Mythos Rudi Dutschke Der verhinderte Stadtguerillero

Mythos Rudi Dutschke: Der verhinderte Stadtguerillero Fotos
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Drei Schüsse in den Kopf machten Rudi Dutschke zum Mythos der 68er-Bewegung. Der Studentenführer gab sich gern als Revolutionär - wollte er die Demokratie in Deutschland mit Gewalt beseitigen? Biograph Gerd Langguth hat Indizien gesammelt. Von

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Wer war Rudi Dutschke? Der christlich erzogene Postbeamtensohn aus Luckenwalde, der in der DDR nicht Abitur machen durfte, nach Westberlin zog, um Soziologie zu studieren und dann zum politischen Kopf des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) aufstieg, polarisierte die deutsche Öffentlichkeit wie wenige Figuren seiner Zeit. Für die einen war Dutschke der große Erneuerer, der mit enormer Ausstrahlungskraft für einen gesellschaftlichen Aufbruch begeistern konnte. Für die anderen war er ein entschiedener Gegner der Demokratie.

Das Attentat vom 11. April 1968, bei dem ihn ein Hilfsarbeiter mit drei Schüssen schwerste Verletzungen zufügte, an deren Spätfolgen Dutschke 1979 starb, trug zur Mythenbildung und Heroisierung als "friedliebender, zutiefst jesuanischer Mensch" (so der Schriftsteller Walter Jens 1981) und "Märtyrer" (so Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele) bei. Dutschkes Demokratie- und Gewaltverständnis zu hinterfragen stellt für manche einen Tabubruch dar. Die Faktenlage zeigt indes: Dutschke führte das Leben eines Berufsrevolutionärs, der auch den Gewalteinsatz zur Durchsetzung der eigenen Ziele befürwortete - zunächst theoretisch abstrakt, aber auch in konkreten Vorbereitungen.

Erst relativ spät trat Dutschke in den damaligen "Sozialistischen Deutschen Studentenbund" (SDS) ein, der später die Führungsrolle der linksgerichteten Studentenorganisationen einnehmen sollte. Zunächst stieß Dutschke etwa Anfang 1964 zur "Subversiven Aktion", die ihre Wurzeln in der "Situationistischen Internationale" hatte. Diese kleinere Gruppe bezog sich auf die radikale Kulturkritik der älteren Frankfurter Schule um Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Herbert Marcuse. Schlüsseldokumente zur damaligen politischen Position Dutschkes sind Artikel aus seiner Feder in der Zeitschrift "Anschlag". Der DDR-Flüchtling war alles andere als ein SED-Gefolgsmann. Aber in diesen Aufsätzen verstand er sich als ein junger Kommunist, der die russische Oktoberrevolution leidenschaftlich verteidigte: Er forderte die Rehabilitierung der "besten Söhne der Revolution (Trotzki, Bucharin, Radek u.s.w.)" und verteidigte die Niederschlagung der Erhebung der Kronstädter Matrosen im März 1921. Lenin und Trotzki seien "gezwungen" gewesen, "die ehemaligen revolutionären Brüder, die Matrosen und Soldaten von Kronstadt und deren Aufstand niederzuschlagen".

" Die sinnliche Erfahrung der organisierten Einzelkämpfer"

Im SDS hatte Dutschke damals "ein Gelegenheitsprodukt der revolutionären Ebbe der Nachkriegszeit" gesehen. Er wollte ihn unterwandern. Der SDS war der SPD zu links geworden, die am 6. November 1961 die Unvereinbarkeit einer gleichzeitigen Mitgliedschaft feststellte. Am 27. Januar 1965 erschienen Dutschke und weitere Genossen aus der "Subversiven Aktion" im SDS-Zentrum am Kurfürstendamm 140 in Berlin und ersuchten um Mitgliedschaft. Innerhalb des SDS bildeten Dutschke und einige andere von Anfang an eine Fraktion, die sie selbst nach einem Kultfilm von Louis Malle als "Viva-Maria-Gruppe" nannten. Diese löste 1966 im Berliner SDS eine intensive Auseinandersetzung über die Gewaltfrage aus, manche SDSler forderten sogar Dutschkes Ausschluss. Der befasste sich intensiv mit dem russischen Anarchismus, insbesondere mit Bakunin und Alexander Ropschin - Pseudonym eines Bombenlegers und Stadtkämpfers des illegalen Arms der russischen "Sozialrevolutionäre". Auch diskutierte Dutschke damals schon Überlegungen Ché Guevaras und anderer südamerikanischer Verfechter von Guerillaaktionen.

Ein weiteres Schlüsseldokument zur politischen Haltung Dutschkes ist das am 5. September 1967 gemeinsam mit Hans-Jürgen Krahl auf der SDS-Bundesdelegiertenkonferenz in Frankfurt vorgelegte, lange Zeit unbekannt gebliebene "Organisationsreferat". Die beiden Studentenführer gingen darin von einer "bestimmten Negation" der parlamentarischen Ordnung aus. Gegen den Macht- und Sicherheitsapparat des Staates sollten illegale Kämpfer Schutz gewähren. Dutschke und Krahl riefen den SDS dazu auf, sich künftig als "Sabotage- und Verweigerungsguerilla" zu formieren: "Die Agitation in der Aktion, die sinnliche Erfahrung der organisierten Einzelkämpfer in der Auseinandersetzung mit der staatlichen Exekutivgewalt bilden die mobilisierenden Faktoren in der Verbreiterung der radikalen Opposition" hieß es da." "Der städtische Guerillero ist der Organisator schlechthinniger Irregularität als Destruktion des Systems der repressiven Institutionen."

Im zeitlichen Zusammenhang mit dem "Vietnam-Kongress" vom 17./18. Februar 1968, wo sich Dutschke auf "einen europäischen Cong", eine Art Stadtguerilla bezog, hatte er in den Niederlanden Überlegungen von Aktionen gegen die "schreckliche Kriegsmaschine" der USA geäußert und von "Angriffen gegen NATO-Schiffe" gesprochen. Dutschke schwebten "Stadtguerilla"-Kleingruppen von jeweils vier bis sechs Kämpfern vor, die eine regelrechte Doppelexistenz führen sollten.

Schwächstes Glied Berlin

Nach Erinnerungen seines Mitstreiters Bernd Rabehl "näherte" sich Dutschke damals "Überlegungen, den bewaffneten Kampf gegen den Militärapparat der USA aufzunehmen." Dutschke vertrat die Überlegung, dass das Konzept der Stadtguerilla auch auf Deutschland übertragen werden sollte. Im Mai 1968 schrieb Dutschke etwa: "Der Kampf der Vietcong oder der MIR in Peru sind unsere Kämpfe, müssen bei uns tatsächlich über rationale Diskussion und prinzipiell illegale Demonstrationen und Aktionen in bewusste Einsicht umfunktionalisiert werden - eine riesige, fast unlösbare Aufgabe."

Dutschke ging es um eine Übertragung von Ché Guevaras Guerilla-Ansatz und der Leninschen Theorie des "schwächsten Gliedes" auf die Situation in West-Berlin und auf die westlichen Großstädte. Als Pendant der Slums und Ghettos der Dritte-Welt-Großstädte erschien ihm im Westen das "Gegenmilieu mit subkultureller Dynamik", das den Revolutionären für den "langen Marsch durch die Institutionen" Rückhalt bieten sollte. Von dem "Fokus" Hochschule aus sollten "kleinste homogene Guerilla-Einheiten" ihren Ausgang nehmen, die in einem langen Prozess die "Aufstandsphase der Revolution" einleiten würden.

Dutschkes Frau Gretchen bringt in ihrer 1996 erschienenen, spannend zu lesenden Biographie hinsichtlich der Gewaltfrage Details ans Tageslicht: Wenn Dutschke von "Illegalität" sprach, habe es zwar wenig mit dem zu tun gehabt, was die RAF später tat. Aber er und manche andere vom SDS stimmten demnach darin überein, dass ein illegaler Kampf über die bisherigen Regelverletzungen hinaus notwendig sei, So habe Rudi Anfang des Jahres 1968 auch daran gedacht, "in verschiedenen europäischen Städten Arbeitergruppen zu unterstützen, die 'Sabotage-Akte' durchführen sollten, sofern dies möglich und sinnvoll erschien."

Notizen aus dem Nachlass Dutschkes zufolge sollten sich diese "gegen Transport, Telekommunikation, Hafen und Eisenbahn richten." Aus dem SDS und aus den mit ihm sympathisierenden Gruppen sollte eine 80 Mann starke Gruppe rekrutiert werden, die als illegaler Teil der Organisation vorgesehen war. Gretchen Dutschke berichtet ferner, dass ihr Mann und sein Kreis "fast fieberhaft" überlegten, "welche praktischen illegalen Schritte sie unternehmen sollten". Internationale Kooperationen wurden in Betracht gezogen: Es bahnten sich Kontakte zur ETA in Spanien und zur IRA in Nordirland an, "die illegal im Untergrund kämpften und nicht davor zurückschreckten, Waffen einzusetzen".

Dynamitstangen auf der Auto-Rückbank

In einem Fernsehinterview mit Güner Gaus erklärte Dutschke am 3. Dezember 1967: "Ich halte das bestehende parlamentarische System für unbrauchbar." Er äußerte sich in der Öffentlichkeit moderater als intern, aber ziemlich mehrdeutig: "Wäre ich in Lateinamerika, würde ich mit der Waffe in der Hand kämpfen. Ich bin nicht in Lateinamerika, ich bin in der Bundesrepublik. Wir kämpfen dafür, dass es nie dazu kommt, dass Waffen in die Hand genommen werden müssen. Aber das liegt nicht bei uns." Wenn aber "bundesrepublikanische Truppen in Vietnam oder in Bolivien oder anderswo kämpfen", führe dies dazu, "dass wir dann im eigenen Land auch kämpfen werden."

Vor diesem Hintergrund ist auch Dutschkes Beziehung zu dem linksradikalen italienischen Verleger und Millionär Giangiacomo Feltrinelli interessant, der beträchtliche Geldsummen zur Verfügung stellte. Mit Feltrinellis finanzieller Hilfe wurde 1967/68 das "Internationale Nachrichten- und Forschungsinstitut" (INFI) aufgebaut, das in Dutschkes Augen eine Zentrale für die Kombination legaler und illegaler Arbeit darstellen und die Illegalität kleiner Gruppen ermöglichen sollte.

Der Mailänder, einst Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens, begeisterter Anhänger von Black Power in den USA, Anhänger der palästinensischen Fatah-Bewegung und Freund Fidel Castros, klopfte vor dem Vietnam-Kongress im Februar 1968 an die Tür der Dutschkes und zeigte die mit Dynamitstangen gefüllte Rückbank seines Autos. Im Schutz der Dunkelheit brachte er die Ladung in die Wohnung. Am nächsten Tag sollte das Dynamit im Kinderwagen von Dutschkes Sohn Hosea-Ché in eine konspirative Wohnung weitertransportiert werden. Feltrinelli habe, so Gretchen Dutschke, "befohlen", das Kind auf den hochexplosiven Stoff zu betten, damit man keinerlei Verdacht errege. Später begrub Dutschke seinen Plan, gemeinsam mit Feltrinelli mit dem Dynamit ein Schiff mit Kriegsmaterial für den Vietnamkrieg in die Luft zu sprengen.

Bombe im Gepäck

Der aus Persien stammende Intellektuelle Bahman Nirumand berichtet, dass er im März 1968 gemeinsam mit Dutschke mit einer Bombe im Gepäck von Berlin nach Frankfurt und dann weiter nach Saarbrücken reiste. Ziel: die Sprengung eines Antennenmastes des US-Soldatensenders AFN in Saarbrücken, damit es "zu einer kurzen Unterbrechung der Sendung kommen konnte". Die Vorbereitungen durch einen Genossen waren so lückenhaft, dass der Anschlag abgebrochen wurde. In jener Zeit, im April 1968, gelang Andreas Baader und Gudrun Ensslin die erste spektakuläre "Propaganda der Tat": die Kaufhausbrandstiftung in Frankfurt.

Festzuhalten bleibt der folgende Dreischritt: Dutschke hatte im Februar 1966 intern sein Guerillakonzept erläutert, es im September 1967 auf der öffentlichen SDS-Bundesdelegiertenkonferenz propagiert - und er war auch einer der ersten, der Sprengstoffanschläge durchführen wollte. Wie wenig Dutschke vom Pluralismus hielt, geht aus einem Diskussionsbeitrag für die Evangelische Akademie Bad Boll hervor: "Die Freiheit des Andersdenkenden meint nicht die Freiheit des Faschisten", heißt es da, "sondern meint die Freiheit der verschiedenen Fraktionen des sozialistischen Lagers, die endlich ernst machen mit der Entfaltung der Demokratie und nicht mit der Unterdrückung der Demokratie." Wer nicht zu den verschiedenen Fraktionen des sozialistischen Lagers gehöre, so Dutschke, könne sich nicht auf Meinungsfreiheit berufen. Für ihn waren repräsentative Demokratie und Parlamentarismus Ausdruck einer "repressiven Toleranz" (Herbert Marcuse), die die Ausbeutung der Arbeiter verschleiere und die Privilegien der Besitzenden schütze. Diese Strukturen sah er als nicht reformierbar an.

Dutschke vertrat letztlich eine Konzeption der Verbindung von legaler und illegaler Aktion. Im Gegensatz zur späteren Roten Armee Fraktion (RAF) wollte Rudi Dutschke keine militärische Auseinandersetzung - auch wenn er am Grab des nach einem Hungerstreik im Gefängnis gestorbenen Holger Meins ausrief: "Holger, der Kampf geht weiter!". Doch er war ein Gegner der parlamentarischen Demokratie, ein Befürworter von gezielten illegalen und gegebenenfalls gewalttätigen Aktionen. Schon 1965 schrieb Dutschke, die Konfrontation mit der Staatsgewalt sei zu suchen und unbedingt erforderlich. Und 1968 hat er auf die Frage, ob er sich von Gewalt distanziere, geantwortet: "Nein, aber die Höhe unserer gegenwärtigen Gewalt bestimmt sich durch das Maß der repressiven Gewalt der Herrschenden."

Die Behauptung, Rudi Dutschke sei ein Verfechter der Gewaltfreiheit gewesen, ist widerlegt.

Gerd Langguth unterrichtet Politische Wissenschaften an der Rheinischen Friedrich- Wilhelms- Universität in Bonn. Von 1976 bis 1980 saß er für die CDU im Bundestag und war Mitglied des Bundesvorstandes der Christdemokraten. Langguth ist Autor der Biografie "Angela Merkel" und einer Biografie über Bundespräsident Horst Köhler. 2001 veröffentlichte er das Buch "Mythos 68. Die Gewaltphilosophie von Rudi Dutschke - Ursachen und Folgen der Studentenbewegung", Olzog Verlag, München.


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1.
Axel K. 09.04.2008
Ein typisches Dokument dafür, wie die ungeliebte Geschichte ins rechte Lichte gerückt werden soll. Die aufgezählten Fakten sind weder sonderlich brisant noch sind sie neu. Sie sind, teils aus dem Zusammenhang gerissene, Fakten, die ohne den entsprechenden Kontext missverständlich sind bzw. entsprechend der Zielführung des Textes dramatisiert werden. R. Dutschke war linksorientiert - das ist nich neu noch sonderlich brisant. Das er dabei, wie viele andere damals wie heute, über Alternativen nachdenkt und spricht und dafür eintrat ist nichts besonderes. Das er dabei _auch_ an illegale Aktionen gedacht (die im übrigen nie gegen Personen gerichtet waren) hat, ist seit jeher unumstritten. Dieser Text polemisiert auf eine unerträgliche Weise und soll ganz offensichtlich dazu Beitragen das poltische Denkschema und dsa eingeschränkte Geschichtsverständis des Autors zu bestätigen. Einer solches Instrumentalisierung dann noch einen "sozialwissenschaftlichen" Anstrich zu verpassen ist äußerst arm.
2.
heiko mordhorst 08.04.2008
"Die Behauptung, Rudi Dutschke sei ein Verfechter der Gewaltfreiheit gewesen, ist widerlegt. " Es wäre ja interessant zu wissen, wer diese unsinnige Behauptung denn aufgestellt haben soll. Leider enthält uns dies der Autor vor. Am Anfang werden kurz Jens und Ströbele zitiert, die jedoch beide eine ganz andere Aussage treffen. Weder muss man gewaltfrei sein, um friedliebend sein zu können, noch muss man gewaltfrei sein, um als Märtyrer bezeichnet werden zu können. Und auch Jesus trieb die Händler mit Gewalt aus dem Tempel. Den Zitaten ist diese Aussage daher beim besten Willen nicht zu entnehmen. Dem Autor stoplert hier über sein engstirniges und beschränktes typisch bürgerliches Gewaltverständnis. Gewalt ist für ihn stets die illegale Gewalt des Untertans und nicht die legale des Staates. Das Legitimität und Legalität nicht immer dasselbe sein müssen, kann er sich anscheinend nicht vorstellen. Demokratie bedeutet für ihn die realexistierende repräsentative Staatsform der BRD - das man diese nicht als demokratisch genug empfinden könnte, muss ihm abwegig erscheinen. Wer sich so wenig Mühe macht, das Denken des Porträtierten nachzuvollziehen, sollte es besser gar nicht erst versuchen. Für einen Professor der Politikwissenschaft eine wahrlich peinliche Leistung, aber von einem Mitglied des Andenpaktes der CDU war wohl nichts anderes zu erwarten.
3.
Jan Marberg 08.04.2008
Ich möchte einmal kurz auf zwei Dinge eingehen, deren Richtigkeit ich grob ich Frage stelle. Zunächst beginnt der Text über den "Mythos" Rudi Dutschke gleich mit der Aussage, dass er drei Kopfschüsse erlitt. Meines Wissens nach gab es zwar drei Schüss, jedoch nur einen in den Kopf. Ich meine das muss nicht sitmmen, eine Quellenangabe sollte klären, woher diese Aussage stammt und ob sie stimmt. Andernfalls trägt diese Aussage wohl auch zur "Mythisierung" bei. Zweitens halte ich die Bild-Unterschrift des 5. Bildes für falsch. Wie will Dutschke am 12.April 1968 auf einer Demo sein, wenn er tags zuvor nur knapp sein Attentat überlebte? Ich bitte um Aufklärung. Inhaltlich kann ich Heiko Mordhorst größtenteils zustimmen.
4.
Daniel Boy 09.04.2008
1. Dutschke machte Abitur in der DDR. Wurde nicht anerkannt. also wiederholte Dutschke es in W-Berlin. 2. Der Autor bemüht sich, eine Linie in Dutschkes prä-Attentat-Leben hineinzulesen: Die des Gewaltbereiten, der durch die Umstände (und letztlich wegen Kopfschusses?) nicht zum Gewalttäter wurde. Der Funkturm fiel nicht wegen mangelnder Vorbereitung, das sagt der Autor, aber warum sank das NATO-Schiff nicht? Man behauptet, wegen befürchteter Personenschäden. Ein richtiger Stadtkrieger nimmt sich doch nicht zurück, weil Soldaten verletzt werden könnten! Soldaten seien Mörder! Mich interessiert viel eher diese Zerissenheit Dutschkes, zerrieben durch die Unversöhnlichkeit der naiven Romantisierung von Guerilla-Gewalt und bürgerlichen Idealvorstellungen von Humanität und Aufklärung; weitergehend, inwiefern diese Themen in der Gründung der Grünen mitspielen und parallel auch in die konservativen Eliten sickern (z.B. im Bild des afghanischen Freiheitskämpfers). etc. etc. 3. Und für mich die wichtigste Frage: Warum wurde aus Dutschke nach 68 nun doch kein Gewalttäter? Gab es einen Sinneswandel? Wenn ja, weshalb?
5.
Michael Sontheimer 09.04.2008
Zum einen hat in er Tat niemand jemals eine Hehl daraus gemacht, dass Dutschke in den 1960er Jahren an eine globale Selbstbefreiung der Menschen durch eine Revolution glaubte - am wenigsten er selbst. Zum anderen hat Dutschke in den siebziger Jahren erkannt, dass keine revolutionäre Situation existierte. Deshalb hat er dann auch bei dem Prozess, der zur Gründung der Grünen führte, sehr produktiv mitgewirkt. Dies unterschlägt der Autor schlicht. Was die Schüsse von Josef Bachmann auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 angeht: Zwei trafen Dutschke in den Kopf, einer in die Schulter.
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