Rätselhaftes Kennedy-Attentat Neue Spur aus dem Tresor?

Rätselhaftes Kennedy-Attentat: Neue Spur aus dem Tresor? Fotos
AP

War der angebliche Kennedy-Mörder Oswald wirklich nur ein verblendeter Kommunist ohne Hintermänner? Ein Dokument, das jahrzehntelang in einem Tresor in Dallas schlummerte, könnte nun das Gegenteil beweisen. Die Verschwörungstheorien blühen neu auf. Von

  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare
    2.9 (586 Bewertungen)

"Alles, was ich brauche, ist ein Gewehr und ein hohes Gebäude." Mit diesem Satz soll der mutmaßliche Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald gegenüber dem Barbesitzer Jack Ruby bei einem Treffen in einem von Rubys Nachtclubs seine Mordabsichten erläutert haben - sechs Wochen vor dem Attentat auf den US-Präsidenten. Diese jetzt erst öffentlich bekannt gewordene Unterhaltung feuert die Verschwörungstheorien um die Ermordung von JFK neu an.

Bezirksstaatsanwalt Craig Watkins hat das Gesprächsprotokoll zwischen Ruby und Oswald im zehnten Stock des Gerichtsgebäudes von Dallas in einem alten Safe gefunden. Ursprünglich auf der Suche nach der Pistole, mit der Ruby drei Tage nach dem Präsidentenmord vom 22. November 1963 den angeblichen Kennedy-Attentäter umbrachte, stieß Watkins vor etwa einem Jahr auf den Tresor, dessen zwölf Kisten starken Inhalt er am Montag vor Journalisten präsentierte. Brisantestes Fundstück: die angebliche Abschrift des Nachtclub-Gesprächs zwischen Ruby und Oswald, geführt am 4. Oktober des Kennedy-Todesjahres.

Sollte sich das Gesprächsprotokoll als echt herausstellen, müsste der spektakuläre Fall zum wiederholten Mal neu aufgerollt werden. Denn laut offizieller Darstellung gilt der zur Tatzeit 25-jährige Oswald als Einzeltäter. Der Dialog zwischen Ruby, dem jüdischen Nachtclub-Besitzer mit Mafia-Kontakten, und dem überzeugten Marxisten Oswald hingegen liest sich so, als hätten beide das Attentat gemeinsam geplant. Ihr Motiv: Kennedys Bruder, den damaligen Justizminister Robert Kennedy, unschädlich zu machen, weil der die Mafia ins Visier genommen hatte.

"Ich kann seinen Bruder erschießen"

"Es gibt eine Möglichkeit, ihn (den Justizminister Robert Kennedy, d. Red.) zu erledigen, ohne ihn zu töten", sagte Oswald laut Protokoll. "Und welche?", fragte Ruby. "Ich kann seinen Bruder erschießen", entgegnete Oswald. "Den Präsidenten? Das wäre nicht besonders patriotisch", warf Ruby demnach ein. Oswald entgegnete, er könne es dennoch tun - eine Waffe sowie ein hohes Gebäude würden ihm genügen. Später warnte Ruby Oswald laut Gesprächsprotokoll noch vor den Folgen der Tat: Die Mafia würde Ruby drängen, Oswald zu töten, falls er festgenommen würde.

Die US-Justiz hält das Fundstück für eine Fälschung. Die Mitarbeiterin von Staatsanwalt Watkins, Terri Moore, sagte der Zeitung "Dallas Morning News", es handele sich wahrscheinlich um eine erfundene Szene für einen Film, den der damalige Staatsanwalt Henry Wade mitbetreute. Wade leitete die Ermittlungen gegen Ruby. Und Gary Mack, Kurator des Sixth Floor Museum in Dallas, das die Ermordung Kennedys rekonstruiert hat, soll laut "Dallas Morning News" laut gelacht haben, als er das Dokument in den Händen hielt.

Es gelte als klar erwiesen, dass Oswald an jenem Abend bei seiner Ehefrau in Irving gewesen sei, sagte Mack der Zeitung. Vermutlich habe Staatsanwalt Wade das Dokument deshalb aufgehoben, weil es ihn amüsiert habe. "Es ist urkomisch. Wie ein schlechter B-Movie", so Mack.

Lederhalfter und Messing-Schlagring

Die Warren-Kommission, die 1963 für die Aufklärung des Attentats eingesetzt worden war, ging stets davon aus, dass Oswald und Ruby sich nicht kannten - eine Frage, die aber nie abschließend geklärt werden konnte, da Ruby den mutmaßlichen Kennedy-Attentäter zwei Tage nach der Tat vor laufenden Kameras mit den Worten niederschoss: "Du hast meinen Präsidenten erschossen, du Ratte." Oswald starb im Parkland Memorial Hospital, genau wie zwei Tage vor ihm sein Opfer Kennedy - und drei Jahre später sein Mörder Ruby, der 1967 einer Lungenembolie erlag.

Zwar lag der Warren-Kommission schon während ihrer Untersuchungen ein ähnliches Dokument vor wie die nun aufgetauchte Abschrift. Doch erklärte das FBI jenen Dialog zwischen Ruby und Oswald damals für eine klare Fälschung.

Außer dem umstrittenen Gesprächsprotokoll enthält der Tresor aus Dallas nach US-Medienberichten unter anderem noch einen Lederhalfter und einen Messing-Schlagring Rubys sowie diverse Kleidungsstücke Oswalds. Nur das Objekt, mit dessen Suche Staatsanwalt Watkins die ganze Aufregung ins Rollen gebracht hat, fehlt noch immer: die Pistole, mit der Ruby Oswald ermordete - sie wurde schon vor Jahren an einen privaten Waffensammler verkauft.

Mit Material von AP und Reuters

Artikel bewerten
2.9 (586 Bewertungen)
Mehr zum Thema
Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Dirk Gerhardt, 20.02.2008
Wegen diesem "Beweisstück" blühen wohl kaum Verschwörungstheorien neu auf. Eher auf Grund der Tatsache, dass alle Medien sich (bis auf die Ausnahme des Rolling Stone Magazin) sich dazu verschworen haben, die Aussagen von E. Howard Hunt zu ignorieren, die uns sein Sohn letztes Jahr präsentiert hat, die eindeutig auf einen von der CIA-inszenierten Plot hinweist, der von Lyndon B. Johnson gedeckt wurde. Und die indirekt von Barr McClellan, Vater vom ehemaligen Weißen Haus-Pressesprecher Scott McClellan, sowie von der Geliebtin Johnsons Madeleine Duncan Brown, bestätigt wurden. Interessanter auch die Analogien zwischen Kennedy-Attentat und 91, wie sie Peter Dale Scott in mehreren seiner Beiträge aufzeichnet- z.B. in "JFK, 9/11 and War" Was für ein Motiv hatte die CIA? Man kann IMO die Rolle nur verstehen, wenn man die Macht des MIK dabei bedenkt: JFK verhinderte einen Angriff aka OP Northwoods, er hatte beim Zündeln mit der Kuba-Krise einen de-eskalierende Rolle, er verhinderte eine Ausweitung der OP Schweinebucht. Er begann, die Rolle der Fed dahinter zu verstehen. Verbürgt in seiner EO11110 sowie in seinen Reden vor seinem Tod. Er wollte auch gegen die CIA vorgehen. Alles bei Youtube zu finden. Kaum war Lyndon B. Johnson an der Macht, bekam der MIK seinen Krieg- mittels False Flag Tonkin Incident. In die gleiche Amts-Zeit fällt auch das mißglückte False Flag der USS Liberty. Danach musste man LBJ "loswerden". Nixon kam ins Amt. Als der Frieden mit den "Commies" wollte und von einem Ende des kalten Krieges sprach, kam Watergate. Mit den gleichen Beteiligten wie bei JFK, den "Tramps". Das ist ein so konsistentes Bild, mehr geht eigentlich nimmer. Hier bei Einestages erfährt man von all dem nichts, wie im restlichen Deutschland, satt dessen werden merkwürdige Verschwörungstheorien progapiert, die allesamt weg vom Zentrum der Macht weg deuten- wie die des Holländers Huismann oder jetzt die angeblichen Tresorfunde. Merke: Das progagieren von (falschen) Verschwörungstheorien ist nützlich, um damit Konfusion zu erzeugen, die Wahrheit selbst ist so schlimm, dass sie niemals herauskommen darf.
2.
Sven Weber, 20.02.2008
Gar unsorgfältig recherchiert leider, dieser Artikel. Aber das ist bei dieser Thematik oft der Fall. Raffinierte Konstrukte, Halbwahrheiten und schiere Erfindungen lassen die Verschwörungsgilde frohlocken. Die Waffe von Jack Ruby ist mitnichten "unauffindbar", man muss sie auch nicht in irgendwelchen Tresoren der Dallas Police suchen gehen. Sie wurde von seinem Bruder Earl Ruby aus dem Nachlass von Jack Ruby 1992 bei einer Auktion in New York für $ 200'000 an einen privaten Waffensammler verhökert. 5 Minuten Recherche auf dem Netz waren dafür ausreichend, womit auch diese Theorie in den Mülleimer der Geschichte wandern dürfte.
3.
Wolfgang J. Hofer, 24.02.2008
Gerade jetzt, nach dem Abgang des Maximo Lider, sollte jeder der Antworten auf den Kennedy Mord sucht, das Buch "Ultimate Sacrifice" gelesen haben. Ein 800 Seiten Wälzer, der penibelst die jahrelange Entwicklung der USA, die Beziehung zu Kuba, die Rolle des CIA und vor allem der Mafia erklärt, wie es ausgerechnet am 22.11.63 zu Attentat kommen konnte. Am 1.12.63 hatten die Kennedy´s (Jack, aber vor allem Bobby als Justizminister) über Monate hinweg einen Coup De Tat in Kuba geplant ... Das sowas nicht rauskommen durfte, erklärt sich von selbst ...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH