NASA-Zeichnungen Retro-Comics vom ersten Trip zum Mond

NASA-Zeichnungen: Retro-Comics vom ersten Trip zum Mond Fotos
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Die Menschheit auf dem Weg zum Mond - was für ein Abenteuer im All! In den sechziger Jahren spornte das Apollo-Programm Visionäre zu großen Träumen an. In Skizzen voller Retro-Charme skizzierten Künstler den Flug zum Mond.

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Das Apollo-Programm begann mit einer Tragödie. Am Samstag vor genau 40 Jahren, am 27. Januar 1967, stiegen Edward White, Virgil Grissom und Roger Chaffee in ihre Raumkapsel, um einen Routinetest durchzuführen. An Bord brach ein Feuer aus, die drei Männer verbrannten. Die Mission mit der Bezeichnung "Apollo/Saturn 204" (AS-204) sollte der erste bemannte Flug im Rahmen des Apollo-Mondprogramms sein. Auf Wunsch der Witwen der drei Astronauten wurde die Unglücksmission rückwirkend in "Apollo 1" umbenannt.

Der Unfall ist vielleicht der Teil des Apollo-Programms, der den damaligen Zeitgeist in den USA am besten dokumentiert. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa verfiel nicht in Schockstarre, sondern arbeitete mit voller Kraft weiter. Die Erkenntnisse aus dem "Apollo 1"-Feuer führten zu einer großen Zahl von technischen Verbesserungen und neuen Sicherheitsmaßnahmen. Schon zweieinhalb Jahre später, eine angesichts der technischen Herausforderung extrem kurze Zeit, hatte das hochriskante "Apollo"-Programm sein Hauptziel erreicht: Am 20. Juli 1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Der Tod von White, Grissom und Chaffee war spätestens in diesem Augenblick vergessen.

Eine halbe Milliarde Menschen vor dem Fernseher

Die Nasa hatte damit die Aufgabe, die Präsident John F. Kennedy in seiner Rede vom 25. Mai 1961 gestellt hatte, in nur acht Jahren erfüllt. Die Begeisterung kannte damals keine Grenzen: Auf der Erde, 400.000 Kilometer entfernt, verfolgten rund 500 Millionen Menschen in 49 Ländern die Live-Bilder vom Erdtrabanten, die zu den ersten TV-Direktübertragungen überhaupt gehörten. Der technische Fortschritt, so schien es in diesen Tagen, konnte alles möglich machen.

Die Comic-artigen Zeichnungen des frühen Apollo-Programms, die aus den Jahren 1966 bis 1975 stammen, transportieren einen Teil dieser Faszination. In ihnen ist die Raumfahrt ein glamouröses Abenteuer statt harter Präzisionsarbeit; die Astronauten sind Superhelden und keine hochspezialisierten Ingenieure. Zugleich haben die Zeichnungen eine Tradition begründet, die die Nasa bis heute pflegt: Kaum ein Forschungsprogramm beginnt ohne bunte Zeichnungen von glänzenden Raumsonden, glühenden Sonnen oder fernen Planeten. Die zeichnerischen Visionen und die Nichts-ist-Unmöglich-Mentalität gipfelten in den siebziger Jahren in teils bizarren Entwürfen für gigantische Städte im All.

Das wissenschaftliche Erbe des Apollo-Programms wurde zwiespältig beurteilt. Die Mondlandungen hatten für die Forschung zunächst einigen Wert. Die Astronauten haben zentnerweise Gestein zur Erde gebracht, die Erkenntnisse über die Zusammensetzung und damit über die Entstehungsgeschichte des Mondes ermöglicht haben.

Die bei späteren Apollo-Missionen auf der Mondoberfläche zurückgelassenen Wissenschaftspakete, auch ALSEPs genannt (Apollo Lunar Surface Experiments Package), funkten noch bis 1977 Seismometer-, Spektrometer- und Ionendetektor-Daten zur Erde. Die Astronauten hatten während ihrer oft stundenlangen Aufenthalte auf dem Mond aber auch genügend Zeit, um Golf und Fußball zu spielen.

Apollo-Programm abgebrochen

Nach der Landung von Apollo 17 im Dezember 1972 brach die Nasa das Apollo-Programm vorzeitig ab - die Mondlandungen waren wissenschaftlich uninteressant und zu teuer geworden. Das Interesse der Öffentlichkeit erlahmte schon nach dem Flug von Apollo 12, der zur zweiten Mondlandung führte. Erst die Explosion an Bord von Apollo 13 und die dramatische Rettung der Besatzung änderte das noch einmal kurzzeitig.

Heute kündigt die Nasa selbst die Suche nach vertrödelten Archivstücken wie den Aufbruch in neue Welten an: "Die Nasa jagt nach den Original-Datenbändern von Apollo 11 und durchstöbert dabei 37 Jahre Geschichte", heißt es auf der Nasa-Website. Im August 2006 wurde bekannt, dass die Original-Videobänder der ersten Mondlandung schlicht verloren gegangen sind.

Die Inspiration, die in den sechziger Jahren vom Apollo-Programm ausging, ist heute weitgehend verflogen. Die Ankündigung von US-Präsident George W. Bush, bis zum Jahr 2020 wieder Menschen zum Mond und von dort aus zum Mars zu schicken, wurde von der Weltöffentlichkeit teils mit einem Schulterzucken, teils mit beißendem Spott aufgenommen: Die Reise zum Mars sei nichts weiter als die Flucht vor der blutigen Realität im Irak.

Auch viele Wissenschaftler reagierten alles andere als begeistert, da sie nicht zu Unrecht befürchten, die Milliarden für einen bemannten Flug zum Mars könnten bei anderen, wissenschaftlich weit wichtigeren Projekten fehlen.

Inspiration für eine ganze Generation

Befürworter der bemannten Raumfahrt betonen dagegen die wertvollen Lehren des Apollo-Programms für die Entwicklung neuer Raumfahrzeuge und nicht zuletzt die Folgen für die Gesellschaft: Immerhin sei eine ganze Generation für Technik und Raumfahrt begeistert worden. Das dürfte zutreffen, denn die Nasa spürt heute einen gegenteiligen Effekt - am Mangel an talentierten Nachwuchskräften. Erst Ende Dezember ergab eine Umfrage, dass die Nasa den jungen Amerikanern ziemlich egal ist.

Das Design der Apollo-Missionen erlebt jedoch eine Renaissance. Die kommende Generation von Raumschiffen, die 2010 die alternden Space Shuttles ablösen sollen, ähnelt frappant der Kombination aus Saturn-V-Rakete und aufgesetzter Apollo-Kapsel: Das Raumfahrzeug mit der Besatzung fliegt nicht - wie derzeit die Space Shuttles - huckepack auf einem gewaltigen Treibstofftank und flankiert von Feststoffraketen ins All. Stattdessen nimmt es wieder auf der Spitze der Trägerrakete Platz.

Das dient nicht zuletzt der Sicherheit der Astronauten, denn bei einer solchen Konstruktion droht dem Raumschiff keine Gefahr mehr durch herabfallende Schaumstoffteile der Außentank-Isolierung, was im Februar 2003 zum Absturz der "Columbia" führte.

Markus Becker

Erschienen auf SPIEGEL ONLINE am 24.01.2007

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