Monroe-Fotos Die bloße Göttin

Monroe-Fotos: Die bloße Göttin Fotos
© Lawrence Schiller/courtesy TASCHEN und Steven Kasher Gallery

Sexbombe im Swimmingpool: 1962 ließ Marilyn Monroe am Set ihres letzten Films betörende Aktaufnahmen machen. Die Bilder sollten als Waffe gegen ihre größte Rivalin dienen. Doch dann starb die Hollywood-Diva. Hier sind die Fotos des legendären Shootings. Von

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"Ich hoffe, der Pool ist geheizt", sagt der Versicherungsvertreter.

"Der Pool wird gerade jetzt geheizt", antwortet Dean Martin und wirft einen Blick auf die Frau, die da im Wasser planscht.

Und wie er geheizt wird. Denn in der Filmszene von "Something's Got to Give" planscht einer der heißesten Filmstars Hollywoods im Wasser: Marilyn Monroe. Ihre Haut schimmert wie zartes Porzellan in dem tiefblauen Wasser, sie paddelt wie ein Hund, nur um im nächsten Moment elegante Drehungen wie eine Wasserballerina zu vollführen, dann streckt sie keck ein Bein über den Beckenrand. Erst am Ende der Szene sieht auch der Versicherungsvertreter die schöne Platinblonde und der Apfel, in den er eben noch so beherzt gebissen hat, fällt ihm glatt aus dem Mund. Denn nun sitzt die Schöne auf der Kante des Pools - und sie ist splitterfasernackt.

Es war eine grandiose Unverschämtheit, die sich Marilyn Monroe da leistete. Weder Regisseur George Cukor noch das Drehbuch verlangten von ihr, sich auszuziehen. Im Hollywood der frühen sechziger Jahre war für einen Star ihres Kalibers an so etwas gar nicht zu denken. Doch die Schauspielerin hatte ihre Darbietung an diesem Drehtag im Mai vor 50 Jahren genau kalkuliert.

Eine Waffe gegen Elizabeth Taylor

"Für Marilyn Monroe war der Auftritt nichts als ein letzter Versuch, ihre Karriere zu retten", erinnert sich Lawrence Schiller, der an diesem Tag als Set-Fotograf vor Ort war, "die Nacktheit war ihre Waffe." Und die richtete sie vor allem gegen ihre härteste Konkurrentin: Elizabeth Taylor.

Die sechs Jahre jüngere Taylor drohte der mittlerweile 36-jährigen Monroe, ihren Status als größte Sexbombe der Traumfabrik streitig zu machen. Und mehr noch: Während Marilyn trotz Kassenschlagern wie "Manche mögen's heiß" und "Das verflixte 7. Jahr" nur 100.000 Dollar für ihren Part in "Something's Got to Give" bekam, war Taylor gerade mit einem Rekordhonorar von einer Million Dollar für die Rolle der ägyptischen Königin im Film "Cleopatra" zur bestbezahlten Schauspielerin der Welt aufgestiegen. Monroe wusste, dass die Jahre, in denen sie noch die aufreizende Blondine geben konnte, gezählt waren. Und sie befürchtete, dass sie niemals so erfolgreich werden würde, wie ihre jüngere Konkurrentin es längst war.

Zudem waren die vorangegangenen Jahre hart für Monroe gewesen. 1957 und 1958 hatte sie zwei Fehlgeburten erlitten. 1960 hatte sie das letzte Mal vor der Kamera gestanden. Doch "The Misfits - Nicht gesellschaftsfähig" floppte. Schon vorher hatte es die Schauspielerin, die seit Jahren versuchte, ihre Unsicherheit mit immer mehr Champagner und Tabletten zu betäuben, nicht leicht gehabt. Nun sollte ihr Leben endgültig zur Hölle werden: Erst kam die Trennung von Arthur Miller, woraufhin sie in so schwere Depressionen verfiel, dass sie sich schließlich freiwillig in eine psychiatrische Klinik begab.

"Ihre nasse Haut glänzte"

An diesem Tag auf dem Set von "Something's Got to Give" wollte sie der Welt beweisen, dass sie noch immer sexy, noch immer unwiderstehlich war. Dafür hatte sie zwei Fotografen ausgewählt. Einer von ihnen war der gerade 25-jährige Lawrence Schiller, den sie zwei Jahre zuvor beim Dreh von "Machen wir's in Liebe" kennengelernt hatte. Und sie war in Hochform.

"Niemand musste sie fragen, ob sie sich nach links oder rechts drehen könne; sie wusste genau, was zu tun war", erinnert sich der mittlerweile 75-jährige Schiller in seinem Band "Marilyn & Me", "Marilyn war, schon wenn sie Kleider anhatte, das Traummotiv jedes Fotografen und sogar noch umwerfender ohne. Ihre nasse Haut glänzte. Ihre Augen funkelten. Ihr Lächeln war aufreizend."

Die Dreharbeiten für die Poolszene im Studio Soundstage 14 der Fox Studios dauerten von morgens um elf Uhr bis nachmittags um vier. "Ich war wie ein Boxer", erinnert Schiller sich, "ich versuchte vorauszuahnen, was als Nächstes passieren würde und reagierte." Auch in den Drehpausen posierte Marilyn weiter. Sie wusste, dass die Fotos für sie wichtiger waren als die Filmszenen. Denn die Bilder würden sie zurück auf die Titelseiten der Magazine holen - und, wenn sie phänomenal genug sein würden, Elizabeth Taylor aus den Schlagzeilen fegen.

Das war Teil des Plans, den sie bereits formulierte, als die Nacktfotos noch ein bloßes Gedankenspiel waren. Einige Tage vor dem Pool-Shooting hatte Schiller Marilyn Monroe in ihrem Haus am Ende des Fifth Helena Drive in Los Angeles besucht. "Larry", habe sie dort zu ihm gesagt, "sollte ich vollkommen nackt aus dem Pool steigen, will ich eine Garantie, dass, wenn diese Bilder auf dem Cover von Magazinen erscheinen, nirgendwo in der Ausgabe Liz Taylor erwähnt wird."

50 Dollar für Nacktfotos

Zuletzt hatte sie 1949 für den Fotografen Tom Kelley nackt posiert. Damals jedoch war sie eine arbeitslose Schauspielerin gewesen, die das Geld gebraucht hatte. Sie hatte 50 Dollar für das Shooting bekommen, das die erste Ausgabe des "Playboy" vier Jahre später zum Verkaufsschlager machen sollte.

Die Poolsessions waren für Marilyn Monroe unbezahlt - und unbezahlbar. Die Bilder wurden ein grandioser Erfolg. Zeitungen und Magazine weltweit druckten die zweiten Nacktfotos in Marilyns Karriere. Ihr Bild erschien auf dem Cover des "Life"-Magazins. Und die sonst allgegenwärtige Taylor wurde in der Ausgabe mit keinem Wort erwähnt.

Fast könnte man vergessen, dass Marilyn ein noch viel härterer Kampf bevorstehen sollte - und dass sie kaum drei Monate später tot sein würde. Denn am Set von "Something's Got to Give" lief es nicht gut für die Schauspielerin. Bereits am ersten Drehtag hatte Monroe den Produzenten Henry Weinstein angerufen, um sich mit einer schweren Nebenhöhleninfektion krankzumelden. In den ersten drei Wochen der Dreharbeiten erschien sie nur drei Mal am Set. In dieser Zeit hatte Regisseur Cukor sämtliche Szenen gedreht, für die er die Schauspielerin nicht brauchte. Doch Monroe fand dennoch immer wieder Gründe, nicht zu erscheinen. Mal wegen Erschöpfung und mal, weil ihr Filmpartner Dean Martin einen Schnupfen hatte und sie sich nicht anstecken wollte.

Betrunken im Hotel, strahlend im Pool

Als "Something's Got to Give" sein Budget um eine Million Dollar überschritten hatte, beschloss 20th Century Fox, Marilyn Monroe zu feuern. Dies wäre das Ende ihrer Karriere in Hollywood gewesen. Dank einer gigantischen Medienkampagne, bei der die Poolsessions eine wichtige Rolle spielten, gelang es Marilyn Monroe am Ende zwar nicht nur, Fox zu überzeugen, den Film mit ihr weiterzudrehen. Sie sorgte sogar dafür, das Regisseur Cukor gefeuert wurde und sie einen neuen Vertrag erhielt, der ihr eine Million Dollar - wenn auch für zwei Filme - zusicherte.

Doch die Wochen voller Interviews und Fotoshootings, die sie absolviert hatte, um ihre Karriere zu retten, hatten an ihren Kräften gezehrt. Ihre Schlaflosigkeit war schlimmer geworden, ihr Tabletten- und Alkoholkonsum auch. Am 5. August 1962 fand Marilyn Monroes Haushälterin die Hollywood-Göttin tot auf ihrem Bett.

Mehr als dreißig Jahre sollte es dauern, bis die Aufnahmen von "Something's Got to Give" aus den Archiven von 20th Century Fox geborgen, restauriert und zu einem Torso von 40 Minuten Film zusammengeschnitten wurden. Es ist eine rasend komische erste Filmhälfte mit einer bezaubernden Monroe, in der auch die Poolszene vorkommt. Doch die Fotos, die Lawrence Schiller am Set schoss, überstrahlen den Film bei weitem.

"Sie sind besonders, weil Marilyn lebendig ist, weil sie jung ist", meint Schiller. Und er hat Recht. Zwar sollte sich der Filmstar nach dem Poolshooting noch einmal vor der Kamera entblößen. Doch es sind Welten zwischen den Aufnahmen im Schwimmbecken und den Fotos, die mit Bert Stern im Bel Air Hotel in Los Angeles entstanden und die als "The Last Sitting" bekannt wurden. Stern hatte Monroe mit Champagner aufgelockert. Und so wirkt sie auf vielen der Bilder betrunken und seltsam abwesend. In Lawrence Schillers üppig gestaltetem Band "Marilyn & Me" finden sich neben vielen anderen Set-Aufnahmen fast 50 Fotos der Poolsession, darunter etliche bisher unveröffentlichte Bilder - und auf ihnen strahlt sie.

Heute gilt die platinblonde Schöne mit dem schweren Leben vielen als die größte Ikone Hollywoods - und hat damit selbst Elizabeth Taylor hinter sich gelassen. Denn während die Filmdiva alterte, wird Marilyn Monroe für immer jung bleiben - in ihren Filmen und auf Bildern wie denen, die an diesem Tag im Mai auf Soundstage 14 in Los Angeles entstanden.

Zum Weiterlesen:

Lawrence Schiller: "Marilyn & Me - A Memoir in Words and Pictures." Taschen Verlag, Köln 2012, 198 Seiten.

Das Buch erhalten Sie bei Amazon und über den Taschen Verlag .

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1.
Stephen Phillips, 25.05.2012
>"Ihre nasse Haut glänzte"< Das stimmt: In keinem Film war Norma Jean Baker schöner und begehrenswerter als in "River of no Return", nur in Jeans und Karohemd, ungeschminkt und nass bis auf die Haut ...
2.
Marco Bodenheim, 25.05.2012
Legendär? Ich finde es verwunderlich, was alles als legendär bezeichnet wird. Der Monroe-Hype ist höchstens absurd, so schön war sie nicht. Außerdem ziemlich klein...sie könnte heutzutage nicht als Model arbeiten. Die Anbetung von Frauen ist allgemein ziemlich absurd.
3.
Stephan Jansen, 25.05.2012
Bei genauerem Hinsehen sah sie da schon ein wenig verquaddelt (zu deutsch: versoffen) aus. Zum Glück griff man zu dem `ästhetisch wie auch künstlerisch anspruchsvollerem´ Mittel der S/W Fotografie.
4.
Juergen Frey, 25.05.2012
Irgendwann in den 50. Jahren des letzten Jahrhunderts erschien das Aktfoto Nr. 10 in der "Hamburger Morgenpost!" Dies schnitt ich aus und klebte es auf einen Karton und versuchte dann diesen riesigen Balken quer ueber ihrer Brust zu entfernen. Es gelang einfach nicht. Schlieslich wusste ich doch damals garnicht, was sich hinter dem Balken verbarg!! Nun nach mehr als 60 Jahren weiss ich es. Danke lieber Spiegel!
5.
Radomir Radosavljevic, 25.05.2012
>Legendär? Ich finde es verwunderlich, was alles als legendär bezeichnet wird. Der Monroe-Hype ist höchstens absurd, so schön war sie nicht. Außerdem ziemlich klein...sie könnte heutzutage nicht als Model arbeiten. Die Anbetung von Frauen ist allgemein ziemlich absurd. ich würde eher die heutige modewelt als ein viel schlimmeres übel bezeichnen als sie. Natürlich war sie keine Nonne und wie damals und heute können highlife gesellschaften nur durch drogenkonsum den Schein wahren. sie starb wie viele andere jämmerlich irgendwo alleine..viele werden noch folgen ob star oder nicht.
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