Postkarte von Anne Frank aufgetaucht "Viel Glück im Neuen Jahr!"

Sensationsfund im Trödelladen: Im niederländischen Naarden ist eine Neujahrskarte von Anne Frank aus dem Jahr 1937 aufgetaucht. Acht Jahre später starb das jüdische Mädchen im KZ Bergen-Belsen - ihr Tagebuch, vor der Deportation im Versteck geführt, machte sie weltberühmt.

DPA

Damit hatte Schuldirektor Paul van den Heuvel nicht gerechnet: Bei den Vorbereitungen für eine Ausstellung entdeckte er im Trödelladen seiner Eltern in der niederländischen Stadt Naargen eine Neujahrskarte von Anne Frank. "Ich fand sie in einer Schachtel, die vermutlich von einem Flohmarkt aus Amsterdam stammt", sagt der Mann. Abgestempelt wurde die Karte am 31. Dezember 1937 in Aachen, wo sich Anne zu dieser Zeit bei ihrer Großmutter aufhielt. Adressatin: Sanne Ledermann in Amsterdam. Wie die Senderin sollte die Freundin Anne Franks den Holocaust nicht überleben.

Die Vorderseite zeigt eine festlich mit Blättern geschmückte Glocke über einer Schneelandschaft und trägt die gedruckte Aufschrift: "Viel Glück im Neuen Jahr". Nach Angaben von Maatje Mostart, einer Sprecherin vom Anne-Frank-Museum in Amsterdam, existiert eine ähnliche Karte von Anne Frank, die am selben Tag aus der selben Stadt abgeschickt wurde. Damit erweise sich der Fund als echt, so Mostart. Das Museum hofft nun, die Karte als Ausstellungsstück zu bekommen.

Zu dem Zeitpunkt, als die gebürtige Frankfurterin Anne Frank die Karte abschickte, war das jüdische Mädchen acht Jahre alt - seit der Machtergreifung der Nazis lebte die Familie in Amsterdam. Um der Verhaftung und Einweisung in ein Konzentrationslager zu entgehen, tauchte die Familie im Juli 1942 unter und versteckte sich mehr als zwei Jahre lang im Hinterhaus an der Prinsengracht 263. Nur einen Monat zuvor, am 12. Juni 1942, ihren dreizehnten Geburtstag, begann Anne das rot-weiß-karierte Tagebuch mit Leben zu füllen.

"Alles von der leichten Seite nehmen"

Ihr letzter Eintrag stammt vom 1. August 1944 - hier beschrieb sie ihre Art, "alles von der leichten Seite zu nehmen." Drei Tage danach, am 4. August 1944, spürte ein Polizeikommando die Familie auf und überführte sie in holländische und deutsche Konzentrationslager. Von der Familie Frank überlebte einzig Vater Otto H. den Holocaust. Anne kam im März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen um - sie sollte ihren 16. Geburtstag nicht erleben.

Ihr Tagebuch verdankt die Welt den Freunden der Familie: Nach der Verhaftung suchten sie alle von Anne geschriebenen Texte zusammen und übergaben sie Annes Vater; 1947 veröffentlichte der Ausschwitzüberlebende das in holländischer Sprache geschriebene Werk unter dem Titel "Het Achterhuis".

Noch immer tauchen neue Dokumente auf, die mehr Details über das Leben der weltberühmten Tagebuchschreiberin enthüllen. So machten in den neunziger Jahren fünf bis dato unbekannte lose Blätter aus dem Tagebuch Furore. Und erst im vergangenen Jahr entdeckte Bernhard Elias, der Cousin von Anne Frank, auf dem Dachboden seines Hauses in Basel ein 25.000 Seiten starkes Konvolut an Dokumenten der Familie Frank: wie die Neujahrspostkarte ein Zufallsfund.

kik



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