Medizintourismus Spritztour zur Spritzkur

Für den rumänischen Diktator Ceausescu war sie eine erfolgreiche Devisenbeschafferin: Weltstars wie Pablo Picasso und Marlene Dietrich schworen auf die Anti-Aging-Kuren der Bukarester Ärztin Ana Aslan. Helmar Meinel begegnete der Wissenschaftlerin 1969 - und erlebte einen skurrilen Auftritt ihres mächtigen Gönners.


Der gefürchtete rumänische Diktator Nicolae Ceausescu und seine vom Ehrgeiz angenagte Ehefrau Elena hätten steinalt werden können, wenn ihnen nicht unerwartet ein historisches Ereignis dazwischengekommen wäre - ihre gemeinsame Hinrichtung während des Aufstands ihres geknechteten Volkes am zweiten Weihnachtsfeiertag 1989. Das Paar hatte nämlich über viele Jahre hinweg voll auf eine gerontologische Therapie gesetzt, die von der mit Ehrungen überhäuften und großzügig staatlich geförderten rumänischen Ärztin und Wissenschaftlerin Ana Aslan gegen den vorzeitigen Alterungsprozess im menschlichen Organismus entwickelt worden war.

Im staatlichen Institut für Geriatrische Forschungen und Gerontologie in Bukarest ließen es sich die Ceausescus an einem eiskalten Januartag des Jahres 1969 nicht nehmen, ihrer Wunderheilerin vor den Augen deutscher Ärzte und Journalisten - so auch mir - zu assistieren. Die rumänische Botschaft hatte das Treffen vermittelt.

Während des Vortrags von Frau Professor Aslan öffnete sich plötzlich geräuschlos eine Art Tapetentür. Der Staatschef und seine Frau traten ein und nahmen wortlos auf zwei Stühlen an der Seite Platz - ich war überrascht, wie klein sie waren. Mit lebhaftem Minenspiel nickte der kommunistische Diktator zu den Ausführungen der Genossin Wissenschaftlerin, während seine wohlfrisierte Gattin lieber ungeniert die kapitalistischen Schreiberlinge beobachtete. Nach etwa fünf Minuten stand Ceausescu auf, ließ ein Grußwort - irgendwas in der Art "Friede, Freude, Eierkuchen" - übersetzen und verschwand so leise mit seiner schönen Elena, wie er gekommen war.

Betäubungsmittel mit Obstessig

Doch es waren nicht nur Gewaltherrscher wie die Ceausescus, die ihr Leben gern noch etwas in die Länge ziehen und auf keinen Fall gebrechlich werden wollten. Nach der Aslan-Methode, die zu einer Modetherapie geworden war, ließen sich Persönlichkeiten wie Nikita Chruschtschow, Pablo Picasso, Marlene Dietrich, Charles de Gaulle, Charlie Chaplin und angeblich auch Konrad Adenauer behandeln. Falls die Kur bei ihm nicht angeschlagen hat, kann sie ihm zumindest nicht geschadet haben - so jugendlich, wie er noch weit über 8o in der Öffentlichkeit agierte.

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Medizintourismus: Spritztour zur Spritzkur

Ana Aslan hatte den Wirkstoff Procain, der bis dahin nur als örtlich angewendetes Betäubungsmittel eingesetzt worden war, neu entdeckt. Die bis heute von den meisten Schulmedizinern nicht anerkannte und von den Krankenkassen nicht bezahlte Therapie besteht aus Injektionen mit Procain - in Verbindung mit weiteren naturheilkundlichen Anwendungen, wie einem täglichen Trunk aus Obstessig. "Man kann den Alterungsprozess nicht völlig stoppen", hatte Ana Aslan in ihrem Institut erklärt, "aber er lässt sich deutlich verzögern."

Auf Schritt und Tritt von gut deutsch sprechenden Attachés betreut, bekamen wir in dem Institut auch gleich eine "Kurzkur" angeboten. Für den Nachweis der Wirksamkeit des rumänischen Jungbrunnens wollte man uns gern entsprechend erfahrene Badenixen vermitteln. Soweit ich mich erinnere, war allerdings niemand dazu bereit, sich in einem Ostblockland Spritzen setzen zu lassen. Die vom Staat angekurbelte Kampagne, mit der Ana Aslan im Westen als Devisenbringerin herumgereicht werden sollte, fand nicht allzu viel Widerhall in den beteiligten deutschen Medien.

Nachweis posthum

Über den Wert der Methode gab es in den deutschen Blättern eher sachliche Diskussionen, die bis heute noch nicht abgeschlossen sind. Einige naturheitlich orientierte Kliniken wenden die Aslan-Methode weiterhin an. In Amsterdam gibt es noch eine "Aslan-Holding", die alte rumänische Patente für die Mixturen verwertet. Auch in Rumänien werden in Kurorten unvermindert "Aslan-Pakete" angeboten.

Ob sie wirklich helfen, ist wohl nur aus dem Lebensgefühl des Betrachters heraus zu beantworten, und Skeptiker meinen: "Mit Aslan wie hoch 69, ohne Aslan wie 70!" Die Entdeckerin der Therapie selber könnte jedoch posthum durchaus in Anspruch nehmen, zumindest für sich einen unwiderlegbaren Wirksamkeitsnachweis ihrer Methode geführt zu haben. Als sie 1988 in den ersten Vorwirren der Wende in Bukarest wenige Monate vor ihren Gönnern eines friedlichen, natürlichen Todes starb, befand sie sich im gesegneten Alter von immerhin 92 Jahren.



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Mihai Robert Soran, 12.03.2008
1.
Ehrlich gesagt, finde ich den Beitrag und den Album besonders erbärmlich, da getränkt mit falschen Behauptungen und unwahren "Beobachtungen", sowie mit NULL informativen Gehalt. Übrigens, ich war in Dezember 1968 bis März 1969 als studentischer Praktikant und Übersetzer bei Frau Prof. Aslan in der Rolle eines Medienassistenten abkommandiert, und habe sie meist von morgens bis abends begleiten müssen. Also war ich auch bei allen "events" während der erwähnten Zeit nicht nur dabei, sondern mit verantwortlich für die Organisation. Dort hat es während dieser Zeit keinen Auftritt ds Ceausescu-Paares gegeben und es ist schlicht ein Zeugnis von Geistesarmut, solch eine - faktisch absurde - Aussage (der große Ceausescu kommt, um unbedeutenden Mediziner- und Journalisten-Chargen aus BRD seine Aufwartung zu machen !?!?!)zu machen zu treffen. Hier grenzt der Beitrag an Impostur (s. "impostor" bzw. "imposteur"). Es entspricht auch nicht der Wahrheit, dass Westdeutsch sich in Bukarest nicht rege spritzen ließen. Es gab eine überbordende Termin- und eine lange Warteliste für Deutsche, die sich für stationäre und ambulante Spritzbehandlungskuren (es gab/gibt auch eine billigere heimische Ageing-Therapie mit Tabletten) gemeldet hatten. Ich habe damals unmittelbaren Zugang zu den Hunderten von Einträgen mit den Personalien deutscher Journalisten, Politikern, Künstlern und gewöhnlichen Bürgern gehabt ... Die Mutter einer meiner Freundinnen, die nach 1970 lange Jahre mit ihrer Tochter in Hessen praktiziert hat, besitzt darüber viele Unterlagen, da sie als Oberärztin und persönliche Assistentin von Prof. Dr. Aslan war. Noch zwei offensichtliche Unwahrheiten: NIE wurden in der Klinik von Prof. Aslan "Kurzkuren" angeboten, da es jedem Analphabeten bekannt war, dass GH3 / "Procain" erst nach monatelanger Kur mit zwei Serien von mindestens je 12 Injektionen über einen Zeitraum von mindestens 2,5 Monaten Wirkung zeigt. Der sarkastische Witz mit dem Angebot an "Badenixen" (der Autor meint natürlich Prostituierte ...) ist der dreisteste Teil des Berichtsurrogats. Wo keine Bäder angewandt werden, dort werden auch keine "Badenixen" vorrätig gehalten Wenn man schon Prof. Aslan nennt, dann darf auch nicht verschwiegen werden, dass "Ihr" Institut von Ihrem wissenschaftlichen Bewunderer und Gönner, dem Endokrinologen Prof. Dr. med. C-I. Parhon, der zeitweilig auch Vorsitzender der Großen Nationalversammlung und damit der VR Rumänien war, gegründet wurde. Frau Aslan hat unter seiner Anleitung gearbeitet. Parhon hat weltweit das erste Lehrbuch der Endokrinologie 1909 (!)veröffentlicht und wurde 1939 Präsident der Rumänischen Akademie der Wissenschaften. Prof. Parhon starb in August 1969 im Alter von 95 Jahren (ganz verfrüht) an einer akuten Infektion, die durch einen Sturz und anschließender Wundverunreingung verursacht wurde. Schicksal, könnte man sagen ... Übrigens, ich und meine Familie hatten Kontakte sowohl zu Prof. Parhon, der meinen Vater zum Direktor von mehreren rumänischen Institute ernannte als auch Prof. Aslan (nich nur aus meiner studentischen Episode 1968-69) und N. Ceausescu, von dem ich den Auftrag bekam, für ihn - und nur für ihn persönlich - die erste rumänische Übersetzung eines Marketing-Lehrbuchs aus dem Englischen zu machen. Empfohlen wurde ich ihm von seiner Tochter, mit der ich 1968 - 1970 zusammen am der Bukarester Universität studierte, und zusätzlich auch die Bukarester "ASta" der Rumänischen Studentenunion leiteten. Also weiss ich nur zu gut, wovon ich rede. Mihai Robert Soran von Grosswardein, geb. Schwartz
Helmar Meinel, 12.03.2008
2.
>Ehrlich gesagt, finde ich den Beitrag und den Album besonders erbärmlich, da getränkt mit falschen Behauptungen und unwahren "Beobachtungen", sowie mit NULL informativen Gehalt. > >Übrigens, ich war in Dezember 1968 bis März 1969 als studentischer Praktikant und Übersetzer bei Frau Prof. Aslan in der Rolle eines Medienassistenten abkommandiert, und habe sie meist von morgens bis abends begleiten müssen. > >Also war ich auch bei allen "events" während der erwähnten Zeit nicht nur dabei, sondern mit verantwortlich für die Organisation. Dort hat es während dieser Zeit keinen Auftritt ds Ceausescu-Paares gegeben und es ist schlicht ein Zeugnis von Geistesarmut, solch eine - faktisch absurde - Aussage (der große Ceausescu kommt, um unbedeutenden Mediziner- und Journalisten-Chargen aus BRD seine Aufwartung zu machen !?!?!)zu machen zu treffen. Hier grenzt der Beitrag an Impostur (s. "impostor" bzw. "imposteur"). > >Es entspricht auch nicht der Wahrheit, dass Westdeutsch sich in Bukarest nicht rege spritzen ließen. > >Es gab eine überbordende Termin- und eine lange Warteliste für Deutsche, die sich für stationäre und ambulante Spritzbehandlungskuren (es gab/gibt auch eine billigere heimische Ageing-Therapie mit Tabletten) gemeldet hatten. Ich habe damals unmittelbaren Zugang zu den Hunderten von Einträgen mit den Personalien deutscher Journalisten, Politikern, Künstlern und gewöhnlichen Bürgern gehabt ... > >Die Mutter einer meiner Freundinnen, die nach 1970 lange Jahre mit ihrer Tochter in Hessen praktiziert hat, besitzt darüber viele Unterlagen, da sie als Oberärztin und persönliche Assistentin von Prof. Dr. Aslan war. > >Noch zwei offensichtliche Unwahrheiten: NIE wurden in der Klinik von Prof. Aslan "Kurzkuren" angeboten, da es jedem Analphabeten bekannt war, dass GH3 / "Procain" erst nach monatelanger Kur mit zwei Serien von mindestens je 12 Injektionen über einen Zeitraum von mindestens 2,5 Monaten Wirkung zeigt. > >Der sarkastische Witz mit dem Angebot an "Badenixen" (der Autor meint natürlich Prostituierte ...) ist der dreisteste Teil des Berichtsurrogats. Wo keine Bäder angewandt werden, dort werden auch keine "Badenixen" vorrätig gehalten > >Wenn man schon Prof. Aslan nennt, dann darf auch nicht verschwiegen werden, dass "Ihr" Institut von Ihrem wissenschaftlichen Bewunderer und Gönner, dem Endokrinologen Prof. Dr. med. C-I. Parhon, der zeitweilig auch Vorsitzender der Großen Nationalversammlung und damit der VR Rumänien war, gegründet wurde. > >Frau Aslan hat unter seiner Anleitung gearbeitet. Parhon hat weltweit das erste Lehrbuch der Endokrinologie 1909 (!)veröffentlicht und wurde 1939 Präsident der Rumänischen Akademie der Wissenschaften. > >Prof. Parhon starb in August 1969 im Alter von 95 Jahren (ganz verfrüht) an einer akuten Infektion, die durch einen Sturz und anschließender Wundverunreingung verursacht wurde. Schicksal, könnte man sagen ... > >Übrigens, ich und meine Familie hatten Kontakte sowohl zu Prof. Parhon, der meinen Vater zum Direktor von mehreren rumänischen Institute ernannte als auch Prof. Aslan (nich nur aus meiner studentischen Episode 1968-69) und N. Ceausescu, von dem ich den Auftrag bekam, für ihn - und nur für ihn persönlich - die erste rumänische Übersetzung eines Marketing-Lehrbuchs aus dem Englischen zu machen. Empfohlen wurde ich ihm von seiner Tochter, mit der ich 1968 - 1970 zusammen am der Bukarester Universität studierte, und zusätzlich auch die Bukarester "ASta" der Rumänischen Studentenunion leiteten. > >Also weiss ich nur zu gut, wovon ich rede. > >Mihai Robert Soran von Grosswardein, geb. Schwartz Auch als offenbar enger Vertrauter Ceausecus und Aslans muß der Kritiker damals ja wohl nicht über jede Aktivität informiert gewesen sein, zumal bei dieser Präsentation ohnehin das rumänische Außenministerium verantwortlich zeichnete, das nicht nur den Auftritt in dem Institut, sondern noch zwei weitere Termine, eine Art gemütliches Kaffeetrinken mit Frau Aslan im Hotel "Athene" und eine ziemlich triste Zusammenkunft mit dem Staatschef im Parlamentsgebäude (es durften keine Fragen gestellt werden) organisiert hatte. Dabei blieben wir die ganze Zeit völlig abgeschirmt, es gab noch nicht einmal Kontakte zu rumänischen Zeitungsleuten oder Ärzten. Die Kurzkuren mit 12 Spritzen wurden sehr wohl angeboten (wie noch heute in rumänischen Hotels). Was die "Badenixen" (natürlich nicht wörtlich gemeint) anbetrifft, reisten sie uns gemeinsam mit ihren unverkennbaren Betreuern von der Securite bis nach Brasov in den anschließenden Wintersport für weichzukochende westliche Devisenbringer nach ...
Helmar Meinel, 12.03.2008
3.
Die Delegation "unbedeutender Mediziner- und Journalistenchargen der BRD" aus dem Jahr 1970 (nicht 1969) war dem rumänischen Staat im Zuge der dringend nötigen Devisenbeschaffung immerhin eine hochrangige ständige Begleitung durch den Ersten Botschaftsrat und Botschafterstellvertreter in der Bundesrepublik C.Parvu und den Leiter der Aussenhandelsvertretung in Frankfurt, Minchevici, wert. Dass der Auftritt Ceausecus "getürkt" oder gar gedoubelt gewesen sein könnte, wäre zwar nach den Tricks des damaligen Regimes und seiner Sicherheits- und Propagandaorgane nicht völlig auszuschließen, aber es gab dafür nicht den geringsten Hinweis, zumal der Staatschef uns ja noch einmal "live" begegnete.
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