Ostern Lust auf Ei

Ostern: Lust auf Ei Fotos
Edith Breitkreutz

Mal sinnlich, mal frivol: Deko-Eier können viel mehr sein als nur bunt. Asiatische Kunsthandwerker schaffen besonders plastische Exemplare. Eine Ausstellung widmet sich der Erotik auf dem Ei - einestages zeigt die schönsten Exemplare. Von Olaf Graf

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Das Ei dient in erster Linie der Fortpflanzung. Erst auf den zweiten Blick ist es für den häuslichen Ehestreit verantwortlich. "Das Ei ist zu hart", lässt Loriot seinen gezeichneten Protagonisten am Frühstückstisch sagen.

Dabei kann ein Ei eine hocherotische Angelegenheit sein, wie Edith Breitkreutz findet. Die 69-Jährige aus dem thüringischen Gotha hat ein verrücktes Hobby. Mit ihrem Mann Waldemar, 79, sammelt sie Eier. In fast 40 Jahren haben die beiden mehr als 8000 Exemplare aus 60 Ländern zusammengetragen, darunter einige äußerst ungewöhnliche Raritäten. Die dünne, zerbrechliche Schale zeigt moderne Stellungskriege: Akte verschiedener Art, Kamasutra in leuchtenden Farben - mal sinnlich schön, mal plump und frivol, manchmal geradezu halsbrecherisch. Es sind Szenen sexueller Ekstase - gekritzelt, gepinselt oder getuscht mit offensichtlicher Liebe zum Detail.

Die Erotik auf dem Ei ist keine Erfindung heutiger Tage. Seit mehr als 100 Jahren schon wird diese Kunst in mehreren Ländern Asiens praktiziert, etwa in Indien, Japan, Indonesien oder auf den Philippinen. Einige wenige dieser Schmuckstücke entstanden auch in Deutschland und Österreich, der asiatischen Tradition folgend. Dabei war das gemeine Hühnerei keineswegs einfach nur eine originelle Malunterlage, gedacht als Alternative zu Papier und Leinwand. Ganz bewusst bannten die Künstler ihre Motive auf das Vogelprodukt.

Liebeskunst

Wer Ostern mit den Eiern spielt... Ja, ja, aber so einfach ist es nicht. Denn diese besonderen Eier haben mit Ostern überhaupt nichts zu tun. In Asien, erklärt Edith Breitkreutz, gelten Eier als Symbole der Fruchtbarkeit. Sie zu verzieren, sei daher naheliegend. In indischen Tempeln etwa sei die Darstellung von Liebesszenen eine ganz selbstverständliche Sache, an vielen Wänden gebe es Kamasutra-Bilder. "Die Menschen gehen dort anders mit der Liebe um als wir", sagt die Sammlerin. "Da war der Weg zum Bemalen des Eies mit erotischen Motiven nicht weit."

Die ersten bekannten Exemplare stammen aus dem 19. Jahrhundert aus Bali. Einige der ovalen Kunstwerke hat Edith Breitkreutz von der Insel nach Deutschland gebracht: "Die Eier liegen dort jedoch nicht offen zum Verkauf aus", sagt sie. Sammler müssten gezielt danach fragen, dann würden die Künstler die Kamasutra-Eier unter dem Ladentisch hervorholen. Einige Motive hat das Ehepaar sogar selbst bei Künstlern in Auftrag gegeben.

Ausgearbeitet wurden die Liebesszenen nicht nur auf Hühnereiern. Auch Gänse- oder Straußeneier mutierten zur Projektionsfläche der Phantasie. Sie bieten zudem mehr Platz zur Gestaltung. In der Breitkreutz'schen Sammlung finden sich auch noch andere exotisch anmutende Objekte: Manche Eier sind aus Holz, andere aus Pappe. Besonders stolz ist Edith Breitkreutz auf eine spezielle Schnitzerei aus Knochen - Kamasutra-Darstellungen eingebettet in mit rotem Leder überzogenen Eiern. Über ihre Entstehung lässt sich wenig sagen. Mit der Erotik und dem Ei ist es wie mit dem Huhn und dem Ei. Die Frage, was eher da war, muss vorerst unbeantwortet bleiben.

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