Mekkas der Moderne Was sind die Tempel des Wissens?

Wer glaubt, teilt mit anderen Gläubigen oft die Verbundenheit mit einem ganz besonderen Ort - sei es Jerusalem, Rom oder Mekka. Aber welche Orte sind die Zentren des säkularen Glaubens an Wissenschaft und Forschung? einestages sucht die Mekkas der Moderne - von Berlin bis Bologna, von London bis Ludwigshafen.

AP

Der Katholizismus hat den Vatikan, das Judentum die Klagemauer, der Islam hat Mekka, der Buddhismus den Berg Kailasch. Aber gibt es auch Orte, an denen sich wissenschaftlich orientierte Weltanschauungen in besonderer Weise manifestieren? Gibt es säkulare Pilgerstätten der Wissenschaft und Forschung? Wären dies Orte der kühlen Erkenntnis, der sinnlichen Anschauung oder gar des emotionalen Berührtseins?

Vermutlich sehen sie für jedes Fach anders aus, je nachdem, ob es eher von Darwin, Freud oder Newton geprägt ist. Gemeinsam wäre ihnen, dass sie eine besondere Autorität ausstrahlen, manche Besucher betreten diese Orte gar mit Ehrfurcht: das Teilchenforschungszentrum Cern in Genf vielleicht, die Library of Congress in Washington oder das British Museum in London, das jährlich fast fünf Millionen Besucher aus aller Welt anzieht - weit mehr als der Vatikan und Mekka selbst. Gibt es so etwas wie Pilgerstätten für Wissenschaftsfreunde: Mekkas der Moderne?

Wartburg oder Jakobsweg?

Dieser Frage geht diese Artikelserie nach, eine Zusammenarbeit zwischen einestages und der Jungen Akademie. Forscher, Autoren und Journalisten berichten an dieser Stelle von ihren ganz persönlichen Mekkas der Moderne - und die einestages-Mitglieder können die Vorschläge durch ihre eigenen Mekkas der Moderne ergänzen.

Ziel ist es nicht, sich auf einen einzigen Ort zu einigen. Die Mekkas der Moderne - falls sie existieren - kann es nur im Plural geben. Aber das geht anderen Weltanschauungen ähnlich: Das Christentum bietet seinen Anhängern nicht nur Rom zur Pilgerreise an, sondern auch die Wartburg oder den Jakobsweg, und sogar Mekka war nicht immer das unumstrittene Zentrum des Islam, denn da waren immer auch Medina und der Felsendom in Jerusalem.

Was ist Ihr Mekka der Moderne?

Der Titel der Serie ist bewusst widersprüchlich gewählt, er verdeutlicht die Schnittstellen, Parallelen und Grauzonen zwischen säkularer Wissenschaft und Religiosität. Denn auch Wissenschaft hat für säkular denkende Menschen manchmal eine erhebende, beinahe spirituelle Dimension. Und sie schließt umgekehrt bekennende Religiosität nicht aus.

Was ist Ihr Mekka der Moderne - und warum? Welche Erlebnisse überhöhen eine Universität, ein Museum, ein Labor in einer Weise, dass der Titel eines Mekkas gerechtfertigt sein könnte? Teilen Sie Ihre Ideen in der Diskussion auf einestages!


Unsere Mekkas der Moderne:

British Museum in London: Das Wohnzimmer des Wissens - Von Hilmar Schmundt

Stevns Klingt: Der Ort, an dem die Welt unterging - Von Hildegard Westphal

Bologna: Völlerei und Fantasie - Von Rainer Maria Kiesow

Freuds Couch: Die Liege der Lust - Von Lydia Marinelli

Internationales Büro für Maße und Gewichte: Zu Hause beim Meter - Von Milos Vec

Die Apple-Garage: "Wir haben mit nichts angefangen" - Von Steve Wozniak

Rift Valley: Die Wiege der Menschheit - Von Julia Fischer

Cape Canaveral: Das Kap der hohen Hoffnung - Von Peter Glaser

Die Galapagos-Inseln: Paradies und Labor der Evolution - Von Irenäus Eibl-Eibesfeldt

Atomtestinsel Bikini-Atoll: Verbrannt von tausend Sonnen - Von Maik Brandenburg

Alcor Life Extension Foundation: Auferstehung auf Knopfdruck - Von Gundolf Freyermuth

Troja: Schauplatz einer dichterischen Fantasie - Von Justus Cobet

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Hilmar Schmundt (Hrsg.):
Mekkas der Moderne

Pilgerstätten der Wissensgesellschaft

Böhlau-Verlag; 424 Seiten; 24,90 Euro.

Zur Website der Mekkas der Moderne

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Holger Rabbach, 17.12.2007
1.
"Wer glaubt, der verehrt einen Ort" ??? Ich bin jetzt seit vielen Jahren Christ und glaube somit - aber soweit ich mich erinnere, habe ich noch nie einen Ort verehrt. Im Gegenteil, das wäre wohl Götzendienst und damit alles andere als mit meinem Glauben vereinbar... vielleicht sollte sich der Autor überlegen, ob er seinen Artikel wirklich mit so unsinnigen Plattheiten anfangen will...
Thomas Hülsbusch, 20.12.2007
2.
Ich glaube auch nicht, dass es einen Ort gibt der anbetungswürdig ist! Allerdings nicht aus Gründen einer Religiösität, sondern weil das Mekka der Moderne überall ist, wo es einen internetfähigen Rechner gibt. Den das Mekka der Moderne ist das Internet - es ist überall (also quasi transzendent) und enthält mehr Wissen als alle Bibliotheken, Institute und Mussen zusammen.
Hilmar Schmundt, 04.01.2008
3.
Klar, an das Internet habe ich auch als erstes gedacht. Allerdings sind wir damit bereits bei einer Unter- und Gegenkategorie zu den Orten des Wissens. Nämlich bei den Unorten des Wissens. Davon gibt es eine ganze Menge, jede Utopie, jeder Gedanke, jedes Buch kann dazu zählen. Aber kann oder möchte man auch dorthin reisen oder sogar "pilgern"? Meine ersten Gehversuche im Internet hatten einige dieser Qualitäten. Ich musste Anfang der Neunziger extra ins Unirechenzentrum pilgern, um eine E-Mail zu verschicken. E-Mails waren damals noch eine Geheimwissenschaft, die nur wenigen Gelehrten vertraut war. Das hatte etwas Geheimnisvolles, Elitäres, Besonderes. Aber das ist lange her. Viele Pilgerorte beziehen Ihre Faszination genau daraus: Aus dem Mythos der Mühe. Aus den freiwillig und bewusst auf sich genommenen Beschwernissen. Das Internet dagegen zeichnet sich, zum Glück, mittlerweile durch eine fast universelle Verfügbarkeit aus in vielen Ländern. Und je weniger Mühen das Erreichen dieses (Un-)Ortes bereitet, desto weniger wird er oft geschätzt, desto weniger bewusstes Erleben wird vom Besucher abverlangt.
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