Polizeifotos von US-Promis Bitte lächeln, Sie sind verhaftet

Polizeifotos von US-Promis: Bitte lächeln, Sie sind verhaftet Fotos

Sie saufen, klauen oder haben Sex im Auto - und dann macht es klick. Wenn US-Promis mit dem Gesetz in Konflikt geraten, entstehen auf der Polizeiwache einmalige Fotos: Stars wie Jimi Hendrix, Jane Fonda oder David Bowie zerzaust, verzweifelt, übernächtigt. einestages zeigt die besten. Von

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Frank Sinatra wusste nicht, wie ihm geschah, als er 1938 plötzlich unerwünschten Besuch bekam. Vor der Tür stand die Polizei, Sinatra wurde festgenommen. Auf der Wache bekam er ein Schild mit seiner Aktennummer 42799 in die Hand gedrückt, mit dem er sich vor eine kalkweiße Wand stellen musste. Zweimal blitzte grell die Kamera des Polizeifotografen auf: Einmal fotografierte der den späteren Weltstar frontal, einmal im Profil.

Der Vorwurf: Sinatra habe "unter dem Versprechen der Heirat" eine ledige Frau "von guter Reputation" zu unehelichem Sex verführt. 1500 Dollar Kaution musste der damals 22-Jährige hinterlegen, damit ihn die Cops wieder freiließen. Als sich später herausstellte, dass die Dame gar nicht ledig, sondern bereits verheiratet war, wurde Sinatra sogar noch ein zweites Mal verhaftet - diesmal wegen Ehebruchs.

Wie Sinatra sind etliche Popstars, Schauspieler, Sportler, Politiker oder Unternehmer irgendwann einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Sie prügelten sich, nahmen Drogen auf wilden Partys, fuhren zu rasant Auto oder stahlen in teuren Modeläden. Manche bevor sie berühmt waren, manche weil sie berühmt waren - und manche, um berühmt zu bleiben. Idole und Weltstars wie Mick Jagger, Jimi Hendrix oder Johnny Cash eint ein gemeinsames Schicksal: Sie alle erlebten diesen peinlichen Moment, in dem sie mit einer profanen Nummer vor einer kahlen Wand standen - unrasiert, übernächtigt, verstrubbelt, frustriert, teilnahmslos und oft genug mit Drogen zugedröhnt.

"Ist das ein Mug-Shot oder ein Autopsie-Foto?"

Ihr Pech: Inzwischen gelten diese Verbrecherfotos, die im Englischen "Mugshots" genannt werden, als begehrte Sammlerstücke. Auch wenn die Bilder noch nichts über Schuld oder Unschuld der Fotografierten aussagen, so sind sie nicht mehr aus der Welt zu kriegen. Sie kursieren im Internet auf speziellen "Mugshot"-Seiten, sie befriedigen Neugierde und Schadenfreude der unbarmherzigen Web-Community: "Hässlich!", "Ist das ein Mug Shot oder ein Autopsie-Foto?" oder "Sieht wie meine Mutter nach dem Aufstehen aus", gehören noch zu den netteren Kommentaren. Andere wiederum finden die gefallenen Stars sogar noch vor der Polizeikamera "heiß" und "sexy".

Doch nicht nur Voyeure, Promi-Fans und Boulevardmedien faszinieren diese Bilder, sondern die einfache Ästhetik der rechteckigen, oft noch in Schwarzweiß fotografierten Aufnahmen zieht auch etliche seriöse Designer, Fotografen und Kunstliebhaber in ihren Bann. Der französische Dokumentarfilmer Raynal Pellicer hat einen Bildband ("Mug Shots. An Archive of the Famous, the Infamous, and the Most Wanted") zu diesem Thema herausgegeben.

Es ist nicht der erste dieser Art. Denn die Verbrecherfotos, ob von Prominenten oder normalen Bürgern, wirken ungemein ausdrucksstark und authentisch, gerade weil sie technisch oft mangelhaft sind. Der Betrachter glaubt, einem sehr intimen Moment beizuwohnen: Er sieht Menschen, die gerade einen Tiefpunkt erreicht haben, er sieht sie erniedrigt, beschämt, selten lächelnd. Gerade bei Stars, die sonst nur in professionell ausgeleuchteten Studios für Hochglanzmagazine posieren oder sich nie ungeschminkt vor eine TV-Kamera trauen, könnte der Kontrast kaum größer sein.

So wurde US-Schauspieler Nick Nolte 2002 im Hawaii-Hemd, mit wirrem Haar und verstörtem Blick zum Polizeifotografen gebracht, nachdem er auf dem Highway Schlangenlinien gefahren war. Sein Kollege, "Easy-Rider"-Star Dennis Hopper, blickte 1995 verschwitzt, unrasiert und mürrisch in die Kamera, nachdem er einen Autounfall verursacht hatte und danach einfach abgehauen war. Und auch Hugh Grant ahnte wohl schon, was für einen Skandal er gerade losgetreten hatte, als er 1995 mies gelaunt in die Linse des Polizeifotografen starrte. Kurz zuvor war er im Auto von der Polizei beim Sex mit einer Prostituierten erwischt worden. Wegen "Unzucht" wurde er zu 1180 Dollar Strafe verurteilt - viel schmerzhafter waren für den Multimillionär sicherlich die Berichte der Boulevardmedien, die genüsslich jedes pikante Detail ausschlachteten.

Bill Gates im quietschbunten Outfit

Vom Alkohol am Steuer (Actionheld Keanu Reeves) bis zum Mord (Football-Star O.J. Simpson): Die Spannweite der Vorwürfe gegen weltberühmte Prominente ist groß, die Liste der Stars mit Polizeifotos lang. Die zweifache Oscar-Gewinnerin Jane Fonda wurde 1970 mit einer Handtasche voll Pillen erwischt und soll sich mit Fußtritten gegen die Festnahme gewehrt haben - denn die Pillen entpuppten sich als Vitamintabletten. Sänger David Bowie und Schauspieler Bill Murray landeten wegen Marihuana-Besitzes auf dem Polizeirevier, Oscar-Preisträger Al Pacino wurde als 21-Jähriger ohne Waffenschein mit einer Pistole erwischt. Heavy-Metal-Sänger Ozzy Osbourne versuchte im Suff, seine Frau zu erwürgen und Rock-Legende Axl Rose sprang bei seinem eigenen Konzert in die Menge, um einem Zuschauer eine Kamera wegzunehmen - und löste schließlich eine Massenschlägerei aus.

Während Skandale und Ärger mit der Polizei in Hollywoods Glitzerwelt nicht ungewöhnlich sind und manch einem vergessenen Star plötzlich wieder zu zweifelhaften Ruhm verholfen haben, gibt es auch Prominente, denen ihre alten Polizei-Passbilder ein Dorn im Auge sind. Wie etwa Bill Gates, der im Dezember 1977 als 22-Jähriger von der Polizei festgenommen wurde. Über die Gründe gibt es verschiedene Vermutungen - mal heißt es, er sei über ein Stoppschild gefahren, mal ist es eine Ampel, mal die Teilnahme an einem Wettrennen. Was auch immer passiert sein mag - eines ist geblieben, obwohl sich Gates darüber später bitter beschwerte: Das Foto, das den späteren Multimilliardär und Mircosoft-Gründer in einem quietschbuntem Outfit mit sich beißenden Farben, getönter Brille und langem Pony zeigt. "Hätte die Polizei Sinn für Humor gehabt, hätte sie ihn wegen Verstoß gegen Mode belangt", lästert ein Betreiber einer "Mugshot-Seite" im Internet.

Der "Vater" der Polizeifotos

Wie im Fall Gates landen solche Fotos über verschlungene Wege in den Medien, mitunter kommen sie aber auch direkt von der Polizei. Andere Prominente hatten mehr Glück als Gates: Die Schauspielerin Winona Ryder konnte einen halben Desigernladen leer stehlen, ohne dass ihr Polizeifoto bisher ins Internet sickerte. Und auch Ex-Präsident Georg W. Bush schaffte es bis heute, dass sein Mugshot unter Verschluss blieb: 1976 war er mit Alkohol im Blut am Steuer ertappt worden. Dagegen gelangen alte Aufnahmen von verstorbenen Promis über freigegebene Polizeiakten völlig legal ins Web und schmücken als Mugshots Kalender und Bildbände.

Dass die Macher solcher Bildbände mit der Optik dieser stereotypen Bilder heute Geld verdienen können, haben sie einem Franzosen zu verdanken: Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte der Pariser Anthropologe Alphonse Bertillon ein wissenschaftliches System für die Identifizierung von Straftätern. Der Fotoapparat spielte dabei eine zentrale Rolle, jahrelang hatte Bertillon bereits als Tatortfotograf gearbeitet. 1879 begann er nun auch die Verdächtigen systematisch zu fotografieren. Gleichzeitig vermaß er mit Zirkel und Maßband penibel genau ihren Kopf, Fuß oder Mittelfinger und legte so eine umfangreiche Kartei an. Tausende von Verdächtigen fotografierte und vermaß Bertillon in den folgenden Jahren - stets nach demselben Muster: frontal, im Profil von links und in Dreiviertel-Vorderansicht.

Schmerzhafte Bilder

Für die Tatverdächtigen war das Ganze eine durchaus schmerzhafte Prozedur: Für das Foto mussten sie auf einen Spezialstuhl, der Kopf wurde mit einer Klemme fixiert, der Verdächtige automatisch in die drei verschiedenen Positionen gedreht und fotografiert. Wer muckte und nicht stillhielt, wurde mit einem Gurt an den Stuhl festgeschnallt. Damit war das standardisierte Polizeifoto geboren, auch wenn sich Bertillons Vermessung des Knochenbaus langfristig nicht durchsetzte.

Die rabiaten Methoden beim Fotografieren bleiben den Festgenommen heute zum Glück erspart. So konnte 1977 der damals noch jungenhafte Bill Gates durchaus gewinnend in die Polizeikamera lächeln - vielleicht ahnte er schon damals seinen späteren Welterfolg voraus. Und auch Schauspieler Steve McQueen zeigte 1972 in echter Josef-Ackermann-Manier, was er von seiner Verhaftung wegen angeblicher Trunkenheit am Steuer hielt: Auf den Aufnahmen posiert er lässig mit "Victory"-Zeichen.

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insgesamt 2 Beiträge
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1.
Clemens Roth 06.05.2009
Sie haben meinen Lieblings-Mugshot vergessen: Bill Gates im Alter von 22 Jahren nach einem Verkehrsvergehen in New Mexiko. http://www.mugshots.org/misc/bill-gates.html Oder wurde er wegen des Hemdes festgenommen?
2.
Schwerdtfeger Johannes 07.05.2009
Zu dem Foto von Martin L. King fehlt der Hinweis auf das (mit Kugelschreiber?) hinzugefügte Todesdatum. In der hier veröffentlichten Form finde ich es ein wenig geschmacklos - auch wenn es sich sicher um ein interessantes Dokument handelt.
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