Patente von Prominenten Was Michael Jackson, Charlie Sheen und Albert Einstein erfanden

Prominente Zeitgenossen, die ganz amtlich als Erfinder geführt werden, sind gar nicht so selten. Einestages zeigt kreative und kuriose, verwegene und vergessene Ideen.

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Als der US-Fernsehsender ABC im Frühjahr 2004 ein neues TV-Format als "die ultimative Reality-Show" mit "nervenaufreibender Eliminationsrunde" ankündigte, war die Empörung groß. In der Sendung "Be My Baby" sollte eine 16-jährige Schwangere unter fünf Paaren die Adoptiveltern für ihr Baby auswählen. Der Werbe-Spot erinnerte an die Kuppelshow "The Bachelor". Zuschauer äußerten sich entsetzt über die Vorstellung, dass nun statt eines attraktiven Junggesellen für paarungswillige Damen ein Baby die Siegprämie für wetteifernde Eltern werden sollte.

Empört war auch der international bekannte Löffelverbieger Uri Geller. Der Unterhaltungskünstler mit angeblich telepathischen Kräften behauptete, die Idee zur Sendung sei geklaut - und zwar bei ihm.

Tatsächlich hatte Geller bereits im Januar 2001 beim US-Patentamt eine Erfindung angemeldet: ein Adoptionsverfahren "in Form einer Fernsehspielshow oder eines Online-Medien-Events, in dem Paare miteinander konkurrieren, um das gesetzliche Sorgerecht für das Kind zu gewinnen".

"Treibstoff für das Feuer des Genies"

Geller war bei Weitem nicht der einzige Künstler, der sich vor, während oder nach seiner Karriere als Erfinder betätigte. Wohl aber der mit dem originellsten Motiv.

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Nach Bekanntwerden der geplanten Sendung drohte Geller mit rechtlichen Schritten, sollte ABC das Format fortsetzen. Er berief sich dabei auf sein Urheberrecht: Verwendet hatte der Künstler seine Idee selbst bereits 2001 - allerdings als fiktive Erzählung in seinem online veröffentlichten Roman "Nobody's Child". Mit dem weltweiten Patent habe er verhindern wollen, dass eine solche Show jemals irgendwo realisiert würde, so erklärte Geller in den Tagen der medialen Aufregung.

Mit dem Gedanken, etwas zu erfinden allein zu dem Zweck, dass es NICHT verwirklicht werde, ist der professionelle Gedankenleser eine Ausnahme.

Prominente Zeitgenossen, die ganz amtlich als Erfinder geführt werden, sind hingegen gar nicht so selten. Ob Charlie Sheen oder Jamie Lee Curtis, Marlon Brando oder Neil Young: Üblicherweise trieben sie dabei die gleichen Motive an, die wohl auch für weniger bekannte Bastler und Tüftler gelten - sie wollten sich und anderen das Leben erleichtern, die Welt ein kleines bisschen besser machen.

Und natürlich Geld verdienen. Denn das Schutzrecht besagt, dass nur der Patentinhaber selbst berechtigt ist, die Erfindung zu nutzen. Es sei denn, jemand anders erwirbt dafür eine Lizenz.

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Die Liste der Erfinder, die man nicht als Erfinder kennt, ist lang. Einige davon finden sich in den Bildergalerien hier und hier. Albert Einstein, Steve McQueen, Antoine de Saint-Exupéry und viele andere sind darunter, ebenso Politiker von historischem Rang.

Für US-Präsident Abraham Lincoln etwa zählte das Patentrecht zu den drei wichtigsten Entwicklungen der Weltgeschichte - gleich nach der Entdeckung Amerikas und der Erfindung des Buchdrucks. Es garantiere dem Erfinder für begrenzte Zeit die ausschließliche Verwendung seiner Idee und füge somit "dem Feuer des Genies den Treibstoff für das Interesse an der Entdeckung und Produktion neuer und nützlicher Dingen hinzu", schrieb Lincoln 1859.

Nicht immer geht es in erster Linie ums Geld

Auch in Lincoln selbst loderte dieses Feuer: 1849 ließ er eine Konstruktion patentieren, die mittels Bojen den Tiefgang schwer beladener Schiffe mindern und ihnen so über Untiefen hinweghelfen sollte. Realisiert wurde die Erfindung allerdings nie. Für den Mechanik-begeisterten Tüftler war der Ofen damit aber längst nicht aus: Als Redner referierte Lincoln über die Entdeckungen und Erfindungen anderer - und verdiente sein Geld als Patentrechtsanwalt.

Der von Lincoln beschworene Nutzen für die Gesellschaft konnte natürlich auch darin liegen, dass jemand seine Ideen in erster Linie für sich selbst nutzte - etwa um sich von anderen Kreativen abzugrenzen oder schlicht den Lebensunterhalt zu sichern.

Die 2016 gestorbene Popikone Prince etwa gilt als Vorkämpfer für die Urheberrechte von Künstlern - auch noch im Internetzeitalter. Viele Jahre lang rang er um die Kontrolle über sein Werk, schrieb sich "Slave" auf die Wange, zeitweise blieb sein Künstlername auf der Strecke. Am Ende hatte The-Artist-Formerly-Known-As-Prince seinen Namen zurück und eine Einigung mit seiner Plattenfirma erzielt. Dass er sich 1992 das Design seines Umhänge-Keyboards patentrechtlich schützen ließ, ist mehr eine Fußnote.

Selbstverständlich war es keineswegs, dass jemand von der Nutzung seiner Erfindung profitierte - selbst wenn er das Schutzrecht formal auf seiner Seite hatte. Der Schauspielerin Hedy Lamarr und dem Pianisten George Antheil ging es von Anfang an nicht ums Geld: Sie wollten mit ihrer Erfindung die USA im Kampf gegen Hitler-Deutschland unterstützen.

Am Ende gewannen die Alliierten den Krieg auch ohne die von den beiden ersonnene störungs- und abhörsichere Funkfernsteuerung. Als die Idee doch noch auf den Markt kam, war Antheil bereits tot, das Patent ausgelaufen. Dafür profitiert die übrige Welt bis heute von deren Technologie - in Handys.

insgesamt 9 Beiträge
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Axel Köhlmoos, 22.02.2017
1. Patente auf jahrtausendalte Erfindungen?
Schiffen oder Booten mit Hilfe von Auftriebskörpern einen geringeren Tiefgang zu verschaffen gibt es doch schon lange, lange vor 1849. Meiner Meinung nach (eben kein Jurist) ist etwas, was schon lange genutzt wird, nicht mehr patentfähig. Allerdings habe ich auch gehört, dass ein Lebensmittelkonzern sich die Patente für irgendeinen indischen Reis sichern wollte oder sogar gesichert hat. Wäre interessant zu wissen, ob so etwas überhaupt geht.
Gernot Winkelmann, 22.02.2017
2. Der Unterschied zwischen Urheber und Erfinder ist dem Autor offenbar nicht geläufig.
Wer einen Song schreibt oder ein Gedicht ist kein Erfinder, aber der Urheber. Ein Patent auf eine Spielshow zu erteilen ist daher pervers. Das Urheberrecht sich zu sichern aber nicht.
Martin Koob, 22.02.2017
3. Harry Connick Jr.
Auch der Jazz-Musiker und Schauspieler hat was erfunden, hautpsaechlich fuer seine Big-Band, es hat aber einen viel breiteren Nutzen im Musikbereich und war einer Zeit vorraus: System and method for coordinating music display among players in an orchestra http://patft.uspto.gov/netacgi/nph-Parser?Sect1=PTO1&Sect2=HITOFF&d=PALL&p=1&u=/netahtml/PTO/srchnum.htm&r=1&f=G&l=50&s1=6348648.PN.&OS=PN/6348648&RS=PN/6348648/
Benjamin Kölsch, 22.02.2017
4.
Verdammt dünner Artikel, das wäre mir peinlich so was zu publizieren. Den Unterschied zwischen Entwicklung, Erfindung und Urheberschaft lässt sich der Autor bitte nochmal erklären.
Thorsten Genski, 22.02.2017
5. Ein Patent erteilt KEINE Nutzungserlaubnis
Es dient ausschließlich dazu seine Erfindung vor der Nutzung durch andere zu SCHÜTZEN. Es ist ein Schutzrecht. Die Erlaubnis zur Nutzung der Erfindung ist ein anderes Paar Schuhe und ein anderes Verfahren, das auch anderen Gesetzen unterliegt.
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