Michael Jacksons größter Fan "Es war schrecklich, wenn meine Mutter ihn küsste"

Mehr Fan geht kaum: Sie hat ein Jacko-Tattoo auf dem Rücken, organisierte eine Solidaritätsdemo für den angeklagten Star und feierte mit ihm auf der Neverland Ranch. Im einestages-Interview spricht Silvia Reussner über ihre Liebe zum King of Pop, die Konkurrenz zur Mutter - und zeigt Privatfotos.

Silvia Reussner

einestages: Wie ist Michael Jackson in Ihr Leben getreten?

Reussner: Genau genommen war meine Mutter vor mir Fan. Wir lebten in Berlin, im Ostteil der Stadt und bei seinem Auftritt 1984 in Westberlin hatte Michael angeordnet, dass die Lautsprecher auch in unsere Richtung gedreht werden sollten. Das hat sie schwer beeindruckt, seitdem war sie ein Fan. Sie hat, so gut es eben ging, versucht an seine Platten heranzukommen, seine Musik zu hören und Auftritte im West-TV zu sehen. Ich bin also mit Michael aufgewachsen.

einestages: Sie sind 1985 geboren - da haben Sie die Glanzzeit von Jackson ja gar nicht mehr aktiv miterlebt!

Reussner: Naja, das kommt darauf an, was man "aktiv" nennt. Die meisten Fans von Michael beschränken sich darauf, seine Platten zu kaufen, seine Konzerte im TV zu gucken und sich Poster von Michael ins Zimmer zu hängen. Und dann sagen sie. "Hey, ich liebe Michael Jackson, ich bin ein echter Fan." Ich hab' vielleicht seine frühe Zeit nicht miterlebt, aber ich habe als kleines Kind schon angefangen, wie Michael zu tanzen, und meine Mutter hat mich zu Lichterketten mitgenommen, als der erste Skandal ausbrach.

einestages: Und wann wurden Sie selbst ein richtiger Fan?

Reussner: Seit unserem ersten Konzert 1996 in Prag sind wir unglaublich tief in die Fangemeinde von Michael eingedrungen. Wir haben alle seine Konzerte gesehen und sind mit Michaels treuesten Fans, die ihm wirklich überallhin folgen, in Kontakt gekommen. Irgendwann kannten wir seine Bodyguards, seine Presseleute und dann trafen wir auch Michael selbst und folgten ihm quer durch die ganze Welt. Ich weiß nicht, wie oft ich Michael in den letzten zehn Jahren getroffen habe.

einestages: Sie haben Michael Jackson persönlich getroffen?

Reussner: Ja, klar. Ich war sogar auf seinem 45. Geburtstag auf der Neverland Ranch. Zusammen mit anderen Freunden aus der Fangemeinde bin ich nach Los Angeles gefahren und habe seinen Geburtstag mitorganisiert. Wir haben ein Theater in der Stadt gemietet, eine Blaskapelle organisiert und Chöre, die gesungen haben. Michael war natürlich auch da und hat uns anschließend nach Neverland eingeladen.

einestages: Sie waren damals ja gerade mal 18 Jahre alt. Haben Ihre Eltern Sie einfach so ziehen lassen?

Reussner: Meine Eltern haben mich immer unterstützt. Alleine hätte ich mir das nie leisten können. Ich war bei den Music Awards in Monaco und bin oft nach London geflogen, wenn Michael da war. Meistens war meine Mutter mit dabei, denn die war ja ein mindestens genauso großer Fan wie ich. Das war allerdings auch nicht immer von Vorteil für mich.

einestages: Inwiefern?

Reussner: Naja, manchmal hat sie Michael erreicht, während seine Bodyguards mich abblockten. Das war dann sehr ärgerlich.

einestages: Waren Sie etwa eifersüchtig?

Reussner: (lacht) Na klar! Wenn sie ihn umarmt und ihm einen dicken Kuss auf die Wange gedrückt hat, direkt vor meinen Augen. Das war schrecklich!

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Silvia Reussner: Jackos Superfan

einestages: Was hat Sie an Jackson so fasziniert?

Reussner: Die Texte waren es jedenfalls nicht, denn die konnte ich ja Anfangs nicht verstehen (lacht). Im Ernst: Ich finde er war ein unglaubliches Showtalent. Wie er sich bewegt hat, seine Stimme - das hat mich sofort in den Bann gezogen. Fast genauso stark war aber auch die Anziehungskraft der Fangemeinde. Bei meinem ersten Konzert in Prag habe ich das sofort gemerkt: Es war eine kleine, eingeschworene Gemeinde, die sich kannte, die aber auch Michael kannte. Er lief zwischen den Fans herum und tauschte sich mit ihnen aus. Wir standen dort und sangen mit den anderen Fans und fühlten uns sofort heimisch. Es war nicht nur Michael selbst, sondern auch das ganze Gefühl um ihn herum, das uns sofort in seinen Bann zog. Es war unerklärlich.

einestages: Michael Jackson wirkte, wenn man ihn nur aus dem Fernsehen oder von Bildern kannte, wie eine Kunstfigur, kaum wie ein Mensch. Sie haben ihn getroffen - wie sah es hinter der Maske aus?

Reussner: Wenn ich ihn getroffen habe, war er immer zu einhundert Prozent Mensch. Den Kunstmenschen hat er selber kreiert, um damit vor die Welt zu treten. In Wahrheit ist er ein sehr privater Mensch, der nicht mit dieser hohen Stimme spricht, die die Welt von ihm kennt, sondern eine eher tiefe Stimme hat. Er ist ein Mensch, der von Herzen lacht und gerne herumalbert. Ich werde nie vergessen, wie er sich an seinem Geburtstag einen Spaß mit uns erlaubt hat. Wir saßen alle auf dem Rasen vor Neverland, dann ließ er die Sprinkleranlage anstellen. Alle sind aufgesprungen und haben gekreischt und gelacht - und Michael stand hinter dem Zaun und hat sich gefreut.

einestages: Wie nah sind Sie sich gekommen?

Reussner: Naja, eine Zeitlang bin ich ihm schon sehr viel hinterhergereist. Aber Michael hat eine Riesenfangemeinde. Aus vielen Ländern gibt es mindestens zehn Fans, die ihm immer und überall hinterherreisen. Die kennt er dann auch wirklich alle mit Namen. Doch dafür war ich nicht lange genug dabei. Ich bin mir aber sicher, dass er mein Gesicht erkannte. Außerdem hatte ich ja mein Michael-Jackson-Tattoo auf dem Rücken, dass habe ich ihm einmal gezeigt.

einestages: Das Tattoo zeigt ein Porträt von Michael Jackson, eingerahmt von Engelsflügeln. Wie hat der King Of Pop auf Ihr Tattoo reagiert?

Reussner: Er hat gelacht und es den Leuten um ihn herum gezeigt. Ich glaube, er war schon stolz, aber auch erstaunt darüber, was Leute alles so machen.

einestages: Warum haben Sie sich die Tätowierung machen lassen?

Reussner: Sie markiert für mich einen Lebensabschnitt. Es war die Zeit, in der ich so viel gereist bin, so viele Leute kennengelernt habe und dank der Person Michael Jackson auch so viel erlebt habe. Der wollte ich ein Denkmal setzen.

einestages: Welche Rolle spielte Michael Jackson in Ihrem Alltag?

Reussner: Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an Michael Jackson gedacht habe, oder an ihn denke. Und ich bete jeden Abend für Michael.

einestages: Eine Zeitlang stand Michael Jackson wegen Vorwürfen von Kindesmissbrauch heftig in der öffentlichen Kritik - und auch zweimal vor Gericht. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Reussner: Das war eine schwere Zeit für mich. Ich war ein Teenager, ich war rebellisch und ich wollte alle Welt davon überzeugen, dass die Anschuldigungen nicht stimmten. Ich habe alle möglichen Beweise gesammelt und habe Sachen auswendig gelernt, die ich dann aus dem Ärmel schütteln konnte, um jeden in Grund und Boden zu reden, der von seiner Unschuld nicht überzeugt war und der Presse glaubte.

einestages: Haben Sie jemals an seiner Unschuld gezweifelt?

Reussner: Nein, nie.

einestages: Wie wird sich Ihr Leben jetzt verändern, wo Michael Jackson tot ist?

Reussner: Ehrlich gesagt - ich habe keine Ahnung. Früher habe ich mich mit anderen Fans zusammen oft gefragt, was wäre, wenn Michael stirbt. Wir haben aber keine Antworten gefunden und die Vorstellung schnell verdrängt. Dass er sterblich ist - das war außerhalb unserer Vorstellungskraft. Und ich weiß, dass viele Fans heute, wo klar ist, dass er tot ist, das nicht wahrhaben wollen.

einestages: Haben Sie es schon realisiert?

Reussner: Nicht wirklich. Ich funktioniere im Moment vor allem. Aber ich bin in ständigem Kontakt mit meiner Mutter, die auch sehr leidet. Außerdem habe ich alle meine Fan-Freunde angerufen, die in meinem Adressbuch stehen und sie gefragt, ob sie Hilfe brauchen. Mit vielen tausche ich heute aber auch nur Erinnerungen aus. Wie wir seinem Auto hinterhergerannt sind, oder wie wir bei seinem Besuch in Berlin so lange geschrien haben, dass wir sein Kind sehen wollen, bis er es uns vom Balkon aus gezeigt hat.

einestages: Werden Sie jetzt, wo Michael Jackson tot ist, Ihr Tattoo verändern oder gar entfernen lassen?

Reussner: Entfernen lassen? Niemals! Vielleicht werde ich, auch wenn es kitschig ist, "1958-2009" darunterstechen lassen.

insgesamt 9 Beiträge
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Alexander Dittrich, 28.03.2014
1. optional
Schon traurig, wenn ein Mensch keinen Sinn im Leben findet und deshalb einem Idol nachläuft. Das erschreckendste ist, daß sich diese arme Frau noch nicht einmal nach dem Ableben ihres Götzen besinnt und nach dem wahren Sinn des Lebens zu fragen beginnt.
Liesl Weppen, 09.10.2014
2. ...ich bin ein echter Fan...
Und ich dachte immer sowas nennt man Groupie.... -_-
Igor Wassilev, 13.03.2015
3. Insiderin?Diese Dame nicht.
Michael sagte einmal zu eine meiner Tour-Freundinnen " find your own happiness in life don't follow me any more" Diese Dame hat nicht begriffen dass Michael nur ein Mensch war der seine Ruhe haben wollte statt Hunderter "Affen vor seinem Haus" wie Liz Taylor im Interview 1985 mal sagte über düse Fans.
Rico B, 13.03.2015
4.
MJ ist sicher ein Stück Musikgeschichte und sucht vergeblich Seinesgleichen - sowohl musikalisch als auch menschlich. Ich habe auch 1997 ein Konzert gesehen, in Leipzig - weniger als Fan, mehr aus Interesse. Es war ohne Zweifel eine gewaltige Show, die man nicht vergisst. Allerdings von der ersten bis zur letzten Sekunde nach Skript, ohne Spontanität - auch wenn manche Szenen den Eindruck vermitteln sollten. Live gesungen hat er m.E. selten, oft war deutlich wahrnehmbar Playback im Spiel, das hörte man an der unterschiedlichen Lautstärke und dem doch ziemlich dünnen Stimmchen, wenn er doch mal was ins Mikro sang oder sagte. Rückblickend meine ich, war er schon damals ein Schatten seiner selbst. Über die Hintergründe haben die Medien ja ausreichend berichtet. Ich kann insofern nicht nachvollziehen, wie man so einen Personenkult betreiben kann, wie die Dame im Artikel und die realen Verhältnisse dabei auszublenden, um sich seine gewollte Wahrnehmung nicht zu zerstören. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er so begeistert davon war, überall von sog. Fans aufgelauert zu werden. Der ständige Druck, privat und öffentlich, seine vielleicht unterdrückte Homosexualität, nicht zuletzt die verlorene und von Gewalt geprägte Kindheit, der endgültige Identitäts- und Realitätsverlust, seit Kindesbeinen in einer Blase zu leben, jeden Schritt vom sog. Management vorgeschrieben zu bekommen und dabei von diesen Leuten ausgeraubt zu werden, die Missbrauchsvorwüfe etc., führten unweigerlich zu seinem Ende. Sehr, sehr schade um ihn. Wenn vieles anders in seinem Leben verlaufen wäre, die richtigen Menschen um ihn gewesen wären, hätten wir sicher noch einige Gigs von ihm hören und sehen können. R.I.P.
isoko, 14.03.2015
5.
Was stört es euch womit andere Menschen Spaß haben? Hinterfragt euch selbst, statt die Frau von oben herab zu ver/beurteilen.
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