Postkarten von DDR-Urlaubern "Bis auf den Flug ging alles glatt"

Postkarten von DDR-Urlaubern: "Bis auf den Flug ging alles glatt" Fotos
Georg Keim

"Luftlöcher", "fiese Leute" und ein "sagenhafter Kult" in Kirchen: DDR-Bürger entdeckten im befreundeten Ausland begeistert fremde Kulturen - zum Beispiel in Bulgarien. Die "lieben Zurückgebliebenen" erfuhren per Postkarte von den Abenteuern. Georg Keim hat Urlaubsgrüße gesammelt. Von

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Während Westdeutsche im Urlaub gern nach Italien, Spanien, Griechenland oder Dänemark fuhren, hatten Ostdeutsche weit weniger Auswahl. Der nahe Ostseestrand, die Mecklenburger Seenplatte oder ein Ausflug in den Thüringer Wald waren zwar nett, aber weit mehr lockte die große weite Welt. Die manifestierte sich für reisewillige DDR-Bürger in dem sozialistischen Bruderland Bulgarien.

In Westdeutschland war Bulgarien bis zur Wende hauptsächlich als Joghurtproduzent bekannt, für Ostdeutsche war es das Urlaubsziel. Zeugnisse der Erholung hinter dem Eisernen Vorhang sind - bei Ost- wie auch bei Westdeutschen - unzählige bunte Postkarten, die die Urlauber an ihre Lieben daheim in die DDR schickten.

Doch was sich hier ungefiltert Bahn brach, waren nicht nur heitere Urlaubsanekdoten, sondern auch die Schattenseiten des Sonnenstaats: Die Anreise war beschwerlich, Bulgarien teuer und Sonnenbrände an der Tagesordnung. Die Unwegsamkeiten allerdings wurden zumeist gelassen hingenommen: "Wir haben nur wenig zu klagen," schreiben Birgit und Stephan. In Bulgarien würde man behandelt, "wie eben DDR-Touristen behandelt werden."

"Da merkst Du jedes Luftloch"

Georg Keim hat Dutzende der kuriosen Ost-Karten gesammelt und eine Auswahl auf einestages präsentiert. In einem zweiten Teil zeigt er weitere originelle Andenken an die "schönsten Wochen des Jahres".

Wer es sich leisten konnte, flog seinem Urlaub entgegen - wie etwa Irmi, die sich bitterlich über die "Iljuschin 18" beschwerte: "Die ist zu klein, da merkst Du jedes Luftloch." Andere fuhren mit dem Zug - wie Gini, die einen "fröhlichen, munteren Gruß vom Bahnhof schickt", nachdem sie "mit einer Stunde Verspätung rund 46 Stunden unterwegs gewesen" war. Eine andere Möglichkeit war die Fahrt im eigenen Trabi oder per Anhalter. Roland und S. schrieben in die Heimat: "Ihr lieben Zurückgebliebenen, nach über 1000 km Trampen sind wir nun in Sofia gelandet." Häufig waren die Reisen beschwerlich und lang. Doch einmal angekommen, machte das Ziel jede Schwierigkeit wieder wett.

"Fiese Leute, wunderbare Natur"

Bulgarien bot den urlaubenden Arbeitern und Bauern Sonne, Strand und exotisches Essen, die Besucher ließen es sich gut gehen: "Wiedersehen nicht möglich, da Augen zugewachsen (wegen des guten Essens)", schreiben Ingrid und Alfred, während der "Oberblasse Berthold" das "Essen etwas außergewöhnlich" findet, sich aber über gutes Bier und Sonne freut. Gini hat sich gleich schon "viele Tomaten eingepfiffen".

Häufig wurde der Genuss nur von hohen Preisen getrübt. Karola und Thomas freuten sich zwar darüber, dass es noch FKK auf dem Zeltplatz gibt, bemängelten aber, dass dieser Platz "jetzt mehr als doppelt so teuer ... und übervoll" war. Heiko schrieb über "dieses widerspruchsvolle Land: herrliche, fiese Leute, wunderbare Natur, horrende Preise." Nicht käuflich war hingegen das Wetter, sonst "würde es auch für DM verkauft", wie Evi und Helmut spitz bemerkten.

Am Ende waren aber alle glücklich über die freie Zeit, Strand und Sonnenschein - wie ihre urlaubenden Brüder und Schwestern im Westen auch.

gsa


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1.
Dimo Georgiev 06.04.2008
Mir ist es sehr interessant,ob diese nette Leute die heutige Schwarzmeerkueste Bulgariens besuchen haben./Entschuldigen Sie mir bitte meine Deutsche sprache/.Wenn sie Heute diese Orte besuchen wollen,erwartet ihnen eine grosse Enttaeuschung-sei werden zwischen Beton sogar das Meer sehen.
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