Ruhrgebiet in den Achtzigern Pudel, Wampen, Männerchöre

Tausende Fotos hat Reinhard Krause in den Achtzigerjahren im Ruhrgebiet geschossen. Seine Aufnahmen zeigen eine Region zwischen Frohsinn und Wirtschaftssterben, Lebensfreude und Tristesse. Nun werden die besten ausgestellt.

Reinhard Krause

Der Schatz lagerte in einem Umzugskarton. Hunderte Filmrollen, Tausende Bilder, die Reinhard Krause in den Achtzigerjahren in seiner Heimat aufgenommen hatte. Zu sehen sind Jungs, die vor einer gigantischen Hochofenkulisse Fußball spielen - und der Gewinner des "Mister Pilswampe"-Wettbewerbs 1984, der stolz seinen mächtigen Vorbau präsentiert. Typisch Ruhrgebiet.

Dreißig Jahre lang lebte der gebürtige Essener Krause im Pott und erkundete die Region mit der Kamera. Entwickelt hat er seine Bilder in der Badewanne. Krause besuchte die Pudelschau in Oberhausen und war Augenzeuge, wie erwachsene Männer auf allen vieren leicht bekleideten Mädels im Leopardenkostüm hinterherkrabbelten. Rosenmontag halt.

"Gut, diese Karnevalsbilder sind natürlich ein Schenkelklopfer", sagt der Fotograf. "Aber es sind dann doch die eher stilleren Aufnahmen, die heute bei den Menschen im Ruhrgebiet das größte Interesse finden." Bilder vom Schrubberverkauf in der Essener Innenstadt. Oder vom Discounter nebenan, dem ein Sprayer mit fragwürdigen Rechtschreibkenntnissen eine endgültige Schließung androhte: "Vorsicht! Sprengung RAF Heute Vorsich!"

"Ich ärgere mich manchmal, dass ich nicht noch mehr Bilder gemacht habe", sagt Krause, Jahrgang 1959. Vor einigen Jahren hat der heute in London lebende Fotochef der Nachrichtenagentur Reuters begonnen, Teile seiner Ruhrgebietsbilder im Internet zu zeigen. Mittlerweile präsentiert er jede Woche auf Facebook ein neues Bild aus seinem Fundus.

Aktuell sind seine besten Bilder in der Bochumer "Ping Pong Gallery c/o Trinkhalle" in der Ausstellung "Die 80er im Ruhrgebiet" zu sehen. Krause versteht seine Fotografien als "Liebeserklärung" an den Pott und seine Menschen. An die Kneipengäste, die ihm mit den Worten "Ja, Junge, mach mal" erlaubten, sie zu fotografieren. An verschwundene Supermärkte wie coop, an Punker, Diskotheken, Konzerte, Schlägereien, Pommesbuden und den Ruhrschnellweg.

Seit 1989 lebt Reinhard Krause nicht mehr im Pott. Trotzdem hat sich eine Tatsache nicht geändert: "Für mich ist das Ruhrgebiet immer noch Heimat."

Breakdance in der Innenstadt, Käffchen an der Ruhr - einestages zeigt eine Auswahl der Schnappschüsse.

insgesamt 5 Beiträge
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Miriam Märten, 25.07.2016
1. ...
Warum sind solche Aufnahmen eigentlich so häufig in Schwarz-Weiß? Klar, daß das dann trübe und trist wirkt. MEINE 80er waren deutlich bunter - eigentlich eines der buntesten Jahrzehnte überhaupt, voll von (nicht immer schönen) Neonfarben.
Hans Kollekta, 25.07.2016
2. Sowat gibt dat nur bei Uns inne Gegend!
Geil! Wer die 80er im Pott erlebt hat kriegt ein Dja vu nachm nächsten. Genau so war das und für den aufmerksamen Betrachter läßt sich die Einzigartigkeit des Ruhrgebietes noch heute entdecken. Zu keinem Moment führt Krause Land und Leute vor. Im Gegenteil, er kann seine Zuneigung gar nicht verbergen. Auf zur Ping Pong Gallery!
Idgie Towandaah, 25.07.2016
3. Wieso befremdlich?
Zumindest beim letzten Bild kann ich nichts Befremdliches erkennen. Es zeigt Linda Tellington-Jones bei einer Vorführung der von ihr entwickelten Heilmethode Tellington-Touch im Rahmen der Pferdemesse Equitana.
Günter Kuhr, 26.07.2016
4. Heimat
seit ich 1973 Dortmund der Arbeit wegen mit meiner Familie Richtung Hessen verlassen habe bleibt doch die Sehnsucht nach zu Hause. Immer wenn wir die 45 runterkommen und rechts der Florian auftaucht fühle ich mich super.
Holger König, 26.07.2016
5.
Das ist ein fach taktik. Wenn man zwei Dinge gegenüber stellt und dabei eines von beiden schwarzweiß, das andere in Farbe, dann kann man damit ein wertendes Bild darstellen.
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