Modeschöpfer Yves Saint Laurent Opium fürs Modevolk

Er kombinierte als erster Rosa mit Orange und benannte ein Parfüm nach einer Droge: Modedesigner Yves Saint Laurent revolutionierte in den sechziger und siebziger Jahren die Damenmode - und war dabei immer für einen Skandal gut.

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Als Teenager entwarf er Kleidung für seine Mutter, mit 17 gewann er seinen ersten Modewettbewerb, mit 21 war er Chefdesigner bei Christian Dior, mit 25 rief er ein bis heute weltbekanntes Label ins Leben: Designer-Wunderkind Yves Saint Laurent, Jahrgang 1936, deutete schon in jungen Jahren an, dass er das Talent dazu hatte, die Modewelt zu verändern.

Michel de Brunhoff, der damalige Chef der Zeitschrift "Vogue", entdeckte Saint Laurents außergewöhnliche Begabung im Jahr 1954. Er war von einigen Probeskizzen des schlaksigen Jungen mit der riesigen Hornbrille so begeistert, dass er ihn mit seinem Freund Christian Dior bekannt machte, der Saint Laurent prompt einstellte. Als Dior drei Jahre später starb, wurde er sein Nachfolger - und schon die erste Kollektion, die Trapezlinie, war eine Sensation. Ausgestellt statt wattiert, ohne die Versteifungen an Taille, Brust und Schultern, die sein Vorgänger verwendet hatte, schuf er eine neue Silhouette für Damenkleider und wurde fortan "Prinz von Dior" genannt.

In den Folgejahren brachen die androgynen Designs seiner eigenen Modelinien immer wieder lustvoll die bis dahin gültigen Regeln und Gesetze der Damenmode: Transparente Chiffonblusen, die wenig der Phantasie überließen, erregten 1962 ähnlich viel Aufsehen wie der erste Smoking für die Frau vier Jahre später, der später in diversen Variationen immer wieder in den Kollektionen seines Modelabels "YSL" auftauchte. Normannenkittel, völlig gerade geschnittene Jacketts und der kniekurze enge Rock wurden zu Markenzeichen des Künstlers. Später wurden die Kreationen farbenfroher durch Muster im Stil der Künstler Mondrian, Picasso oder Miró und Einflüsse aus russischer und arabischer Folklore. Die Unverfrorenheit, Schwarz und Braun oder Rosa und Orange zu kombinieren, löste in den Siebzigern eine aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbare Empörung aus, die der "New York Times" sogar eine Titelgeschichte wert war.

Parfumwerbung im Adamskostüm

Einer der Höhepunkte der Karriere des Modeschöpfers wurde 1976 die fulminante "Rich peasants"-Kollektion. "Diese Kleider vereinigen alle meine Träume, alle meine Heldinnen aus Büchern, Opern und Gemälden", sagte Saint Laurent nach der gefeierten Präsentation. "Alles was ich liebe habe ich in diese Kollektion gesteckt." Der Erfolg gab ihm Recht, wegen des riesigen Interesses in der Modewelt musste er die Pariser Show noch einmal in New York wiederholen. Dort war er 1982 auch der erste, noch lebende Modeschöpfer, der mit einer eigenen Ausstellung im Metropolitan Museum of Modern Art geehrt wurde.

Doch nicht nur mit der Mode, auch mit Parfums bewies Saint Laurent ein Händchen für öffentlichkeitswirksame Inszenierungen. Im Adamskostüm - abgesehen von der markanten Brille - posierte er für die Werbeanzeigen für seinen ersten Herrenduft, "weil ich für einen Skandal sorgen will", wie er damals dem schockierten Fotografen mitteilte. Als er einen Duft unter dem Namen "Opium" auf den Markt brachte, warfen ihm Kritiker vor, er verherrliche Drogen oder trivialisiere damit gar die Opiumkriege des 19. Jahrhunderts. Später verbot die französische Getränkeindustrie in einem Rechtsstreit ein Parfum mit dem Namen "Champagne".

Trotz solcher Kontroversen pflegte Saint Laurent, was seine Kunst betraf, stets das Understatement. "Eine Dame trägt keine Kleider. Sie erlaubt den Kleidern, von ihr getragen zu werden", sagte er einmal. Bei allen Bemühungen der Modedesigner - das Schönste, was eine Frau tragen könne, sei immer noch ihre nackte Haut.



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