25 Jahre Mauerfall Die wahren Revoluzzer

Ein Multimediaspezial von und

8. Teil: Keine Gewalt: Christoph Wonneberger über Unfreiheit und Perspektiven



"Unfreiheiten gibt's überall. Und gegen die Unwahrheit muss man immer was tun, egal wo man lebt. Wenn man nicht bloß den Kopf in den Sand stecken will, dann muss man es versuchen. Als aufrechter Mensch muss man was tun."
Am 9. Oktober erschien um 22.30 Uhr ein Foto von ihm in den "Tagesthemen", Christoph Wonneberger berichtet per Telefon in den Westen. Der Moderator, Hanns-Joachim Friedrichs, fragte ihn nach "den Demonstrationen heute Abend in Leipzig", die habe es "in diesem Maß noch nie gegeben". Wonneberger schätzte die Teilnehmer auf bis zu 80.000 Menschen. Friedrichs: "Die waren alle friedlich?" Wonneberger: "Es hat keine Auseinandersetzung gegeben… Wir waren in großer Angst heute und haben in allen Kirchen einen Appell verbreitet, auf Gewalt zu verzichten."

Gewaltlosigkeit hat Wonneberger immer wieder gepredigt, wie viele seiner Kollegen auch.

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In der DDR haben viele keine Perspektive mehr gesehen. Es gab einige, die dann plötzlich den Zugang zu unseren Gruppen gefunden haben, die dann gesagt haben: Ach, wenn ich das gewusst hätte, dass es so was gibt! Dass es Gruppen gibt, die daran arbeiten, dass sich was verändert! Das war ja immer an der Grenze dessen, was geduldet wurde, sowohl in der Kirche als auch im Staat."
Wonneberger hat ein Lieblingsbuch: Das Essay "Versuch, in der Wahrheit zu leben". Geschrieben hat es der tschechische Schriftsteller Vaclav Havel, der vom Oppositionellen zum Staatspräsidenten wurde. Es ist eine Anleitung, wie man sich unter den widrigen Bedingungen einer Diktatur anständig verhalten kann. Wonneberger hat sich für das konsequente Einmischen entschieden und wurde zu einer der prägenden Figuren der Revolution. Schon in seiner ersten Pfarrstelle in Dresden kämpfte er gegen die Militarisierung im SED-Staat für einen zivilen Ersatzdienst und begründete die Tradition der Friedensgebete. 1985 wechselte er nach Leipzig und wurde der Koordinator in der Nikolaikirche. Wonneberger war immer streitbar und unbequem, für den Staat ebenso wie für seine eigene Kirche.

"Der größte Freiraum, den ich gesehen habe, war Pfarrer zu sein. So viele Freiheiten hat niemand gehabt wie ein Pfarrer in der DDR. Ich war auch gegenüber der Kirche nicht angepasst, und da gab es natürlich ständig Auseinandersetzungen."

Heute ist Wonneberger nicht mehr politisch aktiv, aber nicht unpolitisch. Er kritisiert die Waffenexporte der Bundesregierung und tritt vehement für eine friedliche Lösung von Konflikten ein. Mit 70 Jahren fuhr er mit seinem Rad recht zügig mal eben von Paris nach Moskau.



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Frank Adler, 08.11.2014
1. Es geht...ohne Technik...nur der Wille ist nötig!
Zitat:"Wie gelingt eine konzertierte Aktion - ohne Handy, Computer und SMS?...". Doch das geht - wenn sich eine Entwicklung lange vorher aufbaut, viele Menschen den Kanal voll haben, sich einig sind und wenige "Organisatoren des Widerstands" sich finden und über die Stadt hinaus persönlich Kontakte mit anderen Gruppen aufnehmen um die Ziele zu bündeln und den öffentlichen Widerstand vernünftig(!!) organisieren. Das wird aber wieder kommen, denn Internet, SMS und soziale Netzwerke sind jetzt angreifbar, manipulierbar oder abschaltbar. (Der Schwarze Block/die bestellten Kaoten im Netz sind bei jeder Demo dabei) Ich habe damals die Ereignisse als Ostdeutscher selbst miterlebt - hatte am 9.11.89 gerade Spätschicht - keiner bekam etwas mit. Erst im Autoradio auf dem Heimweg musste ich anhalten, weil ich nicht begriff was los war....und am 11.11.89 bin ich zu "Besuch" mit langen Staus auf der A2 in Braunschweig gewesen - noch nie war ich vorher im Westen - die Nacht war kalt, man hatte nichts zu Trinken mitgenommen - aber wir wurden herzlich empfangen und versorgt.
Kevin Prollmann, 09.11.2014
2. Damals und heute
Damals gab es zwar kein Internet oder Handy - aber es gab die Westmedien, die über die Proteste berichtet haben. Ein sehr großer Teil der DDR-Bürger haben sich regelmäßig über Tagesschau & Co. informiert. Die Medien hatten aber noch einen anderen Wert: Sie haben den DDR-Bürgern eine alternative Lebensweise aufgezeigt. Es gab Waren im Überfluss, irgendwelchen Luxus, es gab Reisefreiheit ... und viele Dinge, die in DDR keine Selbstverständlichkeit waren. Die Westmedien haben in der Wendezeit eine wichtige Rolle gespielt. Heute haben wir zwar Internet usw., Vernetzungen sind sehr einfach. Es gibt aber (im Gegensatz zur Wendezeit) keine Beispiele oder Visionen, wie unsere heutige Gesellschaft positiv verändert werden könnte. Niemand lebt uns eine bessere Gesellschaft beispielhaft vor. Viele Mißstände werden kritisiert, Totalüberwachnung gegen unsere eigenen Gesetzte durch BND/NSA, Vermögensumverteilung von unten nach oben, ein marodes Finanzsystem, ... Viele Medien haben die kritische Distanz zur Politik verloren. Dazu kommt eine allgemeine Reizüberflutung aller Bürger. Stündlich werden wir mit Horrormeldungen berieselt, nach einer momentanen Betroffenheit ist kurze Zeit später das Thema durch. Kaum jemand läßt sich auf ein Thema vertiefend ein. Es gibt viele Gründe, warum heute gesellschaftliche Veränderungen mindestens genau so schwer sind, als zur Wendezeit.
david nuglisch, 09.11.2014
3. Müde
Ich war 1989 23 Jahre alt, Student, und vom ersten Tag an dabei am Dresdner Hauptnahnhof. Ich fühle mich nicht als Held, wenn die Polizei geschossen hätte, hätten es viele von uns nicht überlebt. Wie auch immer - diese mediale Ausschlachtung nervt nur noch und wird zunehmend unerträglich.
Werner Sobek, 09.11.2014
4. frau merkel war nicht dabei
und auch heute zeugt die tatsache, dass sie nichts gegen den milionenfachen verstoss der NSA gegen unssere grundrechte unternimmt, dass sie offensichtlich keinen bezug zu inhalten wie freiheit und gerechtigkeit hat.
Adam Ende, 09.11.2014
5. Die Revolution...
...fraß ihre Kinder. Die wirklich beste Zeit war Ende 89 bis zur Wi(e)dervereinigung. Eigentlich nur bis zur Währungsunion. Das war dann der Verkauf der Revolution. Verkauft mit Bananen und leeren Versprechungen. Über gewisse profilierungssüchtige Politiker aus dem Westen wurden die Ideale der Veränderung im Osten verscherbelt. Der Verdurstende in der Wüste gab alles für etwas Wasser. Schade, die DDR war nicht Polen oder Tschechien. Keine Chance auf ein besseres Land mit eigenen Gesetzen, ohne übergestülpte Rechtsformen mittels Paragraph 23. Wenigstens hatte auch die Bonner Repuplik keinen Bestand mehr und die Ex DDR lag schwer im Magen. Die blühenden Landschaften gründeten sich durch Abriß und Schrumpfung. Noch heute sind die Folgen zu sehen.
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