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Kalter Krieg Reagan wollte Zahl der US-Atomraketen in Deutschland fast verdoppeln

Pershing-II-Raketen: Wider dem Protest Fotos
DPA

Die Stationierung amerikanischer Atomraketen trieb in den Achtzigerjahren Hunderttausende Deutsche auf die Straße. Nach SPIEGEL-Informationen belegen Akten des Außenministeriums: US-Präsident Reagan wollte sogar noch viel mehr Pershing-II-Raketen aufstellen.

Hamburg - US-Präsident Ronald Reagan erwog offenbar in den frühen Achtzigerjahren, mindestens 198 ballistische Atomraketen in der Bundesrepublik zu stationieren. Die Bundeskanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl waren dagegen. Das zeigen Akten des Auswärtigen Amts, die das Institut für Zeitgeschichte im Verlag de Gruyter veröffentlicht. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Es geht um die amerikanische Pershing-II-Rakete, die von deutschem Boden aus in wenigen Minuten bis kurz vor Moskau fliegen konnte. Der sogenannte Nato-Doppelbeschluss von 1979 sah vor, 108 Pershings als Gegengewicht zur sowjetischen SS-20-Rakete aufzustellen, was zu heftigen Protesten führte. Die Friedensbewegung sprach sogar von einer Erstschlagwaffe.

Schon bald keimte in Bonn jedoch der Verdacht, dass die Amerikaner mindestens 90 weitere Pershings als "Nachladebestand" in der Bundesrepublik stationieren wollten. 1982 erfuhr dann ein Bonner Offizier "inoffiziell" von US-Kollegen, dass Washington sogar die Produktion von 394 Pershings plus 328 Atomsprengköpfen plane.

Mehrfach verlangte die Bundesregierung zwischen 1981 und 1984 eine schriftliche Zusage Washingtons, dass die USA sich an den Doppelbeschluss halten würden, doch entsprechende Briefe blieben unbeantwortet. Mitarbeiter des US-Verteidigungsministerium erklärten mündlich, man brauche die überzähligen Raketen fast vollständig zu "Übungsschießen, Tests, Bestandserhaltung und Produktverbesserung" in den USA.

Ob Außenminister Hans-Dietrich Genscher intervenierte, ist ungeklärt; die Bundesregierung hat die Akten nur bis 1984 freigegeben. Am Ende stationierten die Amerikaner jedenfalls lediglich 108 Pershings in der Bundesrepublik.

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1.
Gerd Gans, 04.01.2015
Ein weiterer Beleg für die Weitsicht und die Weisheit von Ronald Reagan! Wir verdanken es diesem Mann, dass der Westen und damit die Freiheit den kalten Krieg gewonnen hat! Zumal in den Ländern jenseits des "eisernen Vorhangs" müssten im Prinzip Denkmäler für diesen größten US-Präsidenten an jeder Straßenecke stehen, denn er hat die Länder dort mit seiner Durchsetzungsfähigkeit gegenüber den Kommunisten befreit!
2. Danke
cromwelluk, 04.01.2015
Ich danke jeden Tag den Herren Reagan und Schmidt...sowie der altehrwürdigen Lady Thatcher das sie mit dem konsequenten Handeln und dem Durchsetzen des NATO Doppelbeschlusses das Ende der kommunistischen Diktaturen in Europa eingeleitet haben.....den Menschen die Freiheit gebracht haben.
3. warum?
Matthias Mohr, 04.01.2015
Schon ein Drittel der damals vorhandenen Atomwaffen hätte die gesamte Erde auf Jahrtausende unbewohnbar machen können.
4. Stimmt das so?
Edgar Lefgrån, 04.01.2015
Der Zusammenhang erscheint nicht gerade logisch? Erwog das tatsächlich Präsident Reagan? Gibrt es dafür schriftliche Beweise aus dem Weissen Haus oder dem DoD? Was ist da denn offenbar? Ob die deutsche Regierung da nicht auf sowjetische Desinformation reingefallen? Ob das dem Spiegel nicht auch schon öfters und auch jetzt wieder passsiert ist? Es ist schon erstaunlich.
5.
jens fehlberg, 04.01.2015
Damals gingen noch Hunderttausende auf die Strasse um gegen den großen Bruder zu Demonstrieren...... Heute machen die USA was sie wollen und keinen interessierts oder wird gutgeheißen! Ja, die von Kohl`s CDU ausgerufene geistig moralische Wende ist eingetreten und wird von Merkel verwaltet.
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