wurden herzlich empfangen und versorgt.
Kevin Prollmann, 09.11.2014
2. Damals und heute
Damals gab es zwar kein Internet oder Handy - aber es gab die Westmedien, die über die Proteste berichtet haben. Ein sehr großer Teil der DDR-Bürger haben sich regelmäßig über Tagesschau & Co. informiert. Die Medien hatten aber noch einen anderen Wert: Sie haben den DDR-Bürgern eine alternative Lebensweise aufgezeigt. Es gab Waren im Überfluss, irgendwelchen Luxus, es gab Reisefreiheit ... und viele Dinge, die in DDR keine Selbstverständlichkeit waren. Die Westmedien haben in der Wendezeit eine wichtige Rolle gespielt. Heute haben wir zwar Internet usw., Vernetzungen sind sehr einfach. Es gibt aber (im Gegensatz zur Wendezeit) keine Beispiele oder Visionen, wie unsere heutige Gesellschaft positiv verändert werden könnte. Niemand lebt uns eine bessere Gesellschaft beispielhaft vor. Viele Mißstände werden kritisiert, Totalüberwachnung gegen unsere eigenen Gesetzte durch BND/NSA, Vermögensumverteilung von unten nach oben, ein marodes Finanzsystem, ... Viele Medien haben die kritische Distanz zur Politik verloren. Dazu kommt eine allgemeine Reizüberflutung aller Bürger. Stündlich werden wir mit Horrormeldungen berieselt, nach einer momentanen Betroffenheit ist kurze Zeit später das Thema durch. Kaum jemand läßt sich auf ein Thema vertiefend ein. Es gibt viele Gründe, warum heute gesellschaftliche Veränderungen mindestens genau so schwer sind, als zur Wendezeit.
david nuglisch, 09.11.2014
3. Müde
Ich war 1989 23 Jahre alt, Student, und vom ersten Tag an dabei am Dresdner Hauptnahnhof. Ich fühle mich nicht als Held, wenn die Polizei geschossen hätte, hätten es viele von uns nicht überlebt. Wie auch immer - diese mediale Ausschlachtung nervt nur noch und wird zunehmend unerträglich.
Werner Sobek, 09.11.2014
4. frau merkel war nicht dabei
und auch heute zeugt die tatsache, dass sie nichts gegen den milionenfachen verstoss der NSA gegen unssere grundrechte unternimmt, dass sie offensichtlich keinen bezug zu inhalten wie freiheit und gerechtigkeit hat.
Adam Ende, 09.11.2014
5. Die Revolution...
...fraß ihre Kinder. Die wirklich beste Zeit war Ende 89 bis zur Wi(e)dervereinigung. Eigentlich nur bis zur Währungsunion. Das war dann der Verkauf der Revolution. Verkauft mit Bananen und leeren Versprechungen. Über gewisse profilierungssüchtige Politiker aus dem Westen wurden die Ideale der Veränderung im Osten verscherbelt. Der Verdurstende in der Wüste gab alles für etwas Wasser. Schade, die DDR war nicht Polen oder Tschechien. Keine Chance auf ein besseres Land mit eigenen Gesetzen, ohne übergestülpte Rechtsformen mittels Paragraph 23. Wenigstens hatte auch die Bonner Repuplik keinen Bestand mehr und die Ex DDR lag schwer im Magen. Die blühenden Landschaften gründeten sich durch Abriß und Schrumpfung. Noch heute sind die Folgen zu sehen.
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