25 Jahre Mauerfall Die wahren Revoluzzer

Ein Multimediaspezial von und



Wer brachte Deutschland den Mauerfall? Viele Helden waren damals gerade mal Anfang 20, SPIEGEL ONLINE hat sie getroffen.

Am Abend des 9. November 1989 verkündet Günter Schabowski als Vertreter der DDR-Führung auf einer internationalen Pressekonferenz die liberalste Reiseregelung der DDR seit dem Mauerbau. Eigentlich soll die Reiseerlaubnis mit Pass und Visum erst vom nächsten Tag an gelten. Doch das Westfernsehen meldet schon am Abend: "DDR öffnet Grenze". Danach gibt es kein Halten mehr.

Immer mehr Ost-Berliner drängen zu den Übergangsstellen der Berliner Mauer und verlangen von den überraschten Grenzposten, die neue Reiseregelung sofort umzusetzen. Kurz nach Mitternacht sind alle Grenzübergänge offen. Der Kalte Krieg und die Teilung der Welt in zwei feindliche Blöcke sind beendet.

Es waren nicht Politiker oder Diplomaten, die dies geschafft haben. Kein Helmut Kohl, kein Michail Gorbatschow, kein Machthaber hat am 9. November einen Schalter umgelegt. Es waren viele Menschen, vor allem junge Ostbürger, die Tage und Wochen auf diesen Moment hingearbeitet haben. Sie wollten das Ende des Altherren-Regimes, sie wollten, dass sich die Dinge in ihrem Land ändern.

Sie demonstrierten überall im Land, trotz Angst vor Gewalt, persönlichen Nachteilen oder drohender Inhaftierung. Sie sagten offen ihre Meinung, schrieben sie auf Plakate oder sangen - obwohl Stasispitzel jedes angebliche Vergehen notierten und Einzelne verhaftet wurden. Die Menschen wurden immer lauter und forderten Dinge, die ihnen ein Leben lang verwehrt worden waren - und gemeinsam schafften sie das Wunder.

25 Jahre nach dem Mauerfall hat SPIEGEL ONLINE einige der wichtigsten Revoluzzer getroffen. Wir wollten wissen: Wie schafft man eine friedliche Revolution? Wie gelingt eine konzertierte Aktion - ohne Handy, Computer und SMS? Was gehörte zu den Zutaten?

Es gab mehr Demonstrationen in der DDR als gemeinhin bekannt. In den neun Monaten zwischen August 1989 und April 1990 gab es mehr als 3500 Protestaktionen im SED-Staat. Die Menschen gingen in kleinen und kleinsten Städten genauso auf die Straße wie in Ost-Berlin, Dresden oder Leipzig.

Die interaktive Karte zeigt, wo und wann die Demos gegen die SED-Führung stattfanden und wie viele Menschen daran teilnahmen. Die Daten stammen aus dem Archiv der Bürgerbewegung Leipzig.

Wählen Sie mit der Maus einen Bereich im Diagramm unter der Karte aus und bewegen Sie diesen Bereich, um den Zeitverlauf im Detail nachzuvollziehen.

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insgesamt 15 Beiträge
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Frank Adler, 08.11.2014
1. Es geht...ohne Technik...nur der Wille ist nötig!
Zitat:"Wie gelingt eine konzertierte Aktion - ohne Handy, Computer und SMS?...". Doch das geht - wenn sich eine Entwicklung lange vorher aufbaut, viele Menschen den Kanal voll haben, sich einig sind und wenige "Organisatoren des Widerstands" sich finden und über die Stadt hinaus persönlich Kontakte mit anderen Gruppen aufnehmen um die Ziele zu bündeln und den öffentlichen Widerstand vernünftig(!!) organisieren. Das wird aber wieder kommen, denn Internet, SMS und soziale Netzwerke sind jetzt angreifbar, manipulierbar oder abschaltbar. (Der Schwarze Block/die bestellten Kaoten im Netz sind bei jeder Demo dabei) Ich habe damals die Ereignisse als Ostdeutscher selbst miterlebt - hatte am 9.11.89 gerade Spätschicht - keiner bekam etwas mit. Erst im Autoradio auf dem Heimweg musste ich anhalten, weil ich nicht begriff was los war....und am 11.11.89 bin ich zu "Besuch" mit langen Staus auf der A2 in Braunschweig gewesen - noch nie war ich vorher im Westen - die Nacht war kalt, man hatte nichts zu Trinken mitgenommen - aber wir wurden herzlich empfangen und versorgt.
Kevin Prollmann, 09.11.2014
2. Damals und heute
Damals gab es zwar kein Internet oder Handy - aber es gab die Westmedien, die über die Proteste berichtet haben. Ein sehr großer Teil der DDR-Bürger haben sich regelmäßig über Tagesschau & Co. informiert. Die Medien hatten aber noch einen anderen Wert: Sie haben den DDR-Bürgern eine alternative Lebensweise aufgezeigt. Es gab Waren im Überfluss, irgendwelchen Luxus, es gab Reisefreiheit ... und viele Dinge, die in DDR keine Selbstverständlichkeit waren. Die Westmedien haben in der Wendezeit eine wichtige Rolle gespielt. Heute haben wir zwar Internet usw., Vernetzungen sind sehr einfach. Es gibt aber (im Gegensatz zur Wendezeit) keine Beispiele oder Visionen, wie unsere heutige Gesellschaft positiv verändert werden könnte. Niemand lebt uns eine bessere Gesellschaft beispielhaft vor. Viele Mißstände werden kritisiert, Totalüberwachnung gegen unsere eigenen Gesetzte durch BND/NSA, Vermögensumverteilung von unten nach oben, ein marodes Finanzsystem, ... Viele Medien haben die kritische Distanz zur Politik verloren. Dazu kommt eine allgemeine Reizüberflutung aller Bürger. Stündlich werden wir mit Horrormeldungen berieselt, nach einer momentanen Betroffenheit ist kurze Zeit später das Thema durch. Kaum jemand läßt sich auf ein Thema vertiefend ein. Es gibt viele Gründe, warum heute gesellschaftliche Veränderungen mindestens genau so schwer sind, als zur Wendezeit.
david nuglisch, 09.11.2014
3. Müde
Ich war 1989 23 Jahre alt, Student, und vom ersten Tag an dabei am Dresdner Hauptnahnhof. Ich fühle mich nicht als Held, wenn die Polizei geschossen hätte, hätten es viele von uns nicht überlebt. Wie auch immer - diese mediale Ausschlachtung nervt nur noch und wird zunehmend unerträglich.
Werner Sobek, 09.11.2014
4. frau merkel war nicht dabei
und auch heute zeugt die tatsache, dass sie nichts gegen den milionenfachen verstoss der NSA gegen unssere grundrechte unternimmt, dass sie offensichtlich keinen bezug zu inhalten wie freiheit und gerechtigkeit hat.
Adam Ende, 09.11.2014
5. Die Revolution...
...fraß ihre Kinder. Die wirklich beste Zeit war Ende 89 bis zur Wi(e)dervereinigung. Eigentlich nur bis zur Währungsunion. Das war dann der Verkauf der Revolution. Verkauft mit Bananen und leeren Versprechungen. Über gewisse profilierungssüchtige Politiker aus dem Westen wurden die Ideale der Veränderung im Osten verscherbelt. Der Verdurstende in der Wüste gab alles für etwas Wasser. Schade, die DDR war nicht Polen oder Tschechien. Keine Chance auf ein besseres Land mit eigenen Gesetzen, ohne übergestülpte Rechtsformen mittels Paragraph 23. Wenigstens hatte auch die Bonner Repuplik keinen Bestand mehr und die Ex DDR lag schwer im Magen. Die blühenden Landschaften gründeten sich durch Abriß und Schrumpfung. Noch heute sind die Folgen zu sehen.
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