Rockfotograf "Für Led Zeppelin habe ich die Mädels klargemacht"

Rockfotograf: "Für Led Zeppelin habe ich die Mädels klargemacht" Fotos
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Robert Plant mit Groupie, Abba beim Familienfrühstück, Alice Cooper im Panzer: Wolfgang Heilemann hat die größten Rockstars privat fotografiert. Im Interview spricht er über Liebesdienste für Led Zeppelin, nackte Miss Worlds und Mick Jaggers Beichten - und zeigt seine Fotoschätze.

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einestages: Herr Heilemann, wie wird man zum Fotografen der Stars?

Heilemann: Ich brauchte halt einen Job, also hab ich mir die "Süddeutsche Zeitung" gekauft und im Anzeigenteil nachgesehen, was es so gibt. "Lupo Modern" suchten einen Redakteur, der Ahnung von Popmusik hatte, und schon saß ich da und erzählte denen was. Eine entsprechende Ausbildung hatte ich nicht.

einestages: Die Zeitschrift "Lupo Modern" war in den Sechzigern eine Mischung aus "Fix und Foxi" und "Bravo".

Heilemann: Ja, da gab es so einen Comic, "Die Pichelsteiner", das war ein Abklatsch von "Asterix und Obelix". Diese Sprechblasen zu texten, das war mein Job. Es wurde auch viel fotografiert für das Blatt, mehr schlecht als recht. Irgendwann bin ich mal mitgegangen und hab dem Fotografen über die Schulter fotografiert. Mein Bild wurde dann zum Poster. Schließlich besuchte ich während einer kaufmännischen Lehre drei Jahre die Fotoschule.

einestages: Das war Ihr Durchbruch?

Heilemann: Na ja, das war der Anfang. Über Umwege bin ich dann bei der "Bravo" gelandet. 1967 gab es einen Pressetermin in Hamburg, zu dem keiner hinwollte. Es ging um so einen zotteligen Schwarzen. Da durfte ich dann hin. Der Bildredakteur meinte, ich sollte doch noch über London fliegen, dort ein Shooting mit den Easy Beats machen. Die hatten einen Hit, "Friday on my mind", und Fotos hatten gute Chancen, gedruckt zu werden. Zufällig waren die Bee Gees auch gerade da, damals völlig unbekannt. Im Vorzimmer des Managers saßen außerdem drei langhaarige Penner, die sich als Ginger Baker, Jack Bruce und Eric Clapton vorstellten. Das waren The Cream. Ach ja, der Termin in Hamburg war übrigens mit Jimi Hendrix.

einestages: Den kannte man da auch noch nicht?

Heilemann: Nein, das war auch gar nicht so einfach, den Chefredakteur zu überzeugen, überhaupt eines der Fotos ins Heft zu nehmen. Ich hatte mir in London den "Melody Maker" und den "Music Express" gekauft, die hatten bereits ganzseitige Werbeanzeigen zu den Künstlern. Diese Anzeigen hab ich dem Chefredakteur auf den Tisch geknallt und gesagt: "Guck mal, die Briten berichten darüber, seitenweise!" Der Chefredakteur war neu, der hatte keine Ahnung von Popmusik. Dann kam alles ins Heft. Das war mein Durchbruch. Ab da war ich Fotograf der größten Acts der Welt.

einestages: Gibt es einen Fototermin, an den Sie sich besonders gerne erinnern?

Heilemann: Ach, da gibt es so viele. Ich hatte mal ein Shooting mit Mick Jagger in Manchester 1970, wir wollten Bilder für den Starschnitt machen. Ich war kurz vorher in London in der Carnaby Street - der angesagtesten Shoppingmeile der damaligen Zeit gewesen - und hatte mir schräge Klamotten gekauft. Mick kam in Schlips und Kragen, da meinte ich: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Leser wochenlang Körperteile von dir im grauen Anzug ausschneiden wollen. Du musst schon auch aussehen wie ein Popstar!" Er hat dann widerwillig mein T-Shirt angezogen, aus der Carnaby-Street, gelb, mit grasgrünen Ärmeln und einer großen "Drei" vorne drauf. Das Bild wurde zum Starschnitt. Ich glaube, Mick würde das Foto heute gern ungeschehen machen.

einestages: Haben Sie noch Kontakt zu Mick?

Heilemann: Wir laufen uns immer mal wieder über den Weg. Einmal habe ich ihn in München zufällig in einer Disco getroffen, 1975. Der stand da ganz alleine und hat sich gefreut, jemanden zu treffen, den er kannte. Er fühlte sich da nicht so wohl und schlug vor, mit ein paar Frauen zu mir zu gehen. Er zeigte mir auch gleich, welche Ladys er mitnehmen wollte. Ich bin dann zu denen hin mit dem Spruch: "Hört mal, Mick Jagger möchte noch mit zu mir gehen, was trinken, im kleinen Kreis, habt ihr Lust?"

einestages: Das hat geklappt?

Heilemann: Da hat keine Nein gesagt. Die hockten dann bei mir zu Hause auf dem Sofa wie die Hühner auf der Stange. Mick und ich saßen in der Küche und tranken Cognac aus langstieligen Silberpokalen, die hatte ich in London gekauft. Seinen Pokal hab ich bis heute nicht gespült.

einestages: Worüber redet man da so?

Heilemann: Er meinte: "Mensch Bubi, du hast ein Leben als Fotograf, gehst da einfach hin zu den Mädchen und die kommen mit." Darauf ich lachend: "Moment mal, du willst mich doch verarschen. Schließlich bist Du Mick Jagger! Du wirst wohl kaum Probleme haben, ein Weib aufzureißen."

Mick: "Ne, die kommen zwar alle an, fragen nach Autogrammen, wollen dann aber nicht mitkommen. Die haben Angst, dass sie am nächsten Tag in der Zeitung stehen, als Groupie von so einem Rocker."

einestages: Das klingt tragisch...

Heilemann: Mick wollte dann später, dass ich ihm ein Hotelzimmer bestelle, im Holiday Inn auf der Leopoldstraße. Da hat er sich eines von den Mädchen mitgenommen. Irgendwie war das immer so, wenn mal einer nach München kam: Robert Plant von Led Zeppelin zum Beispiel pflegte mich vor seiner Anreise anzurufen und zu sagen: "Hey Bubi, ich komme nach München, mach mal ein paar Mädels klar." Als David Cassidy sich ankündigte, fragte er gleich nach dem damaligen "Bravo"-Covergirl.

einestages: Sie haben bestimmt auch viele hübsche Mädchen fotografiert?

Heilemann: Ja viele. Für Modefotos und die Dr.-Sommer-Aufklärung und Bond-Girls. Ich hatte auch mal ein Cover für die "Paris Match". Das Magazin wollte eine Titelgeschichte über die Miss World. Die hatten irgendwie rausgekriegt, dass ich die mit ihrem viel älteren Freund bei einer Kissenschlacht nackt im Bett fotografiert hatte. Ihr Freund war 56 Jahre alt. Ich glaube, die Aufnahmen haben dem Mädchen die Karriere gekostet. Das war viel zu skandalös für eine Miss World.

einestages: Gibt es irgendeinen Star, den Sie nicht vor die Linse bekommen haben?

Heilemann: Der Einzige, den ich nie fotografiert habe, ist Elvis, das ärgert mich heute noch. Ich hatte schon das Ticket nach Memphis, um ihn zu treffen. Leider bin ich dann in New York hängengeblieben, weil mich dort eine Sängerin stundenlang warten ließ. Das war Aretha Franklin. Schade.

einestages: Hat München für Sie noch denselben Glamour wie in den Siebzigern?

Heilemann: Absolut! München ist nach wie vor die einzige deutsche Stadt mit Hollywood-Flair. Hier wohnen alle Stars! Der Starnberger See, da hat Howard Carpendale ein Haus, auch wenn der immer erzählt, er wohne in Amerika. Die Schickimickis wohnen hier alle. Berlin ist mir zu rau. Hamburg wäre für mich noch eine Alternative, nur ist mir da das Wetter zu beschissen. In Hamburg lasse ich mich immer wieder gerne zu Partys einladen. Schade, dass es den "Star-Club" nicht mehr gibt.

einestages: Was steht da eigentlich für ein Pokal in Ihrem Regal?

Heilemann: Das ist der Goldene "Bravo"-Otto

einestages: Und den gab es wofür?

Heilemann: Bester Popstar der Welt (lacht). Ich hab damals zum Chefredakteur gesagt: "Ich möchte auch so ein Ding haben!" Der hier war eigentlich für Paul McCartney gedacht, aber der hat ihn nie abgeholt.

einestages: Sie haben den "Bravo"-Otto von Paul McCartney im Regal?

Heilemann: Ja, aber da steht jetzt natürlich mein Name drauf.

Wolfgang "Bubi" Heilemann hat mehrere Bildbände veröffentlicht und betreibt eine eigene Website. Gemeinsam mit dem Ex-Mitglied der Bay City Roller, Leslie McKeown, betreibt er heute einen "Karaoke Spezial Shop" in München.

Das Interview führte Sebastian Heilig

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1. Dschinghis Khan
Schwarz Wald 22.03.2014
Da ich es anders in Erinnerung hatte, habe ich dann doch nochmal bei Wikipedia nachgeschaut. Tatsächlich war der nicht "Moskau" (wie bei der Bildunterschrift für Bild 31 behauptet) sondern "Dschinghis Khan" der größte Hit für Dschinghis Khan. Sowohl in der Höchsplaztierung als auch Verweildauer in den Charts. Ansonsten DANKE für die schöne Erinnerung an die 70 & 80 in Bild & Text.
2. Die Website
Dieter Hildebrand 24.03.2014
auf die verwiesen wird, ist genauso alt wie der Mann und sein Geschichten *lol* - schon lange keine solche "Heimseite" mehr gesehen, daß es sowas noch gibt - köstlich :-)
3. Normal wird man ja mit der Zeit besser...
Peter Vogel 24.03.2014
...aber bei diesem selbsternannten Fotografen kann ich das nicht sehen. Es ist erstaunlich mit was für teilweise grauenhafter Fotoqualität er damals wohl in der Lage war, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Oder lag es nur daran, dass er immer die Mädels klar machen konnte und im Gegenzug eben die Fotoazfträge kamen? Annie Leibovitz tourte auch mit Bands durch die Gegend und ihre Bilder sind um Welten ausdrucksstärker als all das, was ich hier sehe.
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