Promi-Geschwister Hilfe, mein Bruder ist ein Superstar!

Schlimm, im Schatten von Bruder oder Schwester zu stehen! Viel schlimmer aber, wenn sie Superstars sind. Wir stellen Pechvögel vor, die nie aus dem Schatten ihrer Geschwister treten konnten.

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Wenn ein Musiker mit dem Nachnamen Jackson ein Interview gibt, spitzen Millionen Menschen die Ohren. Man werde noch einmal auf große Konzerttournee gehen, teilte der Sänger im Herbst 2007 der britischen BBC mit. "Das schulden wir unseren Fans und der Öffentlichkeit." Bereits im folgenden Jahr solle die Tournee beginnen. Die Weltöffentlichkeit war elektrisiert.

Allerdings handelte es sich bei dem Verkünder der frohen Botschaft nicht um Michael Jackson, den King of Pop. Stattdessen mussten die Fans mit einem anderen Mitglied der Familie vorliebnehmen. Jermaine Jackson kündigte die neue Tournee der Jackson Five an, an der auch Megastar Michael teilnehmen wollte.

Hätte Jermaine nicht zufällig Neuigkeiten über seinen Bruder Michael zu verkünden gehabt - die BBC hätte sich kaum für ein Interview mit ihm interessiert. Falls sie bei dem Sender überhaupt schon mal von dem Sänger gehört hätten.

Denn vom großen Ruhm seines jüngeren Bruders Michael ist Jermaine Jackson weit entfernt, obwohl beide einst eng zusammengearbeitet hatten: 1984 waren sie zum letzten Mal mit ihren Brüdern Jackie, Tito und Marlon auf große Tournee gegangen. Die Jackson Five hatten sich seit 1963 beachtlichen Ruhm erspielt - vor allem dank Michael, der beim ersten Auftritt der Geschwisterband gerade mal fünf Jahre alt war. Nachdem der begabte Sänger die Soulgruppe 1984 verlassen hatte, sollte sich die Band sechs Jahre später auflösen.

Michael entwickelte sich in diesen Jahren vom Talent zur Legende: Schon 1982 hatte er das kommerziell erfolgreichste Album der Geschichte produziert, "Thriller" verkaufte sich mehr als 50 Millionen Mal. Die Platte machte den 24-Jährigen schlagartig zum Weltstar und hielt sich unglaubliche 80 Wochen lang in den Top Ten der US-Charts.

Für immer im Schatten

Während der jüngere Bruder so zum Massenidol der Achtziger und Neunziger avancierte, geriet der ältere Jermaine aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Bis 1984 war er allein mit zehn Soloalben in die Charts eingestiegen, später zog er sich weitgehend zurück: Zwar nahm er noch sporadisch weitere Platten auf, doch kaum eine davon brachte es zu nennenswertem Erfolg.

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Promi-Geschwister: Den Zweiten beißen die Hunde

Und auch sonst war von Jermaine Jackson nicht mehr viel zu hören: Als Michael 2003 zum zweiten Mal wegen Kindesmissbrauchsvorwürfen vor Gericht landete, verteidigte er den Ruf seines Bruders vehement. Um seinen eigenen sorgte er sich indes offenbar nicht: 2007 zog Jermaine als einer der ersten Promis in den TV-Container der britischen Reality-Show "Celebrity Big Brother".

Schlagzeilen gab es ansonsten bestenfalls für die Anekdote, dass er mal den Kölner Dom für die Pariser Kathedrale Notre-Dame hielt - oder dass die Eltern des Pop-Produzenten Jermaine Dupri ihren Sohn 1972 nach dem damals noch einigermaßen prominenten Jackson-Five-Musiker benannten. Außerdem erfuhr die Welt, dass Jermaine Stammgast im New Yorker Edel-Fitnessstudio "Sports Club/LA" ist. Kurzum: Im Leben des gealterten Musikers passierte offenbar so wenig, dass selbst in der offiziellen Biographie eine Lücke zwischen 1992 und 2010 klafft.

Im November 2014 hatte Jermaine Jackson jedoch mal wieder einen größeren Auftritt im Fernsehen: RTL hatte den Soulmusiker in "Die ultimative Chart Show" eingeladen, der betagte Musiker trat auch mit einem Song auf. Trotzdem stand er noch immer im Schatten seines legendären Bruders Michael, der im Juni 2009 gestorben war. Denn Jermaine Jackson war nicht wegen seines eigenen Lebenswerks von dem Sender eingeladen worden - der Titel der TV-Show lautete "Die erfolgreichsten Michael-Jackson-Songs aller Zeiten".

Es ist eben nicht leicht, im Schatten eines Superstars zu stehen. Schon gar nicht, wenn es der eigene Bruder oder die Schwester ist. Lernen Sie in der einestages-Bildergalerie einige der unbekannten Promi-Geschwister kennen, die auch ein wenig Ruhm verdient hätten.



insgesamt 10 Beiträge
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Harald Habekost, 01.01.2015
1. Interessant,
aber Sie haben die Gebrüder Schweinsteiger vergessen. Tobias kam über die 2. Liga nicht hinaus... Bastian ist bekanntlich deutlich erfolgreicher.
Barbara Fischer-Bossert, 01.01.2015
2. Mindestens zwei
Geschwisterpaare fallen mir ein, die beide gleichermaßen berühmt wurden: Olivia de Havilland und Joan Fontaine Shirley McLane und Warren Beatty Von diversen Fußball-Zwillingen (Kremers und Bender) mal ganz abgesehen. Kann also auch mal klappen.
Klaus Fiehe, 01.01.2015
3. Roger & Brian
Roger Eno. Ein wunderbarer Mensch. Der mir bei einer Gelegenheit steckte, sein Bruder Brian sei ein unfassbarer Geizhals. Der, mit dieser Aussage zu einem späteren Zeitpunkt konfrontiert, brach in schallendes Gelächter aus, um sodann inbrünstig zu gestehen: Ich liebe meinen Bruder!
Peter Maurer, 01.01.2015
4. Wie schrecklich ...
... die Armen. In der Tat, was für Pechvögel. Völlig verkorkste Leben, und das nur, weil die Geschwister so erfolgreich waren. Der arme Malte Metzelder hat es nur zum Zweitligaspieler gebracht und verdient so wahrscheinlich nur um die 100.000 Euro im Jahr. Ohne seinen Bruder hätte er es erfolgreich in die zweite Liga geschafft und hätte dort ein tolles Jahresgehalt von um die 100.000 Euro verdient. Und der arme Jermaine Jackson hätte es ohne Michael zu einer erfolgreichen Musikerkarriere mit 23 Alben und großen Erfolgen gebracht (oder vielleicht auch gerade nicht, denn zu Beginn hat das Talent von Michael ihn auch sehr geholfen).
martin.laska, 01.01.2015
5. Im Schatten des Genies
Im Schatten berühmter Brüder oder Väter zu stehen, ist oftmals ein sehr schweres Schicksal. Man denke nur an die Familie Thomas Mann. Die Anerkennung der mutmaßlich geringeren Leistung fällt da sehr schwer. Der jüngere Bruder von Jules Verne hatte es nicht weiter gebracht als zum Horoskopeschreiber und gelegentlichem Theaterkritiker einer recht bedeutungslosen Pariser Zeitung. Trotzdem haben die beiden sich prächtig verstanden. Manchmal geht das gut, wenn zum Beispiel Söhne berühmter Väter etwas ganz anderes machen, wie zum Beispiel der Sohn von Marcel Reich-Ranicki, der Mathematikprofessor in England ist. Ein spannendes Thema! Martin Laska
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