Peinliche Fußballerspitznamen Sie nannten ihn "Kaninchen"

"Uns Uwe" als Spitzname für Uwe Seeler, das klingt wirklich sympathisch. Andere Fußballer hatten da weniger Glück. Wer wird schon gern "Lama" genannt? Oder "kleine Hexe"? einestages über die skurrilsten Fußballerspitznamen - und wie sie entstanden.

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Als der Hamburger SV am 15. März 1961 gegen den FC Burnley antritt, heißt Uwe Seeler noch Uwe Seeler. Es ist eine schwierige Aufgabe für den deutschen Club, immerhin hat der englische Meister das Hinspiel im Viertelfinale des Landesmeistercups 3:1 gewonnen. Ein Wunder muss her im Rückspiel. Und ein Wunder passiert - dank Seeler.

Der Mittelstürmer, 24 Jahre alt, schießt zwei Tore gegen Burnley, darunter das entscheidende zum 4:1-Endstand. Der HSV schafft die Sensation, und Uwe Seeler heißt nicht mehr Uwe Seeler. Der Frankfurter Journalist und Theaterkritiker Richard Kirn ist von der Leistung des kleinen Fußballers so euphorisiert, dass er am nächsten Tag schreibt, der Stürmer sei nun nicht mehr nur der Junge aus Hamburg-Eppendorf. "Uwe ist der Sohn des Landes! Er ist unser Uwe. Welch kerniges Mannsbild!" Uwe Seeler heißt fortan "Uns Uwe".

"Uns", unser Uwe, ist er bis heute geblieben. Bodenständig, treu. Seeler, der am 5. November 2011 seinen 75. Geburtstag feierte, ist seit 1946 beim Hamburger SV, und mit seinem Bleiben trotz eines unfassbaren Millionenangebots von Inter Mailand lieferte er schon 1961 den endgültigen Beweis für seine unverbrüchliche Heimatliebe. Immer, wenn in den folgenden Jahrzehnten mal wieder ein Spieler den HSV verließ, weil er woanders mehr Geld verdienen konnte, wurde auf "Uns Uwe" verwiesen.

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einestages zeigt die skurrilsten und peinlichsten Spitznamen der Fußballwelt. Erraten Sie, zu wem sie gehören?


Der Holländer, der nicht fliegen konnte

Hamburg hat großes Glück gehabt mit Uwe Seeler. Der einfache, ehrliche und sympathische Seeler brachte dem Club als Spieler Erfolge und später immer wieder in Erinnerung, dass man sich Identifikation mit dem Verein nicht mit gigantischen Gehaltsschecks erkaufen konnte. Aber auch Seeler hatte Glück - mit seinem Spitznamen. Mit "Uns Uwe" lässt es sich nämlich ganz gut leben.

Andere Säulenheilige des deutschen Fußballs wie Franz Beckenbauer ("Der Kaiser"), Gerd Müller ("Bomber der Nation") oder Helmut Rahn ("Der Boss") konnten sich ebenfalls nie beschweren über ihren Zweitnamen, auch Rudi Völler hat sich über "Tante Käthe" nie beklagt. Warum auch? Sie alle eint die Tatsache, dass ihnen irgendwann einmal ein Journalist oder ein Trainer oder ein Mitspieler einen Spitznamen verpasst hat, der Bewunderung ausdrücken sollte oder Sympathie.

Und nicht Verachtung. Oder Belustigung.

Andere hatten nämlich weniger Glück. Den heutigen DFB-Sportdirektor Matthias Sammer nannte man ob seiner ständigen Tiraden und Beschwerden auf dem Platz irgendwann nur noch "Motzki" - nach dem gleichnamigen Nörgler aus der ARD-Serie von 1993. Oder Dennis Bergkamp. Der Holländer in Diensten des FC Arsenal London litt an panischer Flugangst und konnte deshalb zu Europacup-Auswärtsspielen nur mit Fähre und Bahn anreisen. Auf der Insel hieß er deshalb bald nur noch der "nicht-fliegende Holländer".

Wieder andere waren selbst schuld. Nicht immer ist man als Fußballer nämlich machtlos, wenn man den Spitznamen fürs (Sportler-)Leben bekommt. Man muss sich nur einmal daneben benehmen, und schon ist es passiert. Als er im WM-Achtelfinale 1990 Rudi Völler bespuckte und dafür die Rote Karte sah, wurde Frank Rijkaard fortan nur noch "Lama" genannt. Das Stigma des Spuckers wurde der Niederländer nie mehr los.



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Ralf Bülow, 05.11.2011
1.
Wo bleibt "Ente" Lippens ?!
Tilmann Jörg, 05.11.2011
2.
Um Gottes Willen, wie kann man denn nur »Tante Käthe« vergessen?
Jan Michael, 05.11.2011
3.
Wer war Memme ? DBorussio Dortmundspieler,Nationalelf etc.
Dietmar Muras, 05.11.2011
4.
"Stan" Libuda?
Bruno Gerussi, 06.11.2011
5.
Das Kaninchen heißt mit bürgerlichem Namen Javier Saviola
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